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Olympischer Fackellauf in Lhasa: China setzt auf Staats-PR und Polizei

Nach drei Stunden war alles vorbei: Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot ist am Samstag das Olympische Feuer durch die tibetische Hauptstadt Lhasa getragen worden. Dabei kam es zu keinen Zwischenfällen - die chinesische Regierung hatte nichts dem Zufall überlassen.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ist am Samstag das olympische Feuer durch die tibetische Hauptstadt Lhasa getragen worden. Der Fackellauf wurde von Exiltibetern und internationalen tibetischen Aktionsgruppen scharf kritisiert. Aus ihrer Sicht will Chinas Führung damit ihren Machtanspruch auf das größte Hochland der Erde bekräftigen. Erst am Donnerstag und Freitag waren erneut zwölf Teilnehmer an den Unruhen im März in Tibet verurteilt worden. Die Höhe der Haftstrafen wegen Brandstiftung, Raubes oder Angriffen auf Staatsorgane wurde zunächst nicht genannt.

Weitere 116 Unruhestifter warteten noch auf ihren Prozess, berichtete der Vizevorsitzende der Autonomen Regierung, Palma Trily, nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua. 1157 Menschen, denen kleinere Vergehen vorgeworfen worden seien, seien wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International begrüßte die Freilassungen und forderte Aufklärung über die 116 Inhaftierten, denen noch der Prozess gemacht werden soll. Am 29. April waren schon 30 Mönche und andere Teilnehmer an den Unruhen zu hohen Strafen bis hin zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Schweigeminute für Erdbeben-Opfer

Zu Beginn einer Zeremonie, bei der die olympische Fackel entzündet wurde, gedachten mehrere hundert Zuschauer wie bei den anderen Stationen des Fackellaufes zunächst mit einer Schweigeminute der Opfer des verheerenden Erdbebens in Sichuan. Teile des Fackellaufes wurden live im chinesischen Staatsfernsehen übertragen. Am Rande der 9,3 Kilometer langen Strecke zum Potala-Palast, dem früheren Sitz des Dalai Lama, winkten Zuschauer mit olympischen und chinesischen Fahnen. Nach Angaben exiltibetischer Gruppen sollen die Zuschauer sorgfältig ausgewählt worden sein. Unter den 155 Fackelläufern waren nach amtlichen Angaben auch 75 Tibeter.

Der Dalai Lama hatte seine Landsleute aufgefordert, den Fackellauf nicht zu stören und zu respektieren. Die Tibeter unterstützten die Olympischen Spiele, wozu auch der Fackellauf gehöre, hatte das religiöse Oberhaupt der Tibeter im Vorfeld betont. Vor dem Fackellauf zeigte sich Tibets Vizeregierungschef nach Angaben der Staatsagentur Xinhua überzeugt, dass die Sicherheit auf der Etappe gewahrt werden könne. Er warf exiltibetischen Gruppen vor, den Lauf durch Tibets Hauptstadt sabotieren zu wollen.

Scharfe Kritik von Menschenrechtsgruppen

Die in den USA ansässige Menschenrechtsgruppe Human Rights in China (HRiC) kritisierte den Fackellauf in Lhasa. "Diese provokative Entscheidung - mit dem Segen des Internationalen Olympischen Komitees - kann die Spannungen verschärfen und den empfindlichen Prozess untergraben, eine langfristige Lösung für Tibet und die Region zu finden", sagte HRiC-Direktorin Sharon Hom. Der ursprünglich geplante dreitägige Fackellauf durch Tibet war im Zuge der Änderungen nach dem Erdbeben in Sichuan auf nur noch einen Tag in Lhasa verkürzt worden.

Höhepunkt der Etappe war die Vereinigung der Flamme, die um die Welt gegangen ist, mit dem Feuer, das am 8. Mai eine Gruppe chinesischer und tibetischer Bergsteiger auf den Mount Everest, den höchsten Berg der Erde, getragen hatte.

DPA/AP / AP / DPA