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NAHOST: Treffen von Arafat und Powell offenbar ergebnislos

Die Vermittlungsbemühungen von US-Außenminister Colin Powell sind offenbar ohne konkretes Ergebnis geblieben. Ein zweites Treffen mit Arafat habe »einen katastrophalen Verlauf genommen«.

Die Vermittlungsbemühungen von US-Außenminister Colin Powell sind offenbar ohne konkretes Ergebnis geblieben. Ein zweites Treffen mit Jassir Arafat in Ramallah habe einen katastrophalen Verlauf genommen, sagte der palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo dem arabischen Sender El Dschasira. Niemand begleitete Powell zu seinem Auto, in dem er nach Jerusalem zurückfuhr. Der Außenminister sagte später, er habe Arafat gesagt, dass »der Terrorismus beendet werden muss«.

Arafat sichtlich erregt

Der Präsident der palästinensischen Autonomieverwaltung forderte nach Angaben seines Beraters Nabil Abu Rdeneh, dass Israel die jüngste Resolution des UN-Sicherheitsrats umsetzen und aus allen besetzten Orten im palästinensischen Autonomiegebiet abziehen müsse. Zugleich rief er US-Präsident George W. Bush und die internationale Gemeinschaft dazu auf, ein Ende seiner seit 20 Tagen andauernden Isolierung durch Israel zu erwirken. »Ich kann nicht aus der Tür treten«, sagte Arafat sichtlich erregt in einem dunklen Gang seines von Truppen umstellten Amtssitzes in Ramallah. »Wer kann so etwas akzeptieren?«

»Konflikt schlimmer als zuvor«

Nach dem zweistündigen Treffen mit Powell warf Arafat dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon vor, die Offensive im Westjordanland weiter voranzutreiben, anstatt seine Truppen abzuziehen. Sein Berater Sajeb Erakat sagte, die Lage im Konflikt mit Israel sei derzeit noch schlechter als vor einer Woche. Ungeachtet der amerikanischen Forderungen nach einem israelischen Truppenabzug sei die Besetzung ausgeweitet worden.

Powell hatte schon vor dem Treffen mit Arafat die Hoffnung aufgegeben, einen umfassenden Waffenstillstand herbeiführen zu können. Gescheitert sind nach palästinensischen Angaben auch die Bemühungen um eine gemeinsame Erklärung mit Powell, in der die Selbstmordanschläge auf Israel verurteilt werden und ein Rückzug der israelischen Truppen verlangt wird.

Nahostkonferenz vermutlichermutlich

Als einziges Ergebnis zeichnet sich jetzt die Aussicht auf eine Nahostkonferenz ab, die im Juni in den USA stattfinden soll. Scharon rückte dabei von seiner anfänglichen Weigerung ab, dass Arafat unter keinen Umständen an einer solchen Konferenz teilnehmen dürfe. Wer die Palästinenser vertrete, sei eine zweitrangige Frage, sagte Scharon am Dienstagabend im israelischen Fernsehen. Als weitere Teilnehmer sind Israel, Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien und möglicherweise auch Marokko im Gespräch.

Wieder Vorstöße der israelischen Armee

Israelische Truppen drangen in der Nacht zum Mittwoch in Issawijah ein, einem weiteren arabischen Vorort von Jerusalem. Nach Berichten von Augenzeugen wurden die männlichen Bewohner zu einer Tankstelle gebracht, Frauen und Kinder in eine Schule. Der israelische Rundfunk meldete, die Soldaten hätten mehrere Extremisten festgenommen. Weitere Razzien wurden aus Silat a Hartia im Norden des Westjordanlands und aus Balaa östlich von Tulkarem gemeldet.

Israel feiert Unabhängigkeit

In Israel wurde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen der 54. Jahrestag der Unabhängigkeit begangen. Scharon bekräftigte in mehreren Rundfunkinterviews die Zusage, dass die israelischen Truppen binnen Wochenfrist aus Dschenin und Nablus abgezogen würden. In Ramallah und Bethlehem würden die Soldaten aber solange bleiben, bis sich die dort vermuteten Terroristen ergeben hätten, sagte Scharon.