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Nordfront: Zangenangriff auf Bagdad

Eine Woche nach Kriegsbeginn in Irak haben die USA im Norden des Landes eine neue Front eröffnet, mit der die Invasionstruppen die Hauptstadt Bagdad jetzt aus zwei Richtungen angreifen können.

Im Schutz der Dunkelheit landeten nach Armeeangaben am Donnerstag rund 1000 Fallschirmjäger im kurdischen Nordosten und sicherten ein Flugfeld. Über diesen Brückenkopf sollten rasch weitere Kräfte und Kriegsgerät herangeführt werden. Im Süden Bagdads bereitete sich die US-Armee auf Gefechte mit einer irakischen Militärfahrzeugkolonne vor, die sich nach US-Angaben auf das 90 Kilometer südlich der Hauptstadt gelegene Kerbala zubewegte. Die USA und Großbritannien wollen den Worten eines hochrangigen Armeevertreters zufolge ihre Einsätze kurzfristig verstärken. Während die US-Armee den Kriegsverlauf als planmäßig beschrieb, meldete die "Washington Post", die Kampfhandlungen würden sich wahrscheinlich über Monate hinziehen.

"Dies ist der Beginn der Nordfront"

"Dies ist der Beginn der Nordfront", verlautete aus den US-Sicherheitskreisen zur Landung der Fallschirmjäger auf dem Flugfeld Harir, das rund 75 Kilometer nordöstlich der kurdischen Metropole Arbil liegt. Tagsüber waren 100 US-Soldaten und zwei Transport-Hubschrauber zu sehen, die auf dem Flugfeld gelandet waren. Die Luftlandoperation fand nach monatelangen vergeblichen Bemühungen der USA statt, von Iraks nördlichem Nachbarn Türkei die Erlaubnis zur Stationierung von 62.000 US-Soldaten zum Aufbau einer Nordfront zu erhalten.

Druck auf Bagdad auch aus dem Norden

Nach Angaben aus US-Verteidigungskreisen soll mit dem Aufbau der Nordfront der Druck auf die um Bagdad gruppierten Verteidigungslinien erhöht werden, die ihren Abwehrkampf bislang auf die aus Süden vorrückenden Invasionstruppen konzentrieren konnten. Neben dieser kriegsstrategisch wichtigen Aufgabe könnten die US-Truppen im Norden auch wichtige Ölfelder sichern und auf das Aufkommen eventueller Spannungen zwischen Kurden und türkischen Truppen achten. Die Türkei, die Autonomiebestrebungen der Kurden fürchtet, hat nach Tausende Soldaten im Norden Iraks stationiert.

Angriffe werden massiv verstärkt

"Sie werden sehen, dass wir bei dem besseren Wetter unsere Einsätze in den nächsten Stunden und Tagen verstärken", sagte ein Sprecher des Hauptquartiers des für den Irak-Einsatz zuständigen US Central Command. "Sowie das Wetter sich ändert, werden sie Einsätze im gesamten Kampfgebiet sehen", fügte er hinzu. Nach Angaben des irakischen Gesundheitsministers Umid Midhat Mubarak sind seit Kriegsbeginn mehr als 350 Zivilisten umgekommen.

Langer Krieg

Die Erwartung eines länger andauernden Kriegs in Irak angesichts des überraschend starken irakischen Widerstands trübte die Stimmung an den Finanzmärkten in Asien ein. Die Öl- und Goldpreise zogen wieder etwas an, während der Dollar zu Euro und Yen nachgab. Die "Washington Post" meldete unter Berufung auf Armeequellen, die Invasionsarmee müsse ihre Kampfkraft im Kriegsverlauf über das bestehende Maß hinaus erheblich steigern. US-Kommandeure in Katar sagten, der Feldzug verlaufe nach Plan. US-Präsident George W. Bush war am Mittwoch in einer Rede vor Soldaten und Angehörigen im Hauptqartier des Central Command in Tampa im US-Bundesstaat Florida von seinem Manuskript abgewichen und hatte dabei die Passage weggelassen, wonach der Feldzug "dem Plan voraus ist".

Keine großen Kolonnen der Iraker

Das US-Militär widersprach unterdessen Medienberichten, wonach es sich bei den südliche Bagdads vorrückenden irakischen Militärfahrzeugen um eine große Kolonne handele. Der Generalstabschef für die US-Truppen am Golf, General Richard Myers, sagte in Washington, es seien nur um "ein paar leichte Fahrzeuge", die sich von Bagdad auf Kerbala zubewegten. Der Fernsehsender CNN hatte am Vorabend berichtet, die Kolonne bestehe aus rund 1000, möglicherweise gepanzerten Fahrzeugen. Die Kolonne der Elitetruppe Republikanischen Garde befinde sich auf dem Weg nach Nadschaf, wo sich irakische Einheiten heftige Gefechte mit den US-Truppen lieferten. Die Truppenverlegung geschehe unter der Deckung eines seit Tagen anhaltenden Sandsturmes, der die Sicht einschränke.