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Spannungen auf der Krim: Russland verstärkt Schutz der Schwarzmeerflotte

Durch den Umsturz in der Ukraine ist die Lage auf der Krim instabil. Russland hat dort seine Schwarzmeerflotte, die Bevölkerung ist mehrheitlich russisch. Putins Säbelrasseln ist ein Grund zur Sorge.

Mitten in der Krise in der Ukraine hat Kremlchef Wladimir Putin angeordnet, die Gefechtsbereitschaft der im Westen stationierten russischen Armee zu überprüfen. Auch die Luftlandekräfte sollten einbezogen werden, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. Zudem verstärkte Russland den Schutz seiner auf der südukrainischen Halbinsel Krim stationierten Schmarzmeerflotte.

"Wir treffen Maßnahmen, um die Sicherheit unserer Einrichtungen, unserer Infrastruktur und unseres Arsenals auf dem Schwarzen Meer zu garantieren", sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Mittwoch, laut Berichten der russische Nachrichtenagenturen. Was sich auf der Krim und um die Flotte herum ereigne, werde aufmerksam verfolgt, sagte Schoigu.

"Die Krim ist russisch"

Dort kommt es derzeit immer wieder zu kleineren Zusammenstößen zwischen Befürworten und Gegnern einer Annäherung an Russland. Etwa 10.000 Krimtataren demonstrierten vor dem Regionalparlament in Simferopol gegen eine Abspaltung der Autonomen Krim-Republik von der Ukraine. Sie schwenkten blaugelbe Landesflaggen und riefen: "Die Ukraine ist nicht Russland." Die einst von Sowjetdiktator Josef Stalin wegen angeblicher Zusammenarbeit mit den Nazis deportierten Tataren sind nach dem Zerfall der UdSSR zu Zehntausenden wieder auf die Krim zurückgekehrt.

Hingegen machten rund 4000 prorussische Demonstranten, viele davon in Kosaken-Tracht, Stimmung für eine engere Anbindung der Krim an Moskau. Sie skandierten unter anderem: "Die Krim ist russisch." Vereinzelt sei es zu Handgemengen gekommen, sagte ein Behördensprecher der Agentur Interfax.

Russen auf der Krim wollen Referendum

Moskau hat handfeste Interessen auf der Halbinsel, die 1954 innerhalb der Sowjetunion vom russischen zum ukrainischen Gebiet wurde. In der Hafenstadt Sewastopol ist die russische Schwarzmeerflotte stationiert. Die Mehrheit der Bewohner sind Russen - und aus deren Reihen wird ein Referendum über den Status der Halbinsel gefordert. Dies ist umso heikler, da die derzeitige Parlamentsspitze in Kiew sich Richtung Westen orientiert und jede Debatte über eine mögliche Abspaltung der Krim von der Ukraine ausschließt.

In Sewastopol haben moskautreue Kräfte bereits Grenzposten an den Zugängen zur Stadt eingerichtet. Dort übernahm nach einer Straßenabstimmung zudem der Russe Alexander Tschalyi das Bürgermeisteramt. Führende russische Politiker reisten zudem auf die Krim, um die Lage zu sondieren. Offiziell befürchtet die Führung in Moskau, dass ukrainische Nationalisten den Autonomie-Status der Halbinsel beenden könnten. Das will Russland nach Angaben aus Moskau nicht zulassen.

Grenzposten in Sewastopol

Umso mehr löst das Versetzen von Teilen der russischen Streitkräfte in Alarmbereitschaft Sorge aus. Geprüft werden solle nach dem Willen Putins die Bereitschaft in Krisensituationen sowie bei militärischer Bedrohung, sagte Verteidigungsminister Schoigu. Die Prüfung erfolge in zwei Etappen erfolgen, soll ab sofort beginnen und bis zum 3. März dauern. Schon im vergangenen Jahr hatte Putin mehrmals kurzfristig Manöver angeordnet.

Die Vorgänger des nun international gesuchten, abgesetzten Präsidenten Viktor Janukowitsch, Leonid Krawtschuk, Leonid Kutschma und Viktor Juschtschenko, hatten schon früher am Tag ihre Besorgnis über die Lage geäußert. Sie forderten Russland auf, sich nicht in das Leben auf der Krim einzumischen. Die Verteidigungsminister der Nato pochten von Brüssel aus darauf, dass das Territorium der Ukraine nicht angetastet werden dürfe.

Die Krim hat eine bewegte Geschichte. Die Halbinsel gehörte zu Zeiten der Sowjetunion zu Russland, bevor sie 1954 zu ukrainischem Territorium wurde.

dho/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters