VG-Wort Pixel

Sondergesandter Brahimi Syrien befindet sich bereits im "Bürgerkrieg"


Der Syrien-Konflikt ist nach Einschätzung des neuen Sonderbeauftragten Lakhdar Brahimi seit einiger Zeit in die Phase eines "Bürgerkriegs" eingetreten. Diesen zu beenden, werde "nicht einfach sein".

Der Syrien-Konflikt ist nach Einschätzung des neuen internationalen Sonderbeauftragten Lakhdar Brahimi seit einiger Zeit in die Phase eines "Bürgerkriegs" eingetreten. Es gehe für ihn nicht darum, "einen Bürgerkrieg zu vermeiden", vielmehr sei es "erforderlich, den Bürgerkrieg zu beenden", sagte Brahimi dem TV-Sender France 24. Die gescheiterte UN-Beobachtermission wurde unterdessen offiziell beendet.

"Ein Bürgerkrieg ist die grausamste Art von Konflikt, ein Nachbar bringt den anderen um, manchmal auch seinen Bruder", sagte Brahimi, der sich nach dem Ausscheiden von Sondervermittler Kofi Annan Ende des Monats im Auftrag der UNO und der Arabischen Liga um eine Beendigung des Blutvergießens kümmern will. Es werde "nicht einfach sein", den Konflikt zu beenden. Das Pariser Präsidialamt teilte mit, Präsident François Hollande werde den 78-jährigen Algerier noch am Montag empfangen.

Das Mandat der UN-Beobachtermission in Syrien (UNSMIS), an der in Spitzenzeiten 300 Experten zur Überwachung von Waffenstillstandsbemühungen beteiligt waren, endete in der Nacht zum Montag. Der UN-Sicherheitsrat hatte die UNSMIS im April ins Leben gerufen, um den Friedensplan Annans zu überwachen. Die UNO will künftig nur noch ein Verbindungbüro mit 20 bis 30 Mitarbeitern in Damaskus unterhalten.

150.000 Syrer finden Zuflucht in Jordanien

Im Norden Jordaniens schlugen nach Angaben der Regierung in Amman am Sonntag vier in Syrien abgefeuerte Raketen ein. Ein junges Mädchen sei dabei verletzt worden, sagte Regierungssprecher Samih Maajtah der Nachrichtenagentur AFP. Die Regierung habe den syrischen Botschafter einbestellt und ihm eine Protestnote überreicht.

Bislang haben in Jordanien mehr als 150.000 Syrer Zuflucht vor den Kämpfen in ihrer Heimat gefunden. Wenn sie die Grenze ins Nachbarland übertreten wollen, geraten sie oft unter Beschuss durch syrische Regierungstruppen. Ende Juli tötete die syrische Armee nach Angaben der jordanischen Regierung ein dreijähriges Flüchtlingskind.

Seit März 2011 wurden im Syrien-Konflikt Aktivisten zufolge mehr als 23.000 und nach Angaben der UNO rund 17.000 Menschen getötet. Auch am Montag hielten die Kämpfe in der Wirtschaftsmetropole Aleppo und der Hauptstadt Damaskus an. Die Beobachtungsstelle in London sprach von 84 Toten am Sonntag und 16 am Montag.

Papstbesuch findet trotz des Konflikts statt

Frankreich will die syrische Führung unter #link;www.stern.de/politik/baschar-al-assad-90282062t.html;Präsident Baschar al-Assad# finanziell austrocknen. Dazu sollten Gespräche mit Russland geführt werden, sagte Außenminister Laurent Fabius dem Sender RTL in Paris. Der Krieg koste die Regierung in Damaskus "ungefähr eine Milliarde Euro pro Monat". Ohne Unterstützung durch Russland oder den Iran könne Assad das nur noch wenige Monate durchstehen. Fabius schloss ein militärisches Eingreifen Frankreichs in den Konflikt ebenso aus wie eine Lieferung von Waffen an die Rebellen.

Trotz der Auswirkungen des Syrien-Konflikts hält der Papst an den Planungen für seine Reise in den benachbarten Libanon fest. Benedikt XVI. werde wie geplant vom 14. bis zum 16. September den Libanon besuchen, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi mit.

jat/AFP AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker