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Geheimer Deal: Saudische Regierung entlässt mehrere Prinzen aus Haft - gegen aberwitzige Geldzahlung

Die Anzeichen verdichten sich: Die saudische Regierung hat wohl einen Riege von Prinzen aus der Haft entlassen. In Medien wird eine aberwitzige

Ritz Carlton in Riad

Im Hotel Ritz Carlton in Riad standen bis zu 200 Prinzen der Herrscher-Familie unter Hausarrest. Einige konnten sich freikaufen

Die Entlassung aus der Haft erfolgte genauso plötzlich wie die Festnahme: Saudische Behörden haben einen Prinzen der Königsfamilie nach über zehn Monate Hausarrest entlassen. Zu den Gründen, warum sie den Mann Ende Januar festsetzten und nun entließen, lassen sie kein Wort verlauten. Selbst staatsnahe Medien wissen nichts zu Umständen.

Das überhaupt die Nachricht in arabischen Medien publik wurde, ist vor allem der Schwester von Prinz Khaled bin Talal und seinen Nichten zu verdanken. Sie brachen wegen seiner Rückkehr auf Twitter in Jubel aus.

Khaled bin Talal ist dabei nicht irgendein Gefangener der saudischen Regierung gewesen. Er ist ein Neffe des greisen Königs Salman ibn Abd al-Aziz. Der 82-Jährige übertrug im Sommer 2017 immer mehr Gewalten an den Kronprinzen Mohammed bin Salman. Der fiel seitdem zwar dadurch auf, dass im saudischen Königreich nun auch Frauen Auto fahren dürfen. Doch der potentielle Nachfolger schlug gegenüber dem Familien-Clan andere Töne an.

Der saudische Kronprinz geht gegen die eigene Familie vor

Schon im November 2017 ließ er 200 Prinzen festnehmen und in der Nobelherberge Ritz Carlton in Riad inhaftieren. Offiziell ging es damals um Korruption im Staatsapparat. Doch die Financial Times vermutet, dass der Thronprätendent Konkurrenten um die Nachfolge aus dem Weg räumen wollte.

Unter den Häftlingen war auch Alwaleed bin Talal. Ein Investor mit einem Vermögen von 17 Milliarden Dollar und Bruder von Khaled bin Talal. Alwaleed kam nach über zwei Monaten wieder frei. Angeblich gegen eine Kaution, die zwischen einer und sechs Milliarden Dollar gelegen haben soll. Khaled dürfte nicht nur diese Nähe zum Verhängnis geworden sein, sondern auch seine Kritik an dem harten Durchgreifen der Regierung. Die inhaftierte damals auch Frauenrechtsaktivistinnen.

Nun soll es nach einem Bericht des Senders CNN wieder zu einem Deal gekommen sein. Angeblich sei Khaled bin Talal Teil einer Prinzengruppe gewesen sein, die gegen 100 Milliarden Dollar auf freien Fuß kam. Verbürgt ist diese Summe nicht. Doch sowohl der Sender Aljazeera als auch die "Financial Times" berichten davon, dass im Hintergrund Deals stattfanden, mit denen sich die Prinzen freikaufen konnten. In Kürze könnten weitere Freilassungen bevorstehen.

Saudi-Arabien steht unter Druck

Nun kommentiert die arabische und internationale Presse, warum sich die saudische Regierung auf solche Geschäfte einlässt. Einhellig ist die Meinung, der Kronprinz versuche nun, seine Macht mit einem Ausgleich im Inneren abzusichern. Außenpolitisch sei das Königreich wegen der Khashoggi-Affäre so schwer unter Druck, wie seit den Anschlägen vom 11. September nicht mehr, schreibt ein Analyst des saudischen Think Tanks Arabia Foundation. Das "Wallstreet Journal" zitiert einen Informanten aus der königlichen Familie, der Kronprinz wolle die Reihen in der Familien schließen. Die Freilassung von Khaled bin Talal sei vor allem ein symbolischer Akt, um Milde zu demonstrieren.

sos