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Sie entkam dem Kim-Regime: Mädchen berichtet unter Tränen vom Horror in Nordkorea

Mit 13 floh Yeonmi Park aus Nordkorea. Dabei starb erst ihr Vater, später musste sie mitansehen, wie ihre Mutter vergewaltigt wurde. Die 21-Jährige spricht über das Schreckensregime in Pjöngjang.

Von Niels Kruse

Yeonmi Park in Tränen aufgelöst auf dem One Young World Summit in Dublin

Yeonmi Park in Tränen aufgelöst auf dem One Young World Summit in Dublin

Sie wirkt fast wie eine Puppe. Zierlich, in ein traditionelles koreanisches Gewand gehüllt, die Haare sauber frisiert. Doch ihre elfenhafte Erscheinung steht im herben Kontrast zu dem, was in der 21-Jährigen vorgeht. Yeonmi Park ist Nordkoreanerin, beziehungsweise sie war es, bis sie vor sieben Jahren aus der Horrordiktatur floh. Ihr Vater starb dabei. "Wir mussten ihn heimlich begraben, um drei Uhr morgens. Ich konnte nicht einmal weinen", berichtete die junge Frau mit tränenerstickter Stimme vor kurzem auf dem "One Young World Summit" in Dublin (siege Video unten).

"Unsere Mütter sind stark"

Es sollte nicht ihr einziger Albtraum bleiben. An dem Tag, als die Familie die Grenze nach China übertrat, begegnete sie einem chinesischen Händler. Nordkoreanische Flüchtlinge sind Freiwild in dem Land, und so geriet auch die damals 13-jährige Yeonmi ins Visier des Mannes. Er wollte sich an dem Mädchen vergreifen. Doch die Mutter opferte sich an ihrer statt, um die Tochter zu schützen. Der Mann vergewaltigte sie, Yeonmi musste die fürchterliche Tat mitansehen. "Es gibt in Korea ein Sprichwort: "Wenn unsere Männer schwach sind, sind unsere Mütter stark."

Die Erbarmungslosigkeit des Regimes in Pjöngjang macht selbst kleinen Kindern nicht halt. "Ich wurde 1993 geboren und als Baby entführt. Als ich vier war, warnte meine Mutter mich davor, den Hauch einer Kritik an der Kim-Regierung auch nur zu flüstern. Als ich neun war, musste ich zusehen, wie eine Freundin meiner Mutter öffentlich hingerichtet wurde. Ihr Verbrechen: Sie hatte einen Hollywood-Film gesehen." Äußerte jemand Zweifel an den brutalen Methoden des Regimes, würde nicht nur der- oder diejenige im Arbeitslager oder dem Schafott landen, sondern gleich drei Generationen der Familie, so Yeonmi.

Ihre Äußerungen auf der Jugendkonferenz in Dublin, die von einer britischen Nonprofit-Organisation ausgerichtet wird und regelmäßig Größen wie Bob Geldorf, Bill Clinton und Kofi Annan einlädt, decken sich weitgehend mit Berichten anderer Flüchtlinge und Menschenrechtsorganisationen. Schätzungen zu folge, gibt es in China rund 300.000 Nordkoreaner, die dort oft als Menschen dritter Klasse behandelt werden und zudem in ständiger Furcht vor einer Abschiebung zurück in die abgeschottete Diktatur leben. Dort drohen ihnen dann Arbeitslager oder die sofortige Exekution. Der 21-Jährigen war es in ihrer Rede daher wichtig, auf das Schicksal der Flüchtlinge hinzuweisen. "Wenn mich Leute fragen, wie man Nordkoreanern helfen kann, sage ich ihnen: Nehmt Einfluss auf die Regierungen dieser Welt, damit China endlich aufhört, nordkoreanische Flüchtlinge abzuschieben."

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