Es war ein überraschender Besuch: US-Außenminister Rex Tillerson ist am Montag nach Afghanistan geflogen, um mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani die Zukunft des Landes zu besprechen. Offiziell trafen sich die beiden Politiker in Kabul. Das zumindest twitterte die US-Botschaft in Kabul. Dort bekräftigten Tillerson und Ghani ihre Absicht, Frieden, Stabilität und langfristigen Wohlstand in Afghanistan zu schaffen. Tillerson habe erklärt, dass die neue US-Strategie darauf abziele, Terroristen sichere Rückzugsorte zu verwehren, hieß es in der Mitteilung weiter.
Dumm nur, dass das Treffen gar nicht in der afghanischen Hauptstadt, sondern auf der schwer gesicherten US-Basis Bagram stattgefunden hat. Das berichtete die "New York Times" am Montag. Auf die Schliche gekommen war die US-Zeitung der Lüge durch unterschiedliche Fotos des Treffens, die von US-amerikanischer und afghanischer Seite veröffentlicht wurden. Beide Fotos zeigen die Politiker im Gespräch, zwischen ihnen ein Tisch mit Wasserflaschen und einer Thermoskanne. An der Wand hinter ihnen hängen zwei Flachbildschirme.
Das entscheidende Detail ist auf dem einen Bild zu sehen, auf dem anderen wurde es anscheindend wegretuschiert: eine digitale Anzeige mit drei Uhrzeiten. Unter der linken Anzeige ist in besserer Auflösung das Wort "Zulu" zu lesen. "Zulu" ist ein global gültige Form der Uhrzeitangabe, die das Militär nutzt. Ein deutlicher Hinweis also, dass das Treffen nicht in der US-Botschaft oder dem Präsidentenpalast in Kabul stattgefunden hat, sondern in einer militärischen Einrichtung.
Weil die "New York Times" sowohl bei US- als auch bei afghanischen Behörden zunächst keine Antwort auf entsprechende Fragen erhielt, befragte sie einen Experten. Der kam zu dem Schluss, dass das von den afghanischen Behörden veröffentlicht wurde, mit Photoshop bearbeitet ist.
Am Dienstag twitterte das US-Außenministerium dann: "Korrektur: Vorhin haben wir in einem Post als Ort des Treffens Kabul genannt. Das Treffen fand auf dem Flugplatz Bagram statt."
Die US-Basis liegt 90 Minuten Autofahrt oder 20 Minuten mit dem Hubschrauber von Kabul entfernt. Ein Sicherheitsrisiko, dass die US-Regierung offenbar scheute. Denn erst im September hatte US-Verteidigungsminister James Mattis Afghanistan besucht. Kaum hatte sein Hubschrauber den Flughafen von Kabul verlassen, schlugen dort Dutzende Raketen ein.