Afrikareise Bush zu Gast bei Freunden


In Afrika gilt George W. Bush immer noch als Hoffnungsträger - ein Grund für den US-Präsidenten, kurz vor seinem Abtritt noch einmal auf dem schwarzen Kontinent vorbeizuschauen. Wenn auch nicht der einzige.
Von Marc Engelhardt, Nairobi

In den USA mag er als lahme Ente, in Europa als rückständigster US-Präsident seit Ronald Reagan gelten - aber in Afrika ist George W. Bush noch immer der unumstrittene Führer der freien Welt. Ein Hoffnungsträger und Symbol für Freiheit, Demokratie, Reichtum und all das, wonach es der Mehrheit der Afrikaner dürstet. "Bush will nicht unser frisch gefundenes Öl, er meint es ernst damit, dass er uns helfen will", sagt ein Liberianer treuherzig, der es kaum erwarten kann, den US-Präsidenten in bald live zu sehen. "Gott schütze die USA, Gott schütze George W. Bush", fasst ein Tansanier in einer Talkshow seine Begeisterung über den zweiten Bush-Besuch in Afrika zusammen.

Dass der US-Präsident, der außer Liberia, Benin, Tansania, Ruanda und Ghana besuchen wird, zudem seine Außenministerin nach Kenia schickt, sehen viele zudem als Baustein für den erhofften Durchbruch in der politischen Krise. "Kibakis Leute können sich gar nicht trauen, weiterhin eine Lösung zu blockieren, wenn Condoleezza Rice persönlich hier auftaucht", glaubt Josphat, ein Kioskbesitzer in der Hauptstadt Nairobi und offenbar kein großer Fan des umstrittenen kenianischen Präsidenten.

USA hat noch einen direkten Draht zu Kibaki

Tatsächlich sind die USA die letzte Nation in Kenia, die noch direkten Zugang zu Kibakis Regierung besitzt. Die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien etwa hatte sich schon im Wahlkampf isoliert, indem sie offen auf einen Sieg von Oppositionsführer Raila Odinga setzte. Dass London nach der Wahl mehrfach erklärt hat, man erkenne Kibaki nicht als Wahlsieger an, machte die Konfrontation noch größer. "Wir sind keine Kolonie mehr und lassen uns von niemandem sagen, was wir tun sollen", wetterte Justizministerin Martha Karua, die die Regierung in der Vermittlungsgruppe von Kofi Annan vertritt.

US-Botschafter Michael Ranneberger hingegen spielt gekonnt mit Zuckerbrot und Peitsche, droht ohne Namensnennung mit Reiseverbote für die USA und erklärt zeitgleich, wie wichtig Kenias Partnerschaft im "Krieg gegen den Terror" sei. Vor allem letzteres macht eine schnelle Stabilisierung der Lage, wie von Bush jüngst gefordert, so wichtig. In der Nachbarschaft des chaotischen Somalia und des immer noch zerrissenen Sudan können die USA kein weiteres Problemland gebrauchen.

Hinter den Kulissen hat man in der Kibaki-Regierung immer noch etwas Hoffnung, dass Kenia Standort von AFCOM, dem neuen Afrikakommando der US-Armee, werden könnte. Doch die ohnehin schon immer geringe Wahrscheinlichkeit schwindet durch die Krise weiter. Stattdessen lobt Bush jetzt den südlichen Nachbarn Tansania als "Musterland" und Präsident Jakaya Kikwete als "good guy". Für seine vorbildliche Regierungsführung soll er von Bush persönlich einen Scheck über fast 700 Millionen US-Dollar erhalten.

30 Milliarden US-Dollar gegen Aids

Das Geld kommt aus der "Millenium Challenge Corp", einem der Fonds, den Bush für Afrika ins Leben gerufen hat. Auch für einen anderen, das 30 Milliarden US-Dollar schwere "präsidiale Notprogramm gegen Aids" (PEPFAR), wird Bush in Afrika von vielen gefeiert. Mit dem Geld werden Antiretrovirale in entfernte Gebiete transportiert, sogar Kondomverteilungen aus dem Fonds finanziert. In diesen Erfolgsgeschichten möchte sich der von Irakkrieg und Gesetzesstreit auf einen Beliebtheits-Tiefpunkt abgesackte Bush ein paar Tage sonnen.

Doch es gibt auch in Afrika Kritik. "Die USA könnten Spitzenreiter im Kampf gegen Aids sein", sagt Joe Amon, der für Human Rights Watch arbeitet. "Aber die Tatsache, dass ideologische Vorgaben wichtiger sind als etwa der Schutz von Menschenrechten, macht das eindeutig zunichte." Gemeint sind die Bedingungen, unter denen Geld aus dem PEPFAR beantragt werden dürfen. So wird etwa sexuelle Abstinenz vor der Ehe propagiert, Programme für Prostituierte dagegen sind verpönt. Im öffentlich konservativen Afrika gibt es nur wenige wie Amon, die dagegen protestieren. Davor, dass Prostitution, Promiskuität und ungeschützter Geschlechtsverkehr vielerorts im Verborgenen weiterblühen und Aids-Raten in die Höhe treiben, verschließen etwa viele Kirchenführer genauso die Augen wie der US-Präsident selbst.

Bush wird gefeiert, wo er auftaucht

Kein Zweifel besteht daran, dass Bush überall dort, wo er auftaucht, gefeiert werden wird. Anders als in China sind die USA und seinem Anführer die Herzen der Massen sicher. Kein anderer Kontinent beteiligt sich etwa so eifrig an der "Green Card Lottery", um eines Tages ins gelobte Land zu gelangen. Dass es auch Bush nicht um Afrika, sondern um die Sicherung von Öl-Ressourcen und seine Anti-Terror-Politik geht, stört niemanden. "Unsere Politiker haben doch auch alle ihre eigene Agenda, sagt John, ein Taxifahrer in Nairobi, "Bush steht wenigstens für eine scheinende Nation."


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