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Serbien-Montenegro: UN-Sicherheitsrat verurteilt Gewalt im Kosovo

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat bei einer Dringlichkeitssitzung die Gewalt im Kosovo verurteilt. Den Unruhen fielen bisher mindestens 31 Menschen zum Opfer, mehr als 500 wurden verletzt.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat bei einer Dringlichkeitssitzung die Gewalt im Kosovo zutiefst verurteilt. Der Außenminister von Serbien-Montenegro, Goran Svilanovic, sprach von einer neuen ethnischen Säuberung auf dem Balkan. Den Unruhen fielen bis Donnerstagabend mindestens 31 Menschen zum Opfer, mehr als 500 wurden verletzt. Die NATO entsandte zur Verstärkung der Friedenstrupp KFOR 200 zusätzliche Soldaten in die serbische Krisenprovinz.

"Es droht ein Leben in Chaos und Elend"

An der offenen Sitzung des Weltsicherheitsrats nahm auch Bundesaußenminister Joschka Fischer teil, der zu Gesprächen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan in New York weilte. Angesichts der blutigen Auseinandersetzungen zwischen Serben und Albanern rief der Grünen-Politiker die Führungskräfte im Kosovo auf, alles zu unternehmen, um den Zusammenbruch der Zivilgesellschaft in der unter UN-Verwaltung stehenden Provinz zu verhindern. Andernfalls drohe ein Leben in Chaos und Elend.

Der Außenminister von Serbien-Montenegro erklärte, das Signal an die serbische Minderheit im Kosovo sei, dass es für sie kein Leben in der Provinz gebe und dass sie sie verlassen müssten. Svilanovic gab der KFOR-Friedenstruppe eine Mitschuld an der Eskalation der Lage, weil es ihr nicht gelungen sei, die Auseinandersetzungen zu beenden. Am Donnerstag war es auch in weiten Teilen Serbiens zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Serben und Albanern gekommen. Dabei wurden insbesondere Moscheen beziehungsweise orthodoxe Kirchen angegriffen. In Belgrad skandierten Tausende von nationalistischen Serben Aufforderungen zum Mord an Albanern. Ausländische Botschaften wurden mit Steinen beworfen, die kroatischen Vertretungen evakuiert.

Belgrader Regierung will Serben im Kosovo unterstützen

Unterdessen hat die serbische Regierung zu einer Großdemonstration in Belgrad aufgerufen. Zur Unterstützung der Serben in der abtrünnigen Provinz Kosovo sollen die Bürger am Freitagmittag vom Sitz der Regierung zur orthodoxen Kathedrale "Heiliger Sava" ziehen, heißt es in der am Morgen in allen Medien verbreiteten Erklärung. Rundfunk und Fernsehen wurden aufgefordert, ihr Programm für drei Minuten zu unterbrechen. Alle orthodoxen Kirchen im Land sollen ihre Glocken läuten.

Der Sicherheitsrat verabschiedete zum Abschluss seiner Sitzung eine Erklärung, in der ein sofortiges Ende der Gewalt gefordert wird. Die diversen Bevölkerungsgruppen werden zum Aufbau einer multi-ethnischen, toleranten und demokratischen Gesellschaft im Kosovo aufgerufen. Die Übergriffe in der international verwalteten Provinz stellten einen direkten Angriff auf die internationale Staatengemeinschaft dar, hieß es.

Schwerste Zusammenstöße seit 1999

In der Kosovo-Regionalhauptstadt Pristina und in Pec versammelten sich Zehntausende und riefen nach der aufgelösten albanischen Untergrundarmee UCK. In der zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen geteilten Stadt Kosovska Mitrovica, wo die Unruhen am Mittwoch ihren Ausgang genommen hatten, blieb die Lage besonders stark angespannt. Wegen der anhaltenden Gewalt sind Mitarbeiter der Vereinten Nationen (UN) aus ihrer Vertretung in der schwer umkämpften Stadt Mitrovica in Sicherheit gebracht worden.

"Wir wurden evakuiert", sagte ein UN-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon in der Nacht zum Freitag. "Wir sind in der französischen Basis", fügte er hinzu. In der zwischen Serben und Albanern geteilten Stadt ist ein Stützpunkt der Nato-geführten Kosovo-Schutztruppe. Zu dem genauen Auslöser der Evakuierung machte der Sprecher keine Angaben. Es handelte sich um die bislang schwersten Zusammenstöße im Kosovo seit dem Ende des Krieges von 1999.

Kritik an der UNO

Der EU-Koordinator für den Stabilitätspakt auf dem Balkan, Erhard Busek, hat das Vorgehen der Vereinten Nationen in Frage gestellt. Die Situation zeige, dass die Schutztruppe an den falschen Ansätzen gearbeitet habe, sagte Busek am Freitag im DeutschlandRadio Berlin. "Offensichtlich haben wir nicht an den richtigen Punkten angesetzt." In Fragen wie die der Lage der Flüchtlinge, der Sicherheit und der wirtschaftlichen Entwicklung müsse eine Neuorientierung gefunden werde. Es müsse geklärt werden, wer zurückkehren wolle und wie die Sicherheit der Serben im Kosovo garantiert werden könne.