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Proteste in Libyen: Al Kaida will Gaddafi-Gegner unterstützen

Panzerfäuste und Maschinengewehre gegen Demonstranten in Libyen: Das Regime Gaddafi versucht weiter die Kontrolle im Land zu halten. Das Terrornetzwerk El Kaida hat den Gaddafi-Gegnern Unterstützung zugesagt. US-Präsident Barrack Obama verurteilte das Vorgehen der Regierung scharf.

Angesichts der brutalen Niederschlagung der Proteste in Libyen hat US-Präsident Barack Obama "das Leid und Blutvergießen" als "abscheulich" und "inakzeptabel" verurteilt und Sanktionen angekündigt. Wegen der dramatischen Entwicklung wollen die EU-Innenminister am Donnerstag über die Lage von Flüchtlingen im Mittelmeerraum beraten. Zwei Flugzeuge mit aus Libyen ausgeflogenen Deutschen landeten am Mittwochabend in Deutschland.

In seiner ersten öffentlichen Stellungnahme seit dem Beginn der Unruhen in Libyen am 15. Februar bezeichnete Obama den Befehl der libyschen Führung, auf Demonstranten zu schießen, als "skandalös". Die Welt müsse mit einer Stimme sprechen, um die Führung in Tripolis zur Verantwortung zu ziehen. Die USA hätten "eine ganze Reihe von Optionen", um das Blutvergießen zu stoppen, sagte Obama mit Blick auf mögliche Sanktionen. US-Außenministerin Hillary Clinton werde am Montag in Genf an einem Treffen des UN-Menschenrechtsrats zur Lage in Libyen teilnehmen.

Die EU-Mitgliedstaaten hatten sich nach Diplomatenangaben am Mittwoch auf Sanktionen gegen die Führungsriege um Machthaber Muammar el Gaddafi geeinigt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die internationale Gemeinschaft zu geschlossenem Handeln auf, um einen "schnellen und friedlichen Übergang" in Libyen zu ermöglichen.

Sicherheitskräfte griffen in der drittgrößten libyschen Stadt Misrata nach Angaben von Augenzeugen Demonstranten mit Maschinengewehren und Panzerfäusten an und töteten mehrere Menschen. Bereits am Wochenende hatten Augenzeugen von blutigen Zusammenstößen in der Mittelmeerstadt 200 Kilometer östlich von Tripolis berichtet, wobei die Sicherheitskräfte von "afrikanischen Söldnern" unterstützt worden seien. Gaddafi hat offenbar die Kontrolle über den ölreichen Osten des Landes mit den Städten Bengasi und Tobruk verloren.

Der nordafrikanische Ableger des Terrornetzwerks El Kaida (Aqmi) sicherte den Demonstranten seine volle Unterstützung bei ihrem Aufstand gegen Gaddafi zu. "Wir werden unser möglichstes tun, um Euch zu helfen", heißt es in einer Mitteilung von El Kaida im islamischen Maghreb, wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE mitteilte. Es sei an der Zeit, dass den "Betrüger, Sünder, hartherzigen Bastard" Gaddafi dasselbe Ende ereile wie die gestürzten Staatschefs von Tunesien und Ägypten, Zine El Abidine Ben Ali und Husni Mubarak.

In der Erklärung gibt es keine Bestätigung für die Behauptung des libyschen Vize-Außenministers Chaled Kaim, El Kaida habe in der nordöstlichen Stadt Derna ein Emirat errichtet. Bewohner von Derna hatten Journalisten vor Ort gesagt, dass diese Ausführungen falsch seien.

Ein Bundeswehr-Airbus sowie eine Sondermaschine der Lufthansa mit deutschen und weiteren europäischen Staatsangehörigen an Bord seien am Abend aus Tripolis kommend in Deutschland gelandet, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Angaben zur Zahl der Passagiere machte das Außenministerium nicht.

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben rund 5000 Libyer zu Fuß die Grenze nach Tunesien erreicht und 15.000 weitere die Grenze nach Ägypten. Angesichts der Unruhen in Libyen fürchten manche EU-Staaten wie Italien einen Ansturm illegaler Einwanderer.