Pakistan 43 Tote beim Sturm auf Rote Moschee


Der tagelange Nervenkrieg um die Rote Moschee in Islamabad endete in einem Blutbad. Pakistanische Soldaten stürmten das Gelände. Der Kleriker Abdul Rashid Ghazi erklärte zuvor, "mein Märtyrertum ist nun sicher".

Pakistanische Soldaten stürmten das Gelände des sunnitischen Gotteshauses und lieferten sich heftige Feuergefechte mit militanten Kämpfern, wie General Waheed Arshad, ein Sprecher der Streitkräfte, mitteilte. Dabei seien etwa 40 Islamisten ums Leben gekommen. Auch seien mindestens drei Soldaten getötet und 15 weitere verletzt worden. Die Truppen rückten von drei Seiten auf die Moschee vor und übernahmen laut Arshad schnell die Kontrolle über den Hauptraum im Erdgeschoss. Etwa 20 Kinder rannten auf die Soldaten zu und wurden in Sicherheit gebracht.

"Mein Märtyrertum ist nun sicher"

Auf dem festungsartigen Gelände hatten sich vor einer Woche radikale Kleriker verschanzt, die schätzungsweise 150 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, als Geiseln in ihre Gewalt gebracht hatten. Sie zogen sich laut Arshad nunmehr ins Untergeschoss des Gotteshauses zurück und leisteten heftigen Widerstand mit Gewehren, Granaten und Brandbomben. Der führende Kleriker Abdul Rashid Ghazi sagte dem Fernsehsender Geo TV, die Regierung gehe mit aller Gewalt vor, was "nackte Aggression" sei. "Mein Märtyrertum ist nun sicher", erklärte Ghazi. Nach seinen Angaben leisteten etwa 30 seiner Anhänger Widerstand, doch stünden ihnen lediglich 14 Sturmgewehre vom Typ AK-47 zur Verfügung. Die Rote Moschee, zu der auch zwei Koranschulen gehören, gilt als Hochburg des militanten Islamismus in Pakistan.

Vermittlungsgespräche gescheitert

Die Militäraktion begann, kurz nachdem letzte Vermittlungsgespräche unter der Leitung des ehemaligen Ministerpräsidenten Chaudhry Shujaat Hussain endgültig gescheitert waren. Hussain verhandelte etwa neun Stunden lang mit Ghazi über Lautsprecher und Mobiltelefon. Dabei seien gute Angebote gemacht worden, aber Ghazi sei nicht zum Aufgeben bereit gewesen, sagte Hussain. Armeesprecher Arshad erklärte nach Beginn des Militäreinsatzes, wer sich jetzt ergebe, werde festgenommen, alle anderen würden als feindliche Kämpfer betrachtet und getötet. Die Rote Moschee wurde von Truppen belagert, nachdem es am Dienstag vergangener Woche zu Straßenschlachten zwischen Sicherheitskräften und radikalen Koranschülern gekommen war. Mehr als 1.200 Menschen flohen in den folgenden Tagen aus dem Komplex. Am Wochenende sprengte die Regierung Löcher in die Mauern, konnte die radikalen Kleriker aber nicht zum Aufgaben bewegen.

Zarar Khan/AP


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker