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Corona-Krise in den USA Proteste in den USA – ein Häuflein Spinner und Trump im Größenwahn

Demo im Auto in Ohio gegen die "Stay Home Order"
Demo im Auto in Ohio gegen die "Stay Home Order"
© Megan Jelinger / AFP
Es ist die angeblich große Geschichte dieses Wochenendes: Amerikaner protestieren gegen die Beschränkungen in der Coronakrise. Proteste unter der Woche in Michigan. In Virginia. In Minnesota. Und jetzt am Wochenende in Texas, Maryland und Utah. Aber wer geht da wirklich hin?

Die Berichte über die Proteste sind überall, vor allem auf Fox News, dem inoffiziellen Propagandasender des Weißen Hauses. Und Trump feuerte die Demonstranten auf Twitter auch noch mit den Worten an: "LIBERATE MINNESOTA!" "LIBERATE MICHIGAN!" Als handelte es sich um die Befreiungsaktionen von Geiseln oder Gefangenen.

So ähnlich sehen sich die Demonstranten: Als Gefangene der Regulierungswut dieser Regierung. Als Freiheitskämpfer. Als Gegner von Tyrannei und Gängelei.

Kaum Leute auf der Straße

Die Proteste am Samstag waren vergleichsweise klein. Einige hundert Leute kamen in Austin, der texanischen Hauptstadt, zu dem Protest "You can‘t close America" zusammen. Darunter auch der Organisator, Owen Shroyer, ein Verbreiter von Verschwörungstheorien. In dieser Woche erzählte Shroyer den Zuhörern seines Radioprogramms, dass das Coronavirus Teil einer Verschwörung der Kommunistischen Partei Chinas und der Bürokratie in Washington sei, um Präsident Trump zu schwächen.

Bei der Demo in Maryland stiegen die Demonstranten gar nicht erst aus ihren Wagen aus, sondern veranstalten einen kleinen Autokorso. Manche trugen US-Fahnen. Manche trugen Mützen mit dem Trump-Slogan "Make America Great Again". Manche waren Spinner, manche Verschwörungstheoretiker und einige ganz normale Bürger und Arbeitslose, die glauben, dass es eine Alternative zu den rigiden Maßnahmen geben sollte.

"Jeder Job ist essentiell", stand auf einem Plakat.

"USA, USA, USA", schrien einige.

Andere: "Let us work."

"Ich habe keine Angst, mich mit dem Virus zu infizieren", sagte eine junge Mutter, die mit ihrem 7-jährigen Kind gekommen war. "Wenn wir das Virus bekommen, sind wir stark genug, es zu bekämpfen. Und es würde uns helfen, Immunität aufzubauen."

Ist das die große Opposition? Ein paar hundert Leute? Ist das die neue TeaParty, jene rechtsextremistische Bewegung, die Trumps Aufstieg erst ermöglichte? Oder handelt es sich nicht vielmehr um einige Trump-Anhänger, die gegen die von Trump selber herausgegebenen Richtlinien protestieren?

Die Frage wurde Trump am Abend auf der täglichen Pressekonferenz gestellt. Er antwortete, dass sich die Demos nicht gegen ihn, sondern gegen demokratische Gouverneure richteten, die in der Auslegung seiner Empfehlungen zu weit gegangen seien. "Es gibt viele Demonstranten da draußen”, sagte er stolz, als wollte er die Bewegung weiter anfeuern.

Nein, viele waren es nicht. Jedenfalls nicht am Samstag.

Trump im Größenwahn

Trump legte auf der Pressekonferenz wieder mal einen instabilen Auftritt hin, bei dem er es schaffte, aus jeder Antwort einen inkohärenten Monolog zu machen, an dessen Ende er mal wieder der Größte war, ein hellseherischer Superheld, der Amerika den millionenfachen Tod erspart habe.

Diesmal versuchte er sich zudem an Prophezeiungen. Er behauptete, dass sich Amerika ohne ihn im Weißen Haus schon im Krieg mit Nordkorea befände – "If I wasn‘t elected, we would be at war with North Korea."

Und dass China die USA beherrschen werde, falls Joe Biden die Wahl im November gewinnt. "If Joe Sleepy Biden wins, China owns the United States.”

Es zeichnet sich schon seit einigen Tagen ab: Trump will die Coronakrise nutzen, um China als dunkle Macht aufzubauschen, die Amerika unter einem möglichen Präsidenten Biden unterjochen werde.

Trumps Auftritt erinnerte ein wenig an die Zeiten des Kalten Kriegs und die Warnungen vor der Sowjetunion und einem möglichen Weltuntergang.

Man könnte es Hysterie nennen. Oder Delirium.

Oder Verzweiflung.


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