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Regierungssprecher im Irak: Isis hat bereits "Hunderte Soldaten" getötet

Die Isis-Dschihadisten nehmen immer mehr Gebiete im Irak ein. Ein Sprecher der Regierung hat jetzt angegeben, dass bei den Gefechten schon hunderte Soldaten ums Leben gekommen seien.

Angehörige der irakischen Miliz beerdigen einen getöteten Mitstreiter

Angehörige der irakischen Miliz beerdigen einen getöteten Mitstreiter

Die Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis) hat im Zuge ihres Vormarschs im Irak bereits "Hunderte" Soldaten getötet. Diese Angabe machte der für Sicherheitsfragen zuständige Sprecher von Ministerpräsident Nuri al-Maliki, Generalleutnant Kassem Atta, im irakischen Fernsehen. Es handelt sich um die bislang präziseste offizielle Äußerung aus der Regierung zur Zahl der getöteten Soldaten. US-Außenminister John Kerry hält sich überraschend zu einem Besuch im Irak auf. Die Europäische Union fürchtet eine Destabilisierung der an den Irak angrenzenden Staaten.

Bei ihrem Vormarsch aus dem Norden des Iraks in Richtung der Hauptstadt Bagdad hatten Isis-Extremisten seit dem 9. Juni mehrere große Städte unter ihre Kontrolle gebracht. Hunderttausende Iraker flohen vor den Kämpfen.

In der Hauptstadt Bagdad kam Kerry mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki und anderen Politikern aus dem gesamten politischen Spektrum zusammen. Im Mittelpunkt der Gespräche sollen demnach die Hilfe der USA im Kampf gegen die Isis und die Bildung einer irakischen Einheitsregierung stehen.

Kerry im Irak

Kerry hatte seine Initiative zur Überwindung der Krise im Irak am Sonntag mit einem Besuch in Kairo gestartet, anschließend reist er nach Jordanien weiter. Kerrys Sprecherin hatte vor seiner Abreise gesagt, der Minister wolle mit "Partnern und Verbündeten" beraten, wie Sicherheit, Stabilität und die Bildung einer Einheitsregierung im Irak unterstützt werden könnten. In Brüssel will er im Laufe der Woche zudem an einem Treffen der Nato-Außenminister teilnehmen, in Paris sind Gespräche mit Partnern aus der Golfregion geplant.

Dass Kerry während der insgesamt sechstägigen Reise auch in den Irak reisen würde, war in Washington erwartet worden. Von offizieller Seite wurde dies aus Sicherheitsgründen aber nicht bestätigt. Dem schiitischen Ministerpräsidenten al-Maliki wird vorgeworfen, durch eine Diskriminierung der sunnitischen Minderheit die Spaltung des Landes vorangetrieben zu haben. Seine Partei hat gleichwohl die Parlamentswahl Ende April gewonnen - und er bemüht sich derzeit um die Bildung einer neuen Regierung.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sagte bei einem Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg: "Wir müssen über die Folgen der Ereignisse sprechen, nicht nur im Irak, sondern in der weiteren Region." "Ich hoffe, dass die Nachbarn des Irak ihr Interesse erkennen, dass die territoriale Integrität als Staat gewährleistet bleibt, und ihre politischen Ziele darauf ausrichten", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). "Worauf es jetzt ankommt, ist die Bildung einer Regierung im Irak, die alle Regionen und alle Religionen einschließt", mahnte Steinmeier.

70 Tote bei Angriff auf Gefangenentransport

"Die Situation ist außerordentlich schwierig", sagte Spaniens Außenminister José Manuel Garcia Margallo. "Die Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten ist auf ihrem Höhepunkt." Margallo warnte vor einer Bedrohung, welche "die gesamte Region gefährden und dort eine ungesehene humanitäre Krise auslösen kann".

Bei einem Angriff auf einen Gefangenentransport südlich der irakischen Hauptstadt Bagdad wurden mehr als 70 Menschen getötet. Wie ein Polizeioffizier und ein Arzt mitteilten, starben 69 Gefangene. Zudem seien bei anschließenden Gefechten ein Polizist und acht Angreifer in der Nähe der Stadt Haschimija in der Provinz Babylon getötet worden. Wer den Konvoi angriff, ist unklar.

Unterdessen brachten Isis-Kämpfer einen weiteren Grenzübergang vom Irak nach Syrien unter ihre Kontrolle. Wie zwei Offiziere des irakischen Grenzschutzes bestätigten, eroberten sie mit dem Übergang Al-Walid bereits die zweite Kontrollstelle an der Grenze zu dem benachbarten Bürgerkriegsland. Den Angaben zufolge zog sich der Grenzschutz am Sonntag von dem eingenommenen Posten zu einem anderen Grenzübergang nach Jordanien weiter südlich zurück.

In der vergangenen Woche wurden bei einem Angriff auf ein Gefängnis in der Stadt Baakuba nördlich von Bagdad mindestens 44 Häftlinge getötet. Ob Aufständische oder Sicherheitskräfte die Gefangenen töteten, ist bisher unklar.

AFP / AFP