HOME

Pete Souza: "Heilige Scheiße, wir sind hinter bin Laden her": Fotograf erzählt, wie das berühmte Obama-Bild entstand

Vor neun Jahren verfolgte der damalige US-Präsident Barack Obama am Bildschirm, wie US-Soldaten Osama bin Laden töteten. Dabei entstand eine weltberühmte Aufnahme. Jetzt hat Fotograf Pete Souza die Geschichte dahinter erzählt.

Dieses Foto veröffentlichte das Weiße Haus nach der Tötung von Osama bin Laden durch die US-Armee

Dieses Foto veröffentlichte das Weiße Haus nach der Tötung von Osama bin Laden durch die US-Armee. Es zeigt den damaligen Präsidenten Barack Obama mit Regierungsmitgliedern und Beratern im "Situation Room" des Weißen Hauses.

Picture Alliance

Das Bild ging um die Welt: US-Präsident Barack Obama sitzt am Nachmittag des 1. Mai 2011 im Lagebesprechungsraum des Weißen Hauses und sieht dabei zu, wie eine Spezialeinheit der US-Armee in Pakisten Al-Kaida-Chef Osama bin Laden aufspürt und tötet. Bei ihm im "Situation Room" sind sein Vize Joe Biden, Außenministerin Hillary Clinton, Verteidigungsminister Robert Gates und mehrere Sicherheitsberater.

Gemacht hat die Aufnahme der damalige Präsidenten-Fotograf Pete Souza. Neun Jahre später hat Souza jetzt auf Instagram berichtet, wie er dazu kam, eines der bekanntesten Bilder der Obama-Ära zu machen.

Souza erklärt Obamas eigenartige Sitzposition

Ein Beamter aus dem Weißen Haus habe ihn damals alarmiert, weil "sich etwas zusammenbraute" und er sich deshalb für das kommende Wochenende bereithalten sollte, erzählt der 65-Jährige in einem 21 Minuten langen Video. Am Donnerstag vor dem Wochenende habe er den damaligen Nationalen Sicherheitsberater Thomas Donilon mit seinen Informationen konfrontiert. Dieser habe ihm nur bestätigt, dass das bevorstehende Ereignis "historisch" sein werde und ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass er auf jeden Fall vor Ort sein sollte.

Souza begleitete Obama daraufhin am gesamten Wochenende, fand aber erst am Sonntagnachmittag bei einem ersten Treffen des Präsidenten mit seinen Sicherheitsberatern im "Situation Room" heraus, was gerade in Gange war. "Heilige Scheiße, wir sind hinter bin Laden her", habe er gedacht, als er endlich von dem Sondereinsatz erfahren habe. Er sei nicht nervös, sondern "definitiv in doppelter Alarmbereitschaft" gewesen, da er gewusst habe, dass er an diesem "Tag aller Tage" visuell dokumentieren werde, wie Geschichte geschrieben werde, erinnert sich der Fotograf.

Als Obama, Clinton und die anderen in den Besprechungsraum geströmt seien, habe er sich bereits einen Platz in dem Zimmer gesucht gehabt, erzählt Souza weiter. Der Raum sei so eng gewesen, dass er sich kaum habe bewegen können. Luftwaffengeneral Bradley Webb habe am Kopfende des Konferenztisches gesessen und Obama sofort seinen Platz angeboten, als dieser hereingekommen sei. Der Präsident habe jedoch abgelehnt, weil Webb von dort aus mit seinem Laptop die Verbindung zu dem Sondereinsatzkommando in Pakistan gehalten habe. Der Präsident habe sich stattdessen selbst einen kleinen, harten Klappstuhl herangezogen und darauf niedergelassen. Das sei der Grund, warum Obamas Sitzposition auf dem Foto eigenartig wirke.

"Die Stimmung war angespannt", berichtet Souza und deutet an, was genau in dem Moment geschah, als er auf den Auslöser drückte: "Alles, was ich Ihnen sagen kann, ist Folgendes: Aus einer öffentlich zugänglichen Chronologie wissen wir, dass der Angriff um etwa 15.30 Uhr Ostküstenzeit begann und dass die Aktion etwas mehr als 40 Minuten dauerte. Dieses Bild ist von meiner Kamera mit dem Zeitstempel 16:05 Uhr Ostküstenzeit versehen worden", erzählt der Fotograf. Bis von den Behörden ein minutengenauer Ablauf der Mission freigegeben werde, könne er nicht mehr dazu sagen.

Donald Trump und Barack Obama

Auf die Frage eines Instagram-Users nach Hillary Clinton, die sich anscheinend vor Entsetzen eine Hand vor den Mund hält, antwortete Souza: Die Geste der Außenministerin habe für so viele Spekulationen gesorgt, dass er auf seinen mehr als 1000 damals geschossenen Bildern nachgesehen habe, wie oft andere ebenfalls die Hände zum Gesicht erhoben hatten. "Fast jeder tat es irgendwann einmal", erklärte der Fotograf.

Nicht alle auf dem Bild seien auch die ganze Zeit über im Raum gewesen, schließt Souza sein Video. Es sei ihm bei der Auswahl des Bildes aber nicht darum gegangen, wer darauf zu sehen sei, sondern, welches die beste Fotografie sei. "Und ich bin überzeugt davon, dass ich die richtige gewählt habe."

Quellen: Pete Souza auf Instagram, "Huffington Post"