Sahara-Drama Neuer Versuch von Übergabe der Geiseln


Die Übergabe der 14 in der Sahara verschleppten Geiseln in Mali hat begonnen. Die seit sechs Monaten in der Wüste verschleppten Touristen sind jedoch noch nicht offiziell in deutscher Hand.

Die Übergabe der 14 in der Sahara verschleppten Geiseln in Mali hat begonnen. Die seit sechs Monaten in der Wüste verschleppten Touristen sind jedoch noch nicht offiziell in deutscher Hand. Wie in der malischen Hauptstadt Bamako bekannt wurde, ist eine Transall-Maschine der Bundeswehr am Montagvormittag im Ort Gao eingetroffen, um die Geiseln an Bord zu nehmen und nach Bamako zu fliegen.

Die Lage am Montagmorgen

Die Freilassung der in Algerien entführten Sahara-Touristen ist am Montag in greifbare Nähe gerückt. Regierungssprecher Bela Anda bestätigte am Vormittag, dass man sich in einer "sehr wichtigen Endphase" befinde. Weiteres könne zunächst nicht preisgegeben werden. Zuvor hatte der außenpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Ludger Volmer, gesagt, die 14 europäischen Geiseln seien nicht mehr in der Hand ihrer Entführer. Bisher seien die neun Deutschen, vier Schweizer und ein Niederländer aber auch noch nicht den Behörden übergeben worden. Deshalb bestehe die Gefahr, dass die Geiselnehmer noch Einfluss nehmen könnten.

Die entscheidende Phase

In Regierungskreisen in Mali hieß es, die Bemühungen seien in einer entscheidenden Phase. "Es ist eine extrem entscheidende Phase, und ich denke, es wird sich sehr bald klären", sagte ein Regierungsvertreter in dem westafrikanischen Land, wo die Geiseln zuletzt festgehalten wurden. Sie waren zusammen mit anderen Wüsten-Touristen vor rund sechs Monaten vermutlich von radikalen Moslems in Algerien verschleppt worden, eine erste Gruppe von ihnen kam im Mai frei.

Es wird damit gerechnet, dass die 14 Verschleppten im Laufe des Tages in Sicherheit gebracht werden. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, steht in Malis Hauptstadt Bamako bereit, um sie in Empfang zu nehmen.

Geiseln in den Händen der Vermittler

Volmer sagte im Deutschlandfunk, im Moment gebe es keine konkreten Hinweise darauf, dass die Entführer nochmal versuchen könnten, den Verlauf der Freilassung zu beeinträchtigen. Es bestehe aber die Gefahr, dass die Geiselnehmer "vielleicht noch die Möglichkeit haben, doch wieder Einfluss zu nehmen auf den Prozess, weil einfach der zweite Schritt, nämlich sie (die Geiseln) von den Vermittlern nun weiterzuleiten an die deutschen Behörden ... nicht funktioniert."

Woher stammt das Lösegeld

Volmer wollte sich nicht dazu äußern, ob von Deutschland Lösegeld gezahlt wurde. "Über Geld reden wir eigentlich nicht", sagte er und fügte hinzu: "Die Bundesrepublik zahlt kein Lösegeld, und wenn sie es tun würde, würde sie es nie zugeben." Einerseits müsse man auf die Forderungen von Geiselnehmern teilweise eingehen, weil man sonst die Geiseln nicht bekomme. Andererseits dürfe man den Entführern nicht so weit entgegen kommen, dass Nachahmer ermutigt würden. Dies erfordere viel Fingerspitzengefühl.

Region um die Stadt Tessalit

Das ZDF berichtete, die Geiseln befänden sich derzeit in der Hand von Mittelsmännern in der Region um die Stadt Tessalit im Norden Malis nahe der algerischen Grenze. Die bislang getrennt festgehaltenen Touristen seien dort zusammengebracht worden. Nach der Übergabe sollten sie zunächst mit einer malischen Militärmaschine zu einem Flugplatz im Norden des Landes gebracht werden und von dort dann mit einer Transall der Bundeswehr zur malischen Hauptstadt Bamako im Süden des Landes weiterfliegen. Am Sonntagabend hatte das ZDF fälschlicherweise bereits die Freilassung der Geiseln vermeldet.

Lösegeld von rund 4,6 Millionen Euro

Weiter hieß es unter Berufung auf malische Kreise, mit den Entführern sei ein Lösegeld von rund 4,6 Millionen Euro für alle Geiseln vereinbart worden, das von der malischen Regierung gezahlt werden solle. Das Geld solle später in Form von deutscher Entwicklungshilfe zurückfließen. In anderen Medienberichten hieß es dagegen, die Summe sei pro Geisel gefordert worden. Als Indiz für ein bevorstehendes Ende der Geiselnahme wertete das ZDF eine für Montag erwartete Pressekonferenz des malischen Präsidenten Amadou Toumani Toure.

Staatssekretär Chrobog war am späten Sonntagnachmittag in Bamako gelandet. Dies hatte Hoffnungen ausgelöst, die Befreiung der Touristen und ihre Rückkehr nach Deutschland stehe unmittelbar bevor. "Wir hoffen, dass die Sache jetzt gut ausgeht", sagte Chrobog nach der Landung. Er wisse aber nicht, wie lange es noch dauern werde. Eine deutsche Geisel der zweiten Gruppe ist bereits an Erschöpfung gestorben.

Die Entführer sollen der radikal-islamischen Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) angehören. Sie kämpft für die Errichtung eines islamischen Gottesstaates in Algerien.


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