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Südostasien: Gedenken im Paradies

Ein Jahr nach dem Tsunami haben Zehntausende der Katastrophe gedacht. Während in Banda Aceh mittlerweile die Waffen schweigen, kommt es in Sri Lanka wieder zu Konflikten.

Zehntausende Menschen haben am Montag in zahlreichen Ländern Asiens an die Opfer der verheerenden Tsunami-Katastrophe vor einem Jahr gedacht. Mit einer Sirene gab der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono um 8.16 Uhr, 2.16 Uhr Mitteleuropäische Zeit in Banda Aceh das Signal für eine Schweigeminute. Die Menschen hielten zu dem Zeitpunkt inne, als die Riesenwelle am zweiten Weihnachtsfeiertag vor einem Jahr die Küste erreichte.

Aceh war von der Flutwelle am 26. Dezember 2004 zuerst betroffen, da die Provinz dem Epizentrum des Seebebens der Stärke neun im Indischen Ozean am nächsten lag. Die Naturkatastrophe kostete mindestens 216.000 Menschen das Leben, darunter auch mehr als 500 Deutsche. An der Zeremonie in Banda Aceh nahmen neben Überlebenden auch ausländische Würdenträger und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen teil.

"Als Mutter Erde ihre zerstörerischste Kraft auf uns losließ"

Von einer Bühne erinnerte Yudhoyono an den Moment, "als Mutter Erde ihre zerstörerischste Kraft auf uns losließ". Die Sirene, die er in Gang setzte, ist Teil eines Warnsystems, das im vergangenen Jahr noch nicht existierte. Später verstreute der Präsident Blütenblätter über einem Massengrab, in dem in den Tagen nach der Katastrophe 47.000 Menschen beigesetzt wurden.

UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte in einer Videobotschaft, der Tsunami sei "so brutal, so schnell, so gewaltig gewesen, dass wir immer noch Schwierigkeiten haben, ihn ganz zu begreifen". Der frühere US-Präsident Bill Clinton, heute UN-Botschafter für die Bewältigung der Tsunami-Folgen, sagte: "Ich will, dass Sie wissen, dass ich nicht zufrieden sein werde, bis Sie anständige Häuser und Arbeitsmöglichkeiten haben."

Zahlreiche Menschen beteten an Massengräbern und nahmen an Gottesdiensten in Moscheen, Tempeln und Kirchen teil. Im Dorf Peraliya in Sri Lanka, wo der Tsunami einen Zug mit 2000 Passagieren von den Gleisen riss, gedachten Präsident Mahinda Rajapakse und zahlreiche weitere Menschen der mehr als 31.000 Toten auf der Insel. Nach zwei Schweigeminuten um 9.30 Uhr (4.30 Uhr) enthüllte Rajapakse ein Denkmal für die Opfer. In der indonesischen Stadt Padang erprobten die Behörden erstmals ein noch im Aufbau befindliches Tsunami-Warnsystem.

Auch in Thailand nahmen tausende Menschen an Gedenkzeremonien teil. Die Feiern stießen auch auf Kritik in der Bevölkerung. Die Regierung habe keinen Erinnerungsgottesdienst organisiert, sondern "eine ausgelassene Party", sagte Nantaya Saphanthong. Das Geld dafür hätte besser den von der Katastrophe betroffenen Menschen zugute kommen sollen.

Der australische Ministerpräsident John Howard erklärte in Sydney, als positive Erinnerung an den 26. Dezember 2004 blieben die umfassenden Hilfsangebote in Erinnerung. Nach UN-Angaben wurden nach der Katastrophe aus aller Welt Hilfen in Höhe von rund 13 Milliarden Dollar zugesagt.

Waffenstillstand in Banda Aceh, Unruhen in Sri Lanka

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul erinnerte in Berlin an die Toten und Vermissten. "Keiner und keine von ihnen ist vergessen", sagte sie am Sonntagabend.

In Aceh und in Sri Lanka zogen die Behörden derweil eine gemischte Bilanz der Wiederaufbauarbeiten und den Auswirkungen des Tsunamis auf den regionalen Friedensprozess. In Aceh kam es infolge der Katastrophe zumindest zu einem Waffenstillstand zwischen der Regierung und den Separatisten. In Sri Lanka hingegen löste der Kampf um die Verteilung von Hilfsgütern neue Konflikte zwischen der Regierung und den Befreiungstigern von Tamil Eelam aus.

Nach Angaben der Behörden in Aceh fanden bislang nur 20 Prozent der seit einem Jahr Obdachlosen ein neues Zuhause. Auch seien die Spuren der Verwüstung noch überall gegenwärtig. Außer Versprechungen habe er noch nichts gesehen, sagte der 24-jährige Baihqu: "Das ist alles was wir bekommen - Versprechungen."

AP / AP