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Russland: Terrorverdacht nach Flugzeugabstürzen

In Russland sind fast zeitgleich zwei Flugzeuge mit insgesamt rund 90 Passagieren abgestürzt. Offenbar gibt es keine Überlebenden. Es besteht der Verdacht eines Terroranschlages - in Tschetschenien sind am Sonntag Wahlen.

Zwei russische Passagierflugzeuge mit insgesamt etwa 90 Menschen an Bord sind in der Nacht zum Mittwoch fast zeitgleich abgestürzt. Da nur wenige Minuten zwischen beiden Vorfällen lagen, besteht der Verdacht, dass dahinter ein Terroranschlag steckt. An einer Maschine soll noch ein Entführungs-Notsignal ausgelöst worden sein, bevor sie von den Radarschirmen verschwand. Präsident Wladimir Putin beauftragte den Inlandsgeheimdienst FSB mit den Ermittlungen. An allen Flughäfen wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Die erste Maschine war von Moskau unterwegs Richtung Wolgograd, die zweite war ebenfalls in Moskau gestartet und sollte in Sotschi am Schwarzen Meer landen, wo Präsident Putin derzeit seinen Urlaub verbringt. Die erste Maschine, eine Tu-134 mit 43 Insassen, stürzte nach offiziellen Angaben etwa um 22:56 Uhr (Ortszeit) in der Region Tula rund 180 Kilometer südlich von Moskau zu Boden. Es gab keine Überlebenden, wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf die Regierung meldete.

Augenzeugen berichten von einer Explosion vor dem Absturz. Die Maschine soll laut Itar-Tass der Fluglinie Wolga-Aviaexpress gehören und vom Direktor der Gesellschaft geflogen worden sein.

Zweite Maschine offenbar auseinander gebrochen

Die zweite Maschine, eine Tupolew 154 der Fluggesellschaft Sibir, befand sich in der Nähe von Rostow am Don, knapp 1.000 Kilometer südlich von Moskau, als gegen 23.00 Uhr (Ortszeit) der Kontakt zu ihr abbrach. Die Maschine sei offenbar in der Luft auseinander gebrochen, sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzministeriums der Nachrichtenagentur AP. Das Wrack wurde nahe der Ortschaft Gluboki nördlich von Rostow gefunden. Interfax zufolge wurden an der Absturzstelle auch Leichenteile gefunden.

Wie viele Personen genau an Bord der Sibir-Maschine waren, war auch Stunden nach dem Absturz noch unklar. In verschiedenen Berichten war von 46 oder 52 Insassen die Rede.

"Zeitgleiches Geschehen ist verdächtig"

Der russische UN-Botschafter Andrej Denisow erklärte in einer ersten Reaktion: "Wir werden sehen müssen, ober es sich um Terrorismus handelt." In Washington sagte ein Sprecher des Außenministeriums: "Wir sind offenkundig besorgt über die Nachrichten. Wir verfolgen die Entwicklung genau und versuchen, die Fakten zu ermitteln." Das fast zeitgleiche Geschehen sei verdächtig, hieß es in Washington.

Wahlen in Tschetschenien

In der Kaukasusrepublik Tschetschenien wird am Sonntag ein Nachfolger des ermordeten Präsidenten Achmad Kadyrow gewählt. Kadyrow war im Mai einem Bombenanschlag zum Opfer gefallen. In den vergangenen Jahren hat es wiederholt blutige Anschläge tschetschenischer Separatisten gegen Russen und russische Einrichtungen gegeben.