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Proteste in Kenia: Opposition knickt ein

Mit weißen Schals strömten sie aus allen Richtungen Richtung Zentrum von Nairobi: Die Anhänger des kenianischen Oppositionsführers Raila Odinga wollen dort gegen den Präsidenten des Landes protestieren. Doch nun wurde die Großdemo spontan wieder abgesagt.

Die Opposition in Kenia hat die angekündigte Großdemonstration in Nairobi wieder abgesagt. Ein Sprecher der Opposition rief die Menschen auf, nach Hause zu gehen.

Zuvor hatte die Polizei versucht, mit Tränengas und Wasserwerfern die verbotene Massenkundgebung der Opposition zu verhindern. Demonstranten mit weißen Schals waren aus den Slums ins Stadtzentrum aufgebrochen, um dem Aufruf von Oppositionsführer Raila Odinga zu folgen. Sie schwenkten Zweige und sangen die kenianische Nationalhymne. Bereits mehr als einen Kilometer vor der Innenstadt seien sie von der Polizei gestoppt worden, berichtet ein Reporter des britischen Rundfunksenders BBC.

Die Protestkundgebung sollte im Uhuru Park im Zentrum Nairobis stattfinden. Bereits am frühen Donnerstagmorgen waren am Versammlungsort mit Schlagstöcken bewaffnete und mit Helmen und Schildern bewehrte Polizisten und paramilitärische Truppen aufgezogen. Beobachter fürchteten, dass die Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in einem Blutbad enden könnten.

Odinga bezeichnete die Demonstration in einem BBC-Interview als einen "entscheidenden Moment" für Kenia. Er rechnete damit, dass bis zu einer Million Menschen seinem Aufruf folgen. Odinga sieht sich um seinen Sieg bei der Präsidentenwahl betrogen, nachdem die Wahlkommission Ende 2007 Amtsinhaber Mwai Kibaki zum Sieger erklärt hatte. Dies löste schwere Ausschreitungen aus, bei denen mehr als 300 Menschen getötet und 100.000 Kenianer in die Flucht getrieben wurden.

In einem Telefonat hat Raila Odinga Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zugesagt, er wolle seine Anhänger zu Besonnenheit und Friedfertigkeit aufrufen. Auch habe er sich offen für Vermittlungsbemühungen gezeigt, teilte das Auswärtige Amt nach dem Gespräch mit. Steinmeier habe auch mit Kenias Außenminister Raphael Tuju telefoniert. In den Gesprächen habe er die Sorge über die jüngsten Gewaltausbrüche zum Ausdruck gebracht.

Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat auf seiner Vermittlungsmission in Kenia Raila Odinga getroffen. Er hoffe, auch mit Präsident Mwai Kibaki sprechen zu können, sagte Tutu. Er wolle den Spitzenpolitikern klar machen, dass der "Konfrontationskurs kein Ausweg" sei. "Politische Gewalt ist ein Übel", sagte Tutu.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters