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Nordkorea: Kims 28-Frisuren-Menü

Mit der Lebensmittelversorgung tut sich Nordkorea schwer. Nicht aber mit Maßgaben, wie die Haare zu schneiden sind: 28 offizielle Frisuren wurden nun angeordnet. Die des Diktators ist nicht darunter.

Von Niels Kruse

Einmal die Nummer sechs, bitte, mit hinten etwas kürzer: So und nicht anders haben Frisuren für nordkoreanische Frauen auszusehen.

Einmal die Nummer sechs, bitte, mit hinten etwas kürzer: So und nicht anders haben Frisuren für nordkoreanische Frauen auszusehen.

Was darf es denn sein? Einmal die Nummer neun? Der gepflegte Halblangschnitt für die verheiratete Dame? Oder doch eher etwas jugendlicheres, fescheres, vielleicht die Nummer 15? Auch die Herren sollen natürlich nicht zu kurz kommen. Das heißt, doch - kurz schon, aber nur hinten und an der Seite. Für den Vorder- und Oberkopf bieten wir eine Auswahl von zehn Normschnitten: Scheitel nach Belieben rechts, links oder mittig, alternativ auch ganz ohne. Und selbstverständlich die beliebte Frisur nach alter Geliebter-Führer-Sitte: leicht toupiert.

Es ist ja nicht so, dass Nordkorea gerade keine anderen Probleme hätte. Den Streit ums Atomprogramm zum Beispiel. Oder die notorische Lebensmittelknappheit. Auch die geplanten Wirtschaftsreformen dürften dem einen oder anderen Bewohner der Volksrepublik zu schaffen machen. Dessen ungeachtet demonstrieren die Diktatoren in Pjöngjang nun, was ihnen auch sehr wichtig ist – das ordentliche Erscheinungsbild ihrer Bürger.

Bisher sollten die Frisuren für nordkoreanische Männer exakt so aussehen. Der Haarschnitt von Kim Jong-un war nicht dabei.

Warum steht der Haarschnitt von Kim Jong Un nicht zur Auswahl? So und nicht anders haben Frisuren für nordkoreanische Männer auszusehen.

Dazu haben sie nun eine bebilderte Empfehlung an die Barbiere des Landes verteilt. Aus der ist zu entnehmen, wie sich ein anständiger Nordkoreaner zu frisieren hat. Für die Frauen gilt: je jünger, desto länger dürfen die Haare sein, Ehefrauen sollten sie dagegen praktisch und kürzer halten. Immerhin unter 18 verschiedenen Din-A-Diktatur-Schnitten können die Damen auswählen. Die Herren dagegen müssen sich mit zehn verschiedenen Varianten des einen und desselben Fassonschnitts begnügen. Als ob Männer nicht auch gerne mal die Haare schön hätten.

Die Ausgabe des 28-Gänge-Frisur-Menüs mit praktischer Nummerierung wurde mit dem Hinweis versehen, dass sie kommod für die Genossen seien – und außerdem geeignet, den korrumpierenden Einfluss des Kapitalismus abzuhalten. Ja, so lautet tatsächlich der offizielle Kommentar zu dieser Maßnahme. Beim Blick auf die seltsam aus der Zeit gefallenen Beton-Schnitte könnte man also auch von Schutzhelmen gegen das Böse sprechen.

Schon Vater Kim beklagte die Westfrisur

Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Regime um die Haarpracht der Nordkoreaner sorgt. Schon der Vater des aktuellen Diktators, Kim Jong Il, hatte vor einigen Jahren den verderblichen Einfluss westlich-orientierter Frisuren beklagt und ebenfalls die Einhaltung anständiger, sozialistischer Schnitte gefordert. Anlass damals wie heute: die Verwestlichung der Volksrepublik. Über die Schmuggelrouten sickert seit Jahren immer mehr (verbotene) Popkultur vor allem aus Südkorea in den isolierten Norden ein. Besonders beliebt sind Seouler Seifernopfern und natürlich das ganze Repertoire des sogenannten K-Pop, dessen bekanntester Vertreter Psy und sein Gangnam Style ist.

Fraglich ist allerdings, warum sich Jungdespot Kim Jung Un und seine Clique ernsthaft über den Trend zur West-Frisur wundert. Schließlich hat er zurzeit die Basketball-Mannschaft der Harlem Globetrotters in Pjöngjang zu Gast. Begleitet werden sie von niemandem geringeren als Dennis Rodman. Bestens gelaunt präsentierte sich der junge Kim mit dem gealterten Superstar vor den Kameras des Staatsfernsehens. Zur Erinnerung: Rodman war der Typ, der ständig wechselnde Frisuren und Haarfarben in Sportlerkreisen salonfähig machte. Und Kims "Undercut" ist auch nicht ganz so regelkonform. Aber die Sache mit ihrer Vorbildfunktion haben die Kims ja noch nie so eng gesehen.