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Referendum: 76 Prozent sagen "Nein" zu Wiedervereinigung

Eine Wiedervereinigung Zyperns ist an einem deutlichen Nein der griechischen Zyprer gescheitert. Bei getrennten Volksabstimmungen lehnte der griechische Teil die Pläne mit rund 76 Prozent der Stimmen ab.

Die Wiedervereinigung Zyperns und damit der EU-Beitritt beider Inselhälften am 1. Mai ist am überwältigenden Widerstand der griechischen Zyprer gescheitert. Mit 76 Prozent der Stimmen lehnte der Süden einen UN-Plan zur Vereinigung der seit 30 Jahren geteilten Insel bei einem Volksentscheid am Samstag ab, wie die Wahlkommission nach Auszählung aller Stimmen mitteilte. Dagegen stimmte die türkische Bevölkerung im Nordteil mit 65 Prozent für die Wiedervereinigung.

Die Zahlen bedeuten das Aus für den von UN-Generalsekretär Kofi Annan vorgelegten Plan zur Überwindung der Teilung, da für die Umsetzung die Zustimmung beider Inselhälften erforderlich gewesen wäre. Folglich tritt nur der griechische Teil, die international anerkannte Republik Zypern, der EU bei.

EU-Kommission bedauert Entscheidung

Die Europäische Kommission bedauerte die Ablehnung durch die griechische Gemeinschaft "zutiefst", wie es in einer Erklärung aus Brüssel hieß. Eine einzigartige Gelegenheit zur Beilegung des seit langem andauernden Zypernkonflikts sei verpasst worden. Die EU-Kommission dankte in der Erklärung den türkischen Zyprern ausdrücklich für das Ja zum Vereinigungsplan von Annan und versprach, den türkischen Teil Zyperns bei seiner wirtschaftlichen Entwicklung zu unterstützen.

Türkei fordert Ende der Isolation

Der türkische Außenminister Abdullah Gül rief angesichts des Ergebnisses der Volksabstimmung zu einem Ende der internationalen Isolation der nur von Ankara anerkannten Türkischen Republik Nordzypern auf. "Die türkischen Zyprer haben alles in ihrer Macht stehende getan. Sie dürfen nicht isoliert bleiben", sagte Gül am Abend auf einer Pressekonferenz in Ankara. Die Türkei könne nun mit Recht erwarten, dass die Isolation Nordzyperns beendet werde. Die türkische Regierung werde sich mit allen Mitteln dafür einsetzen, sagte Gül.

Die meisten der 180.000 türkischen Zyprer sahen in dem Annan-Plan und einem möglichen EU-Beitritt die Chance auf eine bessere Zukunft für ihren seit der türkischen Invasion 1974 isolierten Inselteil. Die Wahlbeteiligung lag mit 87 Prozent denkbar hoch, um einen Prozentpunkt höher lag sie im Süden.

Bedenken der griechischen Zyprer

Die Vorbehalte der griechischen Zyprer richteten sich in erster Linie dagegen, dass ihnen nur ein begrenztes Recht auf eine Rückkehr in den türkischen Norden gewährt werden sollte. Da der Süden ohnehin EU-Mitglied wird, blieb die Begeisterung für den UN-Plan unter den 480.000 griechischen Zyprern gering.

Ungeachtet hohem internationalem Druck zu einer Annahme des Planes hatte der Präsident der griechischen Zyprer, Tassos Papadopoulos, bei seinen Landsleuten für ein "Nein" geworben. Am Samstag vor Öffnung der Wahllokale rief er die Menschen auf, das Ergebnis der Abstimmung unabhängig von ihrem Ausgang zu respektieren und warnte vor Ausschreitungen. "Verdüstert diesen Tag nicht."

"Heute wird sich zeigen, ob das Zypern-Problem weiterhin bestehen wird", erklärte dagegen der türkisch-zyprische Ministerpräsident Mehmet Ali Talat bei seiner Stimmabgabe.

Hintergrund: Zypern

Die Insel Zypern im östlichen Mittelmeer ist mit 9250 Quadratkilometern halb so groß wie Sachsen. Seit 1974 ist Zypern in einen griechischen Süden und türkischen Norden geteilt. Die Demarkationslinie verläuft mitten durch die Hauptstadt Nikosia.

Der größere Teil, die international anerkannte Republik Zypern, hat 715 000 Einwohner, etwa 200 000 davon in der Hauptstadt. Die Südzyprer bekennen sich ganz überwiegend zum griechisch-orthodoxen Glauben. Daneben gibt es kleine Minderheiten von maronitischen, armenischen und römisch-katholischen Christen sowie einige hundert Muslime. Präsident ist Tassos Papadopoulos. Der Süden erwirtschaftete 2002 mit mehr als 15 000 Euro pro Kopf ein fast vier Mal so hohes Sozialprodukt als der Norden.