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US-Wahlkampf Verbotene Playlist: Diese zehn Songs darf Donald Trump (eigentlich) nicht spielen

Donald Trump ballt die Faust
Donald Trump: "Rockin' in the Free World"? Eher nicht.
© Saul Loeb / AFP
Wieder einmal lief auf einer Trump-Veranstaltung Musik gegen den Willen der Musiker: "Rockin' in the Free World" von Neil Young vor der Rede zum 4. Juli am Mount Rushmore. Eine Playlist der Songs, die für den US-Präsidenten verboten sind.

Wochenende, 4th of July - der US-Unabhängigkeitstag, Mount Rushmore, großer Auftritt von Donald Trump. Zur Einstimmung auf die martialische Rede des US-Präsidenten läuft Rockmusik. "Keep on rockin' in the Free World" dröhnt aus den Boxen. Nicht zum ersten Mal bei einer Trump-Veranstaltung. Neil Young hat die Nutzung seines legendären Songs schon vor Jahren untersagt. Offenkundlich vergebens. Den Rolling Stones beschied Trump einmal, er habe für die öffentliche Aufführung der Stücke schließlich bezahlt. Ende Juni haben die Stones dem Präsidenten erneut eine Klage angedroht.

Trump wäre nicht Trump, ginge es ihm um die Songs an sich. Natürlich geht es nur um die Hooklines: "Start Me Up!", "We Are The Champions", "Livin' On The Edge". Hoppla, hier komm ich! Hier ist eine Playlist von 10 Songs, die für Trump (eigentlich) tabu sind:

1. "Rockin' in the Free World" (Neil Young)

Zum wiederholten Mal beim Auftritt am Mount Rushmore verwendet, zum wiederholten Mal hat Neil Young (via Twitter) protestiert. Dass Stück zu verwenden, ist eigentlich peinlich für Trump. Es setzt sich kritisch mit der Politik der Bush-Ära auseinander - wie Trump republikanische Präsidenten. Aber egal.

2. "Start Me Up!" (Rolling Stones)

Von Trump gerne im Wahlkampf 2016 benutzt, um buchstäblich zu untermalen, dass er nun am Start ist. Die Stones ließen die Nutzung und die anderer Songs untersagen. Immerhin eine Zeile könnte theoretisch auf Trump gemünzt sein: "You make a grown man cry" - Du bringst einen ausgewachsenen Mann zum Weinen.

3. "It's The End Of The World As We Know It (And I Feel Fine)" (R.E.M.)

Dem Trump-Team gefiel der Titel, weil er das ausdrückte, was der heutige Präsident in seinen Wahlkampf-Reden 2016 mit "Drain the Swamp" und dem Vorgehen gegen die etablierten Washingtoner Eliten meinte. Es geht in dem für R.E.M. typischen, an Assoziationen reichen Text tatsächlich um eine Art Endzeit-Stimmung. "I Feel Fine" gilt für Michael Stipe und Co. aber nicht; R.E.M. untersagten Trump die Nutzung des Songs. Gleiches gilt für "Losing My Religion" oder "Everbody Hurts".

4. "I Won't Back Down" (Tom Petty)

Standhaft bleiben, nicht zurückweichen - damit schmücken sich Politiker gern. Donald Trump ist nicht der erste Präsident oder Kandidat, der das Stück im Wahlkampf verwendet - erst im Juni in Tulsa war es wieder soweit. Die Familie des inzwischen verstorbenen Tom Petty reagierte in einem Statement erbost: "Sowohl Tom Petty als auch seine Familie stehen entschieden gegen Rassismus und Diskrimierung jeglicher Art. Tom Petty würde niemals wollen, dass eines seiner Lieder für eine Hasskampagne benutzt wird." Donald, die wählen Dich nicht!

5. "Rolling in the Deep" (Adele)

Noch so eine missbrauchte Symbolik. Eigentlich singt Adele eine treibende Soul-Ballade über eine verschmähte Geliebte, die es letztlich schafft aus ihrem Tief wieder aufzusteigen. Eine Aussöhnung ist aber nicht möglich. Im Trump-Umfeld könnte die verschmähte Geliebte das "weiße Amerika" sein, das nach der Obama-Zeit unversöhnlich wieder an die Macht strebt. Adele ließ 2016 wissen, dass sie damit nichts zu tun haben will. Sie unterstütze keine politischen Kampagnen.

6. "Don't Stop The Music" (Rihanna)

Bei Trump-Rallies 2018 wurde die Uptempo-Dance-Nummer gerne als treibende Untermalung genutzt, wenn Helfer kostenlose Trump-T-Shirts in die Menge warfen. Nachdem sie davon erfahren hatte, reagierte die Sängerin und Schauspielerin via Twitter schnell: "Nicht mehr lange ... ich und meine Leute wären niemals bei oder in der Nähe einer solchen furchtbaren Kundgebung."

7. "Happy" (Pharrell Williams)

Vermutlich eine der übelsten Entgleisungen bei der Verwendung von Songs durch die Trump-Mannschaft. "Happy" wurde 2018 bei einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner in Illinois gespielt - nur Stunden, nachdem in Pittsburgh, Pennsylvania ein Attentäter in einer Synagoge elf Menschen erschossen hatte. Der Vorfall gilt immer noch als bisher gravierendste einzelne antisemitische Gewalttat in den USA. Pharrell Williams reagierte erbost mit einer Unterlassungserklärung.

8. "You Can't Always Get What you Want" (Rolling Stones)

Nochmal die Stones. Der Klassiker von Jagger, Richards und Co. läuft immer wieder auf Trump-Veranstaltungen. Es soll wohl eine kleine Gehässigkeit in Richtung aller Gegner sein: Was immer ihr auch sagt, jetzt bin ich/sind wir dran. Die zweite Zeile passt dann auch wieder gut in die Agenda: "But you get what you need" - Du kriegst, was Du brauchst. Peinlich ist es trotzdem, in dem Stück geht es eigentlich um Liebe, Frieden, Drogen - nicht gerade Trumps wichtigste Themen. Die Stones haben eine Klage angedroht.

9. "Living On The Edge" (Aerosmith)

Was soll es uns sagen, wenn auf den Trump-Veranstaltungen "Living On The Edge" läuft? Der Song wurde laut Aerosmith-Frontmann Steven Tyler inspiriert durch die Unruhen in Los Angeles 1992, ausgelöst durch einen brutalen Polizei-Einsatz in der kalifornischen Metropole, den der Afroamerikaner Rodney King knapp überlebte. Kommt einem 2020 bekannt vor. Tyler ließ die Nutzung des Songs gerichtlich untersagen.

10. "We Are The Champions" (Queen)

Natürlich, das ist ein Song nach Trumps Geschmack. Vom Champions-League-Finale bis zum kleinen Sportfest erklingt es für die jeweiligen Sieger. Die britische Band freut's. Nicht so bei Trump. Schon 2016 gingen Brian May und Roger Taylor als verbliebene Queen-Mitglieder gegen die Nutzung vor. Man habe das nicht gestattet und werde es auch niemals tun.

Quellen: Deutsche Welle, "Deadline", n-tv, ZDF, T-Online, "Rolling Stone", "Spiegel"

dho

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