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Private E-Mails von Assad: Playlist eines Despoten

Er lässt sein Volk massakrieren, doch zu Hause im Palast legt sich Syriens Machthaber Assad ein bisschen Musik zur Entspannung auf. Das zeigen die mehr als 3000 gehackten E-Mails des Diktators.

Von Corinna Kreiler

Als im Januar dieses Jahres Raketen auf Homs niedergehen und die Straßen der syrischen Stadt mit Leichen übersät sind, beschließt Bashar al-Assad, dass es mal wieder Zeit sei für neue Musik. Sein Soundtrack zum Bürgerkrieg: Der Song "Sexy and I Know it" der US-Combo LMFAO, den er sich beim Apple-Musikportal iTunes herunterlädt. Die illustren Zeilen des Lieds: "I got passion in my pants and I ain't afraid to show it / I'm sexy and I know it" (auf deutsch: "Ich habe die Leidenschaft in meiner Hose und fürchte mich nicht, sie zu zeigen / Ich bin sexy und das weiß ich).

Ob der Diktator den Song mitgesungen und dazu die Hüften kreisen ließ, ist leider nicht überliefert, dass er ihn gekauft hat, hingegen schon: Die britische Tageszeitung "The Guardian" verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 3000 gehackte E-Mails aus den Postfächern Assads und seiner Frau. Allerdings kann die Zeitung nicht mit endgültiger Sicherheit sagen, dass die E-Mails auch tatsächlich echt sind - das Blatt ist über Anhänger der Opposition daran gelangt, der E-Mail-Verkehr stammt laut "Guardian" aus der Zeit zwischen Juni 2011 und Anfang Februar 2012.

Diffuser Musikgeschmack

Der Inhalt der digitalen Post zeigt den Diktator von seiner privaten Seite: Weil sich Assad wegen der Uno-Sanktionen schlecht als "Bashar al-Assad", Beruf: Diktator, Ort: Syrien, Damaskus, bei dem Apple-Musikportal anmelden konnte, wandte er einen Trick an: Eine dritte Person eröffnete den Account in New York, Assad nutzte ihn und bezahlte mit einer American Express-Kreditkarte.

Der Musikgeschmack von Assad lässt sich selbst mit viel gutem Willen nur als "diffus" beschreiben. Neben der US-Dance-Combo LMFAO ist auch der US-Countrystar Blake Shelton mit dem Song "God Gave me you" vertreten. Den lud sich der Diktator herunter, als die Gefechte in Homs gerade begonnen hatten. Einen Tag, nachdem er gottesfürchtig dem Lied gelauscht haben muss, ließ er die Stadt mit Hunderten von Raketen beschießen.

Ganz verbergen kann der Diktator seinen Hang zur Gewalt aber auch bei seinen Playlists nicht: Der US-Rapper Chris Brown, der zweifelhafte Berühmtheit erlangte, weil er die Sängerin Rihanna krankenhausreif prügelte, zählt auch zu den Favoriten des Diktators. "Look at me now", heißt das Lied, das Brown zusammen mit Lil Wayne und Busta Rhymes aufgenommen hat.

Seiner Frau geht es um Shopping

Doch Assad lädt sich nicht nur gern aktuelle Musik aus den Charts herunter, in nostalgischen Momenten frischt er auch seine Musiksammlung aus den 1980-er und 1990-er Jahren auf: So orderte er vor Weihnachten den Schwulen-Pop-Hit "Don't talk, just kiss" von Right said Fraid aus dem Jahr 1992. Sie erinnern sich? Richtig, das waren die beiden Glatzköpfe, die mit dem vielsagenden Hit "I' m too Sexy" bekannt wurden. Sex scheint ein großes Thema zu sein im Leben des Bashar al-Assad.

Womit wir auch schon beim Thema wären: seiner Frau Asma. Der geht es offenbar mehr um Shopping. Für rund 10.000 Dollar orderte sie sich allerhand aus Paris, darunter Kerzenhalter, Fonduesets, Kronleuchter und Designertische.

Auch Vasen und Juwelen des britischen Kaufhauses Harrods weckten ihr Begehr: "Kann Abdallah bitte schauen, ob Harrods die Sachen hat - die haben gerade Schlussverkauf" schrieb sie Mitte August an ihren Vertrauten in London. Die Antwort kam prompt. "Mit 15 Prozent Rabatt gekauft, geliefert wird in zwei Wochen. Heute bekommen wir übrigens die Armani-Leuchte. Wenn Sie sonst noch irgend etwas brauchen, sagen Sie Bescheid."

Das Interesse des Ehepaars an Büchern sei hingegen eher gering gewesen, schreibt der "Guardian". Ein einziges steht auf Assads Liste: die Biographie von Apple-Gründer Steve Jobs.

FTD
  • Corinna Kreiler