Olympisches Feuer IOC gegen Abbruch des Fackellaufs


Die Träger des olympischen Feuers haben auch in San Francisco einen Spießrutenlauf vor sich, mehrere tausend Sicherheitskräfte sollen beim Lauf für Ruhe sorgen. Auch in Buenos Aires, der nächsten Station, beginnen bereits Proteste. Doch das IOC will, dass die Flamme weiter um die Welt reist.

Nach internen Diskussionen haben sich die IOC- Mitglieder am Rande der olympischen Woche in Peking entschieden gegen einen vorzeitigen Abbruch des olympischen Fackellaufs ausgesprochen. "Ich habe mit unserem Präsidenten Jacques Rogge gesprochen. Er ist zu 100 Prozent überzeugt, dass es keine Änderungen bei der internationalen Route der Fackel geben wird. Aber wir überlegen uns Veränderungen für die Zukunft", sagte Mario Vazquez-Rana, Präsident der Vereinigung aller 205 Nationalen Olympischen Komitees (ANOC). Am Mittwoch macht der Fackellauf Station in San Francisco, wo zahlreiche Protestaktionen erwartet werden.

Gunilla Lindberg, Vizepräsidentin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) meinte: "Wir sollten genauso weitermachen wie geplant. Der Fackellauf muss die internationale Route beenden." Vor den Olympischen Spielen 2004 in Athen wurde die Fackel erstmals auf Welttour geschickt. Die Organisatoren der Peking-Spiele veranstalten den als "Reise der Harmonie" angepriesenen Fackellauf sogar über 137.000 Kilometer durch 19 Städte außerhalb Chinas. Bei den kommenden Winterspielen 2010 in Vancouver ist geplant, dass die Fackel zwar im griechischen Olympia entzündet, aber danach nur noch in Kanada laufend zur Schau gestellt wird.

Bereits am Dienstagabend hatte IOC-Präsident Jacques Rogge im französischen Fernsehen Gerüchte in verschiedenen Medien zurückgewiesen, es werde ein frühzeitiges Ende des Fackellaufs in Erwägung gezogen. "Es ist ein Gerücht, das falsch ist. Es gibt keine Diskussion in diese Richtung."

Massives Aufgebot von Sicherheitskräften

San Francisco bereitete sich derweil mit einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften auf den Fackellauf vor. Einer der Läufer sagte seine Teilnahme aus Sicherheitsgründen ab, wie die Behörden in der US-Metropole mitteilten. Am Dienstag protestierten mehrere hundert Menschen friedlich gegen die chinesische Tibet-Politik. Die Demonstranten marschierten durch die Straßen zum chinesischen Konsulat, viele trugen tibetische Flaggen.

Am Montag hatten drei Aktivisten mit einer spektakulären Aktion gegen die Pekinger Tibet-Politik protestiert: Sie kletterten auf die Golden Gate Bridge und hängten dort die tibetische Fahne auf sowie zwei Transparente auf mit der Aufschrift "Befreit Tibet 08" und "Eine Welt - Ein Traum. Freies Tibet". Die geplante 6,9 Kilometer lange Route des Fackellaufs werde möglicherweise noch geändert, erklärte Gavin Newsom, der Bürgermeister von San Francisco. Die Entscheidung liege bei der Polizei.

Zwischenfall in Buenos Aires

Auch in Buenos Aires, der nächsten Station des Fackellaufs, mobilisierten die Behörden schon Sicherheitskräfte: Mindestens 1200 Polizisten sollen zusammen mit 3000 zivilen Helfern dafür sorgen, dass die etwa 80 Läufer mit dem olympischen Feuer - darunter voraussichtlich auch der frühere Fußballstar Diego Maradona - die insgesamt 13 Kilometer lange Strecke ohne Störungen überstehen. Die argentinische Metropole ist die siebte von weltweit 21 geplanten Stationen des Fackellaufes.

Stationen des Fackellaufs

Nie zuvor war das olympische Feuer am Rio de la Plata. "Es wird alles gut organisiert, und wir sind überzeugt, dass dies ein Grund der Freude und des Stolzes sein wird", sagte Bürgermeister Mauricio Macri bei einer Pressekonferenz. Zugleich rief er dazu auf, Sport und Politik nicht zu vermischen. "Wir sind für die Menschenrechte hier, in China und in Paris, aber ein Akt des Friedens darf nicht mit einem politischen Vorgang verwechselt werden", betonte der konservative Politiker.

Jedoch wurde schon Macris Pressekonferenz von einem Mann, der sich als Vertreter einer Organisation Freies Tibet bezeichnete, unterbrochen. Jorge Aníbal Carcavallo kündigte an, die Fackel solle in Buenos Aires zwar nicht wie in Paris gelöscht werden, aber es werde "überraschende Aktionen" geben. Dabei gehe es darum, sich für eine "Kultur des Friedens und für die Befreiung Tibets" einzusetzen, sagte Carcavallo weiter.

DPA/AP AP DPA

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