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Nikosia: Zyprer reißen Mauer ein

Mit Planierraupen haben griechische Bewohner eine Mauer eingerissen, die den griechischen vom türkischen Teil der Stadt trennt. Zyperns Außenminister Giorgos Lillikas fordert nun den Abzug der türkischen Soldaten aus dem Norden der geteilten Insel.

Die griechischen Zyprer haben mit dem Abbau der Grenze in der Hauptstadt Nikosia begonnen. Präsident Tassos Papadopoulos verkündete den Schritt beim Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel. Zugleich betonte er aber, dass so lange kein Zivilist über die Grenze dürfe, bis die türkische Seite ihre Truppen aus dem Gebiet abgezogen habe. Von der Türkei gab es zunächst keine Stellungnahme.

Auf beiden Seiten der Grenze verfolgten zahlreiche Schaulustige die überraschende Aktion, deren Auslöser unklar blieb. Planierraupen begannen nach Einbruch der Dunkelheit mit den Arbeiten an der fünf Meter hohen Mauer, die den griechischen vom türkischen Teil der Stadt trennt. Später transportierten Lastwagen erste Betonteile ab. Regierungssprecher Christodoulos Pashiardis sprach von einem "Zeichen des guten Willens". Der Sprecher sagte weiter, die Entfernung der Mauer allein löse das Problem nicht. Es müsse noch viel getan werden, bis an dieser Stelle ein Grenzübergang geöffnet werden könne.

Lillikas fordert Abzug der Türken

Die fünf Meter hohe Mauer befindet sich an einer Durchfahrtsstraße im Zentrum des Geschäftsbezirks und läuft über die Waffenstillstandslinie, die Nikosias griechischen vom türkischen Teil trennt, seit es in den 60er Jahren zu gewalttätigen Ausschreitungen und im Jahr 1974 zu einer türkischen Invasion kam. 2003 erleichterten die türkisch-zypriotischen Behörden die Besuchsbeschränkungen. Seitdem wurden fünf Grenzübergänge eingerichtet.

Zyperns Außenminister Giorgos Lillikas hat nach dem Einreißen der Grenzmauer den Abzug der türkischen Soldaten aus dem Norden der geteilten Insel gefordert. "Das Wichtigste ist, dass die türkische Armee aus dem Bereich des Grenzübergangs abgezogen wird", sagte er am Freitag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Die Armee erinnere die Menschen stets an die Besatzung des Nordteils der Insel durch türkische Soldaten. Lillikas wollte noch am Freitag mit EU-Chefdiplomat Javier Solana über die Lage in Zypern sprechen. Solana begrüßte grundsätzlich jede Entwicklung, die zum Abbau der Spannungen beitrage. "Wir wollen hoffen, dass alles gut wird."

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters