Osama Bin Laden Israel deutet Botschaft als Zeichen der Schwäche


Das Phantom meldet sich nach drei Monaten wieder zu Wort: In einer auf Al Dschasira gesendeten Botschaft kritisiert der vermeintliche Osama den Umgang des Westens mit der Hamas. Israel deutet die Botschaft als Zeichen der Schwäche.

Al-Kaida-Chef Osama bin Laden hat in einer neuen Audiobotschaft den Umgang des Westens mit der neuen palästinensischen Regierung verurteilt. Die Einstellung der Finanzhilfen nach dem Wahlsieg der radikalislamischen Hamas beweise, dass die USA und Europa Krieg gegen den Islam führten, heißt es auf einem am Sonntag vom arabischen Fernsehsender Al Dschasira abgespielten Tonband. Ferner wird darin mit einer Bekämpfung von UN-Friedenstruppen im Sudan gedroht.

Echtheit scheint wahrscheinlich

Es handelte sich um die erste Botschaft Bin Ladens seit dem 19. Januar 2006. Die Echtheit des Bandes konnte zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. Die Stimme darauf schien jedoch dieselbe zu sein wie in früheren Botschaften, die dem Terrorchef zugeordnet wurden. Der Sprecher warf dem Westen mit Blick auf den Umgang mit der Hamas vor, einen "Krieg zionistischer Kreuzritter gegen die Muslime" zu führen. Die palästinensische Regierung distanzierte sich vom Al-Kaida-Chef. "Die Ideologie der Hamas ist vollkommen anders als die Ideologie von Scheich Bin Laden", sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri. Er fügte jedoch hinzu, "die internationale Belagerung des palästinensischen Volkes" erwecke tatsächlich den Eindruck, "dass eine westlich-israelische Allianz gegen die Palästinenser arbeitet".

Bin Laden stößt auf Kritik bei den Muslimen

Die israelische Regierung interpretierte die neue Tonbandbotschaft in einer ersten Reaktion als Zeichen der Schwäche. Wegen Anschlägen von Al Kaida in muslimischen Ländern sei Bin Laden zuletzt auch in der islamischen Welt in Kritik geraten, sagte Regierungssprecher Raanan Gissin. "Wenn er Israel attackiert, ist das etwas, wohinter sich die arabische Welt vereinen kann", sagte Gissin. Bin Laden erklärte, für den Konflikt mit der islamischen Welt seien nicht nur die Regierungen, sondern auch die Bevölkerung westlicher Staaten verantwortlich: "Solange dieser Krieg weiter geht, bekräftigen die Menschen ihren Herrschern und Politikern ihre Gefolgschaft und schicken weiterhin ihre Söhne in unsere Länder, um uns zu bekämpfen."

Sudan im Visier

Der Al-Kaida-Chef rief ferner "die Mudschahedin und ihre Unterstützer" dazu auf, sich auf einen "langen Krieg gegen die plündernden Kreuzritter im Westen des Sudans" vorzubereiten. Vermutlich spielte er damit auf die geplante Stationierung von UN-Friedenstruppen in der Krisenprovinz Darfur an. Es gehe nicht darum, die sudanesische Regierung zu verteidigen, sondern den Islam, hieß es in der Botschaft weiter. Die Regierung in Khartum wird von arabischstämmigen Politikern dominiert. Bin Laden hatte einst seine Basis im Sudan, wurde aber später des Landes verwiesen. Er floh zunächst nach Afghanistan und wird heute in Pakistan vermutet.

Karikaturen-Zeichner sollen ihm ausgeliefert werden

Aus Geheimdienstkreisen in Washington verlautete, Bin Laden habe sich aus Sicherheitsgründen von seinem Stellvertreter Ajman al Sawahri getrennt. Auch dieser halte sich aber weiterhin im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf. In der Tonbandbotschaft äußerte sich Bin Laden auch zum Streit über die Karikaturen des Propheten Mohammed, deren Veröffentlichung in einer dänischen Zeitung zu gewaltsamen Protesten in der islamischen Welt geführt hatte. Die Zeichner sollten ihm zur Bestrafung ausgeliefert werden, sagte der Al-Kaida-Chef.

Aufruf zum Boykott gegen amerikanische Produkte

Er rief ferner alle Muslime zum Boykott amerikanischer Produkte auf. In seiner Botschaft vom 19. Januar, die ebenfalls von Al Dschasira ausgestrahlt wurde, hatte Bin Laden mit neuen Anschlägen in den USA gedroht. Zugleich bot der Terroristenführer einen Waffenstillstand "mit fairen Bedingungen" an, "so dass wir den Irak und Afghanistan wieder aufbauen können".

DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker