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Regierungskrise in Großbritannien: Brown lehnt Rücktritt trotz Minister-Exodus' ab

Wenn er gedacht haben sollte, schlimmer könne es nicht mehr werden, sieht sich Großbritanniens Premier Gordon Brown getäuscht. Nach dem Arbeits- und dem Verteidigungsminister ist jetzt laut BBC auch Verkehrsminister Geoff Hoon zurückgetreten - der fünfte Rücktritt in der britischen Regierung binnen einer Woche. Brown will von Rücktritt dennoch nichts wissen.

Es klang wie eine Selbstbeschwörung: "Ich werde nicht wanken und ich werde nicht weichen. Ich werde die Dinge in Angriff nehmen und den Job zu Ende bringen." Mit diesen Worten machte Großbritanniens Premier Gordon Brown am Freitag in London klar, dass er im Amt bleiben werde. Zuvor hatte in der beispiellosen Rücktrittswelle in seiner Regierung auch Verkehrsminister Geoff Hoon das Handtuch geworfen. Hoon war wie auch andere Minister wegen der Spesenaffäre in die Kritik geraten und ist der fünfte Minister von Regierungschef Gordon Brown, der seit Dienstag das Handtuch warf. Drei gaben allein an diesem schwarzen Freitag für Brown auf. Wahrlich Grund genug klarzustellen, dass er Regierungschef bleiben wolle.

Wenige Stunden zuvor waren schon Arbeitsminister James Purnell und Verteidigungsminister John Hutton in Abstand einiger Stunden zurückgetreten. Nach Angaben aus Regierungskreisen hatte der Rücktritt Huttons aber nichts mit der Spesenaffäre zu tun, sondern erfolgte aus familiären Gründen. Hutton habe Brown schon vor längerer Zeit von seinem Schritt informiert, heißt es.

Brown kämpft um sein politisches Überleben. Er hatte am Freitag mit der Umbildung der Regierung begonnen, nachdem Purnell zurückgetreten war. Die Neubesetzung gleicht nun einer Sysiphus-Arbeit. Ständig brechen dem Premier weitere Minister weg. Außerdem erlitt seine Labour-Partei ersten Ergebnissen zufolge bei den britischen Kommunalwahlen eine schwere Niederlage. Umfragen zeigen sie 22 Prozentpunkte hinter den Konservativen.

Potenzieller Brown-Nachfolger wird Innenminister

Neuer Innenminister wird nun nach Angaben aus Regierungskreisen der bisherige Gesundheitsminister Alan Johnson, der auch als möglicher Nachfolger für Brown gehandelt wird. Johnson übernimmt damit das Amt von Jacqui Smith, die nach mehreren Pannen und dem Spesenskandal Anfang der Woche zurückgetreten war. Zudem hatte die Ministerin für Regionen, Hazel Blears, ihren Rücktritt erklärt.

Auf Schlüsselpositionen bleibt Browns Mannschaft immerhin die alte. Nach Informationen von BBC soll Finanzminister Alistair Darling sein Amt behalten. Dies gilt jedoch auch als Schlappe für Brown, der Darling eigentlich auf einem anderen Posten wollte. Ihre Ämter behalten voraussichtlich auch Justizminister Jack Straw, Außenminister David Miliband und Wirtschaftsminister Peter Mandelson.

Ausgangspunkt der Regierungskrise in Großbritannien war die Spesenaffäre britischer Politiker. Dabei hatten sich Abgeordnete aller Parteien mit fragwürdigen und teils betrügerischen Abrechnungen auf Kosten der Steuerzahler bereichert. Mit den jüngsten Ministerrücktritten wird die Luft für Premier Brown immer dünner. Vorgezogene Parlamentswahlen, gegen die sich Brown bisher stets gewehrt hat, werden nun immer wahrscheinlich - zumal es in der Labour-Fraktion eine Unterschriftenaktion mit dem Ziel gegeben haben soll, Brown zum Rücktritt zu bewegen.

DPA/Reuters / DPA / Reuters