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Rückkehr nach Russland Nawalnys deutscher Fitness-Trainer über die Festnahme: "Er kannte das Risiko"

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"Ich habe ihn halt gefragt, ob er es für eine gute Idee hält. Dann hat er nur gemeint: 'If I don't try, I'll never know.' Ich kann's verstehen. Ich meine, wenn er jetzt hier geblieben wäre, hätte er; glaube ich, nicht so Gehör bekommen, wie wenn er zurückgegangen wäre. Das Risiko war ihm bewusst, das war glaube ich der ganzen Familie bewusst" , sagt Björn Leber über Alexei Nawalnys Rückkehr nach Russland. Leber war Nawalnys Fitness-Trainer, zu der Zeit als sich der Kreml-Kritiker im Schwarzwald von einem Giftanschlag erholte. Er half dem Dissidenten wieder auf die Beine. Am Anfang sei er noch ziemlich schwach gewesen, sagt Leber. "Er hatte auch anfangs Probleme zum Beispiel ins Auto einzusteigen. Das war auch die erste Erkenntnis bei mir. Deswegen habe ich auch gleich die Pläne mit Fokus auf Koordination geschrieben. Der zweite Schwerpunkt war Kraft. Weil dadurch, dass er lag, hat er gar keine Kraft mehr gehabt. Am Anfang gingen grade einmal fünf Liegestützen, und die waren wirklich wackelig." 18 Tage waren vergangen, nachdem Nawalny nach seiner Vergiftung und dem künstlichen Koma in einer Berliner Klinik wieder auf die Worte seiner Frau Julia reagierte. In den Monaten nach dem Anschlag im August, musste er seinen Körper wieder in den Normalzustand bringen. Im baden-württembergischen Ibach hat er seine Genesung vollendet. Viele, die ihn während dieser Zeit begleiteten, berichten, dass Nawalny nie sein politisches Ziel aus den Augen verloren habe. Demnach habe er nie vorgehabt, in Westeuropa zu bleiben. Trotzdem fand Nawalny wohl Spaß an der deutschen Sprache, berichtet Leber. "Ich habe ihm ein bisschen Deutsch beigebracht. Er konnte zum Schluss auch wirklich gut zählen, von eins bis 20. Dann habe ich ihn zwischendurch auch mal auf Deutsch motiviert, weil er das so wollte. Er hat mir ein paar russische Wörter beigebracht, ich weiß nicht mehr so viel davon." Der 23-Jährige habe den Job bekommen, nachdem einer von Nawalnys Assistenten in ein Fitness-Studio im nahegelegenen St. Blasien auftauchte, und nach einem Trainer fragte, der Englisch könne und in der Lage sei, ein Geheimnis zu bewahren. Leber baute in den Tagen mit Nawalny eine Art freundschaftliche Beziehung auf. "Die Oma kam hoch und hat mir so einen kleinen Schwarzwälder Kuchen in so einer Herzform, der war circa so groß, mitgebracht in einer Kuchenform. Den hab ich ihm dann mitgebracht. Der hat sich dann sehr gefreut, die war auch relativ schnell leer." Als Nawalny dann im Januar nach Russland zurückkehrte, wurde er schnell verhaftet. Vier maskierte Polizeibeamte fingen ihn bei der Passkontrolle ab und nahmen ihn fest. Ein paar Wochen später verurteilte ihn ein Moskauer Gericht wegen des Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen zu fast drei Jahren Haft. Seine Haftstrafe verbringt er derzeit in einem Straflager. Die Verurteilung wurde international scharf kritisiert und wird auch vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als ungerechtfertigt angesehen.
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Björn Leber hat dem Kreml-Kritiker bei seiner Genesung im Schwarzwald geholfen. Während dieser Tage bauten sie eine Art freundschaftliche Beziehung auf.

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