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Stichwahl in Polen: Komorowski gegen Kaczynski

Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Polen ist am Sonntag mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Konservativen Jaroslaw Kaczynski und dem Liberalen Bronislaw Komorowski zu rechnen.

Der liberal-konservative Bewerber um das Präsidentenamt in Polen, Bronislaw Komorowski, liegt in letzten Umfragen vor der Stichwahl am Sonntag vorn. In zwei am Freitagabend veröffentlichten Umfragen lässt der Parlamentspräsident seinen national-konservativen Kontrahenten Jaroslaw Kaczynski hinter sich. Beim ersten Wahlgang am 20. Juni hatten beide Politiker die notwendige absolute Mehrheit verpasst. Eine Stichwahl am 4. Juli entscheidet über die Nachfolge des bei einem Flugzeugabsturz Anfang April gestorbenen Präsidenten Lech Kaczynski.

Der im ersten Durchgang zweitplatzierte Kaczynski legte im Wahlkampf-Endspurt in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK Polonia deutlich zu. Er kam in der Befragung für die konservative Zeitung "Rzeczpospolita" ebenso wie sein Kontrahent Komorowski auf 45 Prozent. Kaczynski hatte im ersten Durchgang vor zwei Wochen mit 36,5 Prozent fünf Prozentpunkte hinter Komorowski gelegen.

Andere Umfragen sahen hingegen Komorowski weiter mit klarem Vorsprung vorn. Im letzten Stimmungsbarometer bevor ab Freitagmitternacht der Wahlkampf offiziell zu Ende gehen sollte, sprachen sich 51 Prozent der Befragten für Komorowski als neues Staatsoberhaupt aus; 44 Prozent für Kaczynski. Für die Umfrage im Auftrag des Fernsehsenders TVN24 wurden am Freitag telefonisch 2010 Menschen befragt. Eine weitere Umfrage für den staatliche Rundfunk sah Komorowski mit mehr als zehn Prozentpunkten vorn.

Zum Abschluss der Kundgebungen bekräftigte der legendäre Arbeiterführer und frühere Präsident Walesa noch einmal seine Unterstützung für Komorowski. "Wir haben die Chance, in Europa wirklich etwas zu zählen", rief er bei dem vom Fernsehen übertragenen, letzten Wahlkampfauftritt des Liberalen in Inowroclaw. Im heutigen Europa werde aber viel diskutiert. "Da nützt es nichts, mit dem Säbel zu rasseln, man muss Argumente liefern", sagte Walesa in Anspielung auf das Image seines einstigen Weggefährten Kaczynski.

Das Zünglein an der Waage sind bei der Stichwahl die Anhänger des linksgerichteten Sozialdemokraten Grzegorz Napieralski, der bei der ersten Runde am 20. Juni überraschend fast 14 Prozent der Stimmen geholt hatte. Sowohl Komorowski als auch Kaczynski umwarben im Wahlkampf-Endspurt dessen Wähler. Am Tag vor der Abstimmung gilt in Polen Wahlruhe. Umfragen und andere Formen des Wahlkampfes sind bis zur Schließung der Wahllokale am Sonntagabend verboten. Komorowski lag in den meisten Umfragen vorn, lediglich ein Meinungsforschungsinstitut hatte am Freitag einen Vorsprung für Kaczynski ermittelt.

DPA/AFP / DPA