Rede an die islamische Welt Obama verspricht einen "neuen Anfang"


Es sollen neue Zeiten anbrechen. Zeiten, in denen der Westen und die islamische Welt Gemeinsames statt Trennendes betonen. US-Präsident Barack Obama hat den Muslimen einen Neuanfang versprochen, ohne heikle Themen auszusparen. Er verurteilte den Terror, forderte eine Zwei-Staaten-Lösung in Nahost - und gab Fehler der USA zu.

Der amerikanische Präsident Barack Obama hat in seiner mit Spannung erwarteten Grundsatzrede den Respekt des Westens vor der islamischen Welt und die gemeinsamen Interessen betont. Sie müssten die Grundlagen eines Neubeginns in den Beziehungen sein, sagte Obama am Donnerstag in der Universität von Kairo. "Ich bin gekommen, um einen neuen Beginn zwischen den Vereinigten Staaten und den Muslimen in der Welt zu erreichen." Es gebe keine Konkurrenz zwischen den beiden Welten, sondern sie teilten gemeinsame Prinzipien wie die der Toleranz und der Menschenwürde. Der Kreislauf der Verdächtigungen und der Zwietracht zwischen Amerikanern und Muslimen müsse beendet werden. Nach mehreren Passagen erhielt Obama großen Applaus - nicht zuletzt für seine Äußerung "Islam ist ein Teil Amerikas", mit der Obama seine Worte über seine eigenen engen Beziehungen zum Islam schloss.

Obama versprach den Muslimen einen "neuen Anfang" in den Beziehungen zum Westen. Die Spannungen zwischen dem Westen und der islamischen Welt seien auch in jüngerer Zeit genährt worden durch einen "Kolonialismus, der die Rechte und Möglichkeiten vieler Muslime verweigert habe", sagte Obama. Es habe sich um einen "kalten Krieg" gehandelt, in denen islamische Länder lediglich benutzt worden seien, ungeachtet ihrer eigenen Wünsche, meinte Obama. Der rasche Wandel und die Globalisierung hätten bewirkt, dass manche Moslems den Westen als feindselig gegen die Traditionen des Islam angesehen hätten.

Wandel kann nicht über Nacht kommen

Ein Wandel in den Beziehungen zwischen dem Westen und der islamischen Welt könne nicht über Nacht kommen. Auch könnten "Jahre des Misstrauens" nicht mit einer Rede ausgelöscht werden, sagte Obama. Notwendig sei eine neue Offenheit und die Bereitschaft, sich gegenseitig zuzuhören, voneinander zu lernen und der Wahrheit verpflichtet zu bleiben. Obama würdigte den enormen Beitrag des Islam zur Zivilisation. Nicht nur, weil er selbst als Kind persönlich wichtige Erfahrungen mit dem Islam machen konnte, sei es seine "Verantwortung als Präsident der USA, negative Stereotypen über den Islam zu bekämpfen". Es gelte allerdings genauso, negative Stereotype über die USA und den Westen zu bekämpfen, betonte der Präsident.

Der Extremismus dürfe in der Welt keinen Platz haben. Es dürfe keinen Zweifel daran geben, dass die USA sich überall gegen ihre Feinde wehren würden, sagte Obama. Al Kaida habe 3000 Menschen bei den Terroranschlägen in den USA getötet und müsse daher bekämpft werden. "Wir wollen unsere Truppen nicht in Afghanistan behalten, wir wollen dort keine Militärbasen." Niemand sollte jedoch Extremismus tolerieren. "Islam ist nicht Teil des Problems im Kampf gegen den gewaltsamen Extremismus, er ist ein wichtiger Teil, den Frieden voranzubringen", betonte der Präsident. Er erinnerte unter Applaus erneut an seine Aussage in Ankara: Die USA befänden sich "nicht im Krieg mit dem Islam". Er wisse, dass die Probleme in Afghanistan und Pakistan nicht allein mit Waffen gelöst werden könnten.

Der Krieg im Irak, der auf die Anschläge vom 11. September folgte, hat nach Obamas Worten auch die Versäumnisse der US-Politik demonstriert. Obwohl er glaube, dass der Irak ohne die Tyrannei von Saddam Hussein besser dran sei, habe der Krieg auch gezeigt, dass es wichtig sei, Diplomatie und internationalen Konsens zur Lösung von Problemen zu nutzen, sagte Obama. Er betonte unter großem Beifall, dass die USA ihren humanitären Prinzipien treu blieben. Deswegen habe er Folter jeder Form verboten, die Schließung des Gefangenenlagers Guantànamo angeordnet und plane einen Abzug der amerikanischen Truppen bis zum Jahr 2012. Amerika werde sich natürlich auch weiter selbst verteidigen, doch dies werde im Respekt vor der Souveränität anderer Staaten geschehen.

Für eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt

In Bezug auf den Nahost-Konflikt sagte Obama, die islamistische Palästinenserorganisation Hamas müsse Israel anerkennen und der Gewalt abschwören. Das Existenzrecht Israels zu leugnen sei falsch, die Verfolgung der Juden und den Holocaust im Dritten Reich zu leugnen sei "verachtenswert". Der Bund zwischen den USA und Israel sei historisch begründet und "unzerbrechlich". Dennoch müsse auch Israel die Suche des palästinensischen Volkes nach einer Heimat anerkennen. Israel müsse den Ausbau seiner jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten beenden. Obama sprach sich ausdrücklich für eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt aus.

Den Iran forderte der Präsident erneut auf, die Probleme wegen der Nuklearpläne des Landes in Verhandlungen zu lösen. Ohne Zweifel belaste eine wechselhafte Geschichte die Beziehungen zwischen dem Iran und den USA, allerdings dürften beide Seiten nicht in der "Falle der Vergangenheit" gefangen bleiben. Die USA suchten einen Neubeginn, jetzt müsse auch Teheran dazu seine Bereitschaft zeigen. Allerdings sei in der Frage der Nuklearwaffen "ein entscheidender Punkt" erreicht. Eine Atommacht Iran würde nicht nur die Stabilität der Region, sondern der ganzen Welt bedrohen.

Bin Laden ruft zu "langem Krieg" auf

Der Redenschreiber des US-Präsidenten, Ben Rhodes, hatte vor der Ansprache betont, Obama habe bis zuletzt an dieser lange angekündigten "Rede an die islamische Welt" gearbeitet. Die von zahlreichen Sendern in der Welt live übertragene Ansprache solle "ein neues Kapitel im Dialog zwischen den USA und der muslimischen Welt" eröffnen, erklärte Rhodes. Während der US-Präsident sprach verbreitete das Weiße Haus zudem ständig zentrale Aussagen über den Internetdienst Twitter. Damit wollte die Obama-Administration verstärkt junge Muslime erreichen.

Auch Osama bin Laden meldete sich während Obamas Rede via Internet zu Wort: Der Al-Kaida-Chef warnte die Muslime vor einem Bündnis mit Christen und Juden und rief zu einem langen Krieg auf. "Entweder leben wir unter dem Licht des Islam oder wir sterben in Würde. Rüstet Euch gegen einen langen Krieg gegen die Ungläubigen", hieß es in den Äußerungen, die auf einer islamistischen Website veröffentlicht wurden. Ein Teil der etwa 25 Minuten langen Äußerungen Bin Ladens war bereits am Mittwoch vom Sender Al-Dschasira ausgestrahlt worden.

DPA/AP/Reuters/dho AP DPA Reuters

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