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Oliver Stone: Bush ist (k)ein Witz

Sein neuer Film "World Trade Center", eine Heldengeschichte vom 11. September, löste auch im Weißen Haus Begeisterung aus. Das Interview, das Oliver Stone dem stern gab, wird man im Weißen Haus nicht gerne lesen.

Oliver Stone, 59, bleibt ein politischer Rebell - auch wenn sein neuer Film "World Trade Center", der momentan in den US-Kinos läuft, einen eher patriotischen Eindruck hinterlässt. In einem Interview, das der stern am Donnerstag veröffentlicht, rechnet Stone mit der Bush-Administration und der US-Außenpolitik ab. Über den amerikanischen Präsidenten, mit dem er gemeinsam in Yale studierte, sagt Stone: "Er besitzt keine Tiefe. Er haut dir auf den Rücken, nennt dich beim Spitznamen, macht Witze, das typische Internatsverhalten. Es gibt nichts Schlimmeres als einen Cheerleader im Jungeninternat, einen Klassenclown, der anderen den Arsch küsst. Bush war ein Witz. Keiner nahm ihn ernst. Heute ist er leider kein Witz."

Vor allem die amerikanische Außenpolitik bereitet Stone Kopfzerbrechen. Seiner Ansicht nach wurde der 11. September zu einem "Monstrum" aufgeblasen, um den Krieg gegen den Irak zu rechtfertigen. Wer hinter dieser Strategie steckt, ist für Stone offensichtlich: "Was, zum Teufel, war der Irak-Krieg anderes als eine Verschwörung von Cheney und Bush und einer Bande im Pentagon? Die wollten Krieg auf Teufel komm raus und ignorierten alle anderen Einschätzungen." Unter einer demokratischen Führung, so Stone, wäre die Reaktion moderater ausgefallen. "Wäre Al Gore Präsident gewesen, hätte es eine viel ausgewogenere Antwort gegeben. Die Welt wäre heute ein anderer Ort."

Wiederholt sich die Geschichte?

Die Folgen der US-Außenpolitik kritisiert Stone mit harschen Worten: "Hunderttausende sind tot, wir haben öffentliche Hinrichtungen auf Video, eine Serie von Terroranschlägen, hohe Staatsschulden in Amerika, den Bruch der Verfassung." Die Situation sei "viel schlimmer" als das Ereignis vom 11. September selbst. Stone interpretiert den damaligen Anschlag als "Rebellion" der Araber gegen den "American Way of Life".

Stone, der in Vietnam an der Front war und seine Erfahrungen in drei Kinofilmen ("Platoon", "Geboren am 4. Juli", "Zwischen Himmel und Hölle") aufgearbeitet hat, hat das Gefühl, dass sich die Geschichte in gewisser Weise wiederholt. Das, was in Vietnam passiert sei, sei mit dem vergleichbar, was nun im Irak geschehe: "Die vielen Toten, die Lügen, die Täuschungen, die Folterungen, die Gesetzesbrüche. Wir befinden uns mal wieder in einem falschen Krieg." Da nun auch der Nahe Osten brennt, sorgt sich Stone, dass die Situation zu einem Weltkrieg eskalieren könne. "Wir sehen das häufig am Beginn eines Jahrhunderts."

Geld aus Europa

Stone, 1946 in New York geboren, wuchs in einem großbürgerlichen Elternhaus auf: Sein Vater war ein vermögender Börsenhändler, seine Mutter, eine Französin, gab rauschende Feste. Auch um sich von seinen Eltern abzugrenzen, meldete sich Stone freiwillig für den Vietnam-Krieg. Nach seiner Rückkehr studierte er an der Filmhochschule New York, international bekannt wurde er mit "Platoon", für den er den Oscar als bester Regisseur erhielt. Da Stone immer wieder kontroverse Themen aufgriff ("Talk Radio", "Wall Street", "JFK", "Natural Born Killers") und sich regierungskritisch äußerte, galt er schnell als Hollywood-Rebell und "Liberaler" - in den USA eine Art Schimpfwort für Anhänger der Linken. Scharfe Kritiken handelte sich Stone ein, als er 2003 in seinem Dokumentarfilm "Commandante" den kubanischen Diktator Fidel Castro wohlwollend porträtierte. Der darauf folgende Film "Alexander" (2004) wurde zum größten Teil von europäischen Investoren finanziert.