Proteste in Myanmar Mönche trotzen den Drohungen


Tagelang hat die Militärjunta in Myanmar den Demonstrationszügen nur zugeschaut. Nun ermahnten sie die Mönche, ihre Proteste einzustellen. Vergebens. Die Buddhisten ziehen weiter durch die Straßen des Landes - in immer größerer Zahl.

Zehntausende Mönche und Zivilisten haben in Myanmar, vormals Birma, die Drohungen der Militärjunta vor Repressalien ignoriert und sind wieder durch die Straßen der Hafenmetropole Rangun marschiert. Augenzeugen schätzten die Zahl der Demonstranten dort auf 50.000.

In offener Missachtung des Regimes trugen einige der Zivilisten Plakate mit dem Bild des Unabhängigkeitshelden Aung San und seiner Tochter Aung San Suu Kyi. Die Friedensnobelpreisträgerin leitet die Oppositionspartei und steht seit Jahren unter Hausarrest. "Der Wille des Volkes muss gehört werden!", skandierten einige.

Die Sicherheitskräfte waren am Dienstagmorgen mit Lautsprecherwagen unterwegs und warnten Einwohner vor einer Beteiligung an weiteren Demonstrationen. Allein das Zuschauen werde mit Gefängnis bestraft. Der Religionsminister Thura Myint Maung hatte am Vorabend vergeblich versucht, die Mönche zu stoppen. Er hatte mit Einschreiten gedroht, falls sie weiter gegen die Gesetze verstießen.

Die Mönche würden von feindlichen Kräften manipuliert und bedrohten den Frieden im Land, hatte der Religionsminister am Abend zuvor im Staatsfernsehen gesagt. Wenn sie sich nicht an die buddhistischen Regeln hielten, würden "Maßnahmen" ergriffen. Politische Einmischung ist Mönchen in Myanmar verboten. Die Medien räumten erstmals ein, dass es sich bei den Demonstrationen um ein landesweites Phänomen handele. Die Staatszeitung "Licht von Myanmar versuchte aber die Massendemonstration mit bis zu 100.000 Menschen im ganzen Land herunterzuspielen. "Mehr als 98 Prozent der Mönche sind ihren religiösen Pflichten friedlich nachgekommen", schrieb die Zeitung. In dem Land gibt es nach Schätzungen 400.000 Mönche.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die myanmarischen Behörden, die Massenproteste zu tolerieren. Die von buddhistischen Mönche seit Tagen ausgehenden Demonstrationen sollten als Chance begriffen werden, alle Oppositionsgruppen in den politischen Prozess zu integrieren, sagte Ban nach Angaben seiner Sprecherin Michele Montas in New York. Die USA haben inzwischen angekündigt, ihre Sanktionen gegen die Militärregierung ausweiten zu wollen. US-Sicherheitsberater Stephen Hadley sagte, Präsident George W. Bush werde eine Einreisesperre gegen wichtige Mitglieder der Junta und deren Familien bekanntgeben. Die Strafmaßnahme gelte auch für Personen, die die Militärregierung finanziell unterstützten.

China, einer der Hauptverbündeten Myanmars, mahnte die Regierung zu einem "angemessenen" Umgang mit den Protesten. Stabilität in dem Land sei im Interesse Chinas und der internationalen Gemeinschaft. Das Reich der Mitte verfolge aber grundsätzlich eine Politik der Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten, so eine Sprecherin des Außenministeriums.

DPA/Reuters/AP

Myanmar, Burma oder Birma?
Liebe Leser, wie Ihnen sicher schon aufgefallen ist, gibt es für das südostasiatische Land verschiedene Begriffe: Birma, Burma, Myanmar. In vielen deutschen Medien wird es Birma genannt, vereinzelt auch Burma, wie im englischen Sprachraum üblich. Seit 1989 heißt es offiziell Union Myanmar. So wird es von den Vereinten Nationen und von der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Einige Länder sind aus Protest gegen das dort herrschende Militärregime bei Birma/Burma geblieben, wie etwa die USA und Australien. stern.de hat sich entschieden, das Land Myanmar zu nennen.
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