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Deutscher Pharmakonzern: Fresenius klagt gegen Hinrichtung: Hat Nebraska Mittel für Giftspritze illegal gekauft?

Im US-Bundesstaat Nebraska soll ein Mörder per Giftspritze hingerichtet werden. Doch die deutsche Pharma-Firma Fresenius Kabi klagt dagegen. Sie hat wohl zwei der Medikamente für die Giftspritze hergestellt - aber nicht an Nebraska verkauft.

Im Hinrichtungsraum des Huntsville-Gefängnisses in Texas steht eine weiß bezogenen Liege für die Todeskandidaten

Die USA haben seit einiger Zeit Probleme, Medikamente für Hinrichtungen per Giftspritze zu besorgen

DPA

Der deutsche Pharmakonzern Fresenius Kabi will eine im US-Bundesstaat geplante Hinrichtung gerichtlich stoppen lassen. Das Unternehmen reichte am Dienstagabend (Ortszeit) eine Zivilklage gegen den US-Bundesstaat Nebraska und den dortigen Leiter der Strafvollzugsbehörde ein: Demnach ist Nebraska auf illegale Weise an zwei von dem Konzern hergestellte Substanzen gelangt, die am kommenden Dienstag bei einer Hinrichtung per Giftspritze verwendet werden sollen.

Exekutiert werden soll der 1974 wegen Mordes an zwei Taxifahrern verurteilte Carey Dean Moore. Er geht nicht gegen seine Hinrichtung vor, aber die Fresenius-Klage könnte den Termin hinauszögern. Findet die Hinrichtung wie geplant statt, wäre es die erste Vollstreckung einer Todesstrafe in Nebraska seit 21 Jahren - und die erste dortige Hinrichtung per .

Stammen zwei der vier Medikamente von Fresenius?

Der Bundesstaat plant die Verwendung von vier Substanzen: Es handelt sich um das Beruhigungsmittel Diazepam, das Betäubungsmittel Fentanylcitrat, das Mittel Cisatracurium zur Muskelentspannung sowie Kaliumchlorid, das den Herzschlag beendet.

Kabi geht davon aus, dass die beiden letztgenannten Substanzen aus seiner Herstellung stammen. Das Unternehmen hat bei einem Bundesrichter beantragt, die Nutzung der Mittel vorübergehend oder endgültig zu unterlassen.

Wer hat Nebraska die Medikamente verkauft?

Das Unternehmen betonte in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung, keine Position zum Thema Todesstrafe einzunehmen. Es lehne aber die Nutzung seiner Produkte zu diesem Zweck ab. Deshalb verkaufe der Konzern "bestimmte Medikamente auch nicht an Vollzugsanstalten".

Laut Fresenius Kabi seien die Substanzen "weder direkt, noch durch einen unserer autorisierten Händler" an die Strafvollzugsbehörden verkauft worden. Folglich könnten die Substanzen nur unter Verstoß geltender Vertriebsverträge an die Vollzugsbehörde gelangt sein.

Fresenius fürchtet "erhebliche Rufschädigung"

Vor Einreichung der Klage hatte sich Fresenius Kabi laut Pressemitteilung an Nebraskas republikanischen Gouverneur Pete Ricketts gewandt, um eine Verwendung von Produkten des Konzerns bei auszuschließen. Das Unternehmen habe die gewünschten Zusicherungen jedoch nicht erhalten.

Der Konzern fürchtet bei der Verwendung seiner Substanzen für eine Hinrichtung auch eine "erhebliche " und begründet dies mit der in Europa vorherrschenden ablehnenden Haltung zur Todesstrafe.

Restriktionen für Vertriebshändler

Fresenius Kabi wolle "grundsätzlich nicht", dass seine Arzneimittel "außerhalb ihrer Bestimmung verwendet werden", sagte ein deutscher Konzernsprecher der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag. Um das zu gewährleisten, gebe es im Unternehmen und für die Vertriebshändler entsprechende Restriktionen.

Der Bundesstaat Nebraska hat nicht mitgeteilt, wie er an die Substanzen gekommen ist. US-Bundesstaaten, welche die Todesstrafe vollstrecken, haben es zunehmend schwer, an die Mittel für ihre Giftspritzen zu kommen. Immer mehr Pharmakonzerne lehnen einen Verkauf ihrer Substanzen für diesen Zweck ab.

Im Bundesstaat Nevada hatte der Hersteller Alvogen im Juli den vorübergehenden Stopp einer Hinrichtung erwirkt.

tkr / AFP