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Syrischer Überläufer: Ranghohes Regierungsmitglied schließt sich Revolution an

Erstmals seit Beginn der Revolte ist ein ranghohes Mitglied der syrischen Regierung zu den Aufständischen übergelaufen. Vize-Ölminister Abdo Hussameddin kündigte seinen Rücktritt an.

In Syrien wenden sich offenbar immer mehr Funktionäre von Präsident Baschar al Assad ab. Auf der Internet-Plattform YouTube tauchte in der Nacht zum Donnerstag ein Video auf, in dem sich ein Syrer als Vize-Ölminister Abdo Hossam al Din identifiziert und seine Unterstützung für den Aufstand gegen das Regime erklärt. Ob es sich bei dem Mann tatsächlich um den syrischen Vize-Minister handelt, war zunächst nicht zu klären.

"Ich, der Ingenieur Abdo Hussameddin, stellvertretender Ölminister, kündige hiermit meine Abkehr vom Regime und meinen Rücktritt an", sagte Hussameddin in dem Video. Er schließe sich nun der Revolution des Volkes an, "das die Ungerechtigkeit und die brutale Kampagne des Regimes zurückweist". Das Volk fordere lediglich "Freiheit und Würde".

Der Mann, der in Anzug und Krawatte auf einem Sofa sitzt, sagt, er wolle seine 30-jährige Karriere im Staatsdienst nicht damit beenden, dass er die Verbrechen dieses Regimes billige. Er wisse, dass sein Haus nun vermutlich angezündet werde. Seine Familie müsse mit Verfolgung rechnen, und man werde Lügen über ihn verbreiten. Trotzdem habe er nicht länger schweigen können und er rate all seinen Kollegen, seinem Beispiel zu folgen.

Opposition soll Rücktritt organisiert haben

Ein Aktivist namens Rami, der das Video nach eigenen Angaben drehte und ins Internet stellte, sagte in der libanesischen Hauptstadt Beirut, die Opposition habe dabei geholfen, Hussameddins Übertritt zu organisieren. Wo dieser sich aufhielt und wo das Video aufgenommen wurde, wollte er aus Sicherheitsgründen nicht sagen.

Hussameddin kritisierte in dem gut vierminüten Stück zudem Russland und China scharf für ihr Veto gegen eine Verurteilung der Gewalt in Syrien durch den UN-Sicherheitsrat. Diese Länder seien "keine Freunde des syrischen Volkes", sagte er, sondern Verbündete der "Morde am syrischen Volk". Russland gilt als einer der wichtigsten Verbündeten Syriens und machte für die eskalierende Gewalt stets sowohl die Aufständischen als auch die Führung von Staatschef Baschar al Assad verantwortlich.

Im UN-Sicherheitsrat sagte Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin am Mittwoch, ihm lägen Informationen über ein von den libyschen Behörden geduldetes Lager vor, in dem "syrische Aufständische" geschult würden. Dies sei "vollkommen inakzeptabel" und untergrabe die Stabilität in der Region. Tschurkin äußerte sich während eines Treffens zu Libyen, an dem auch der Chef der libyschen Übergangsregierung, Abdel Rahim al Kib, teilnahm. Dieser äußerte sich nicht zu den Vorwürfen.

Tunesien möchte Assad politisches Asyl gewähren

US-Verteidigungsminister Leon Panetta kündigte unterdessen im Senat an, die Aufständischen mit Kommunikationsmitteln versorgen zu wollen. Derzeit würden "mögliche zusätzliche Schritte" geprüft, wie dem syrischen Volk in Zusammenarbeit mit den internationalen Partnern geholfen werden könne, sagte er. Einseitigen Militäraktionen erteilte die US-Regierung aber bereits eine Absage. Der tunesische Präsident Moncef Marzouki erneuerte sein Angebot, Assad politisches Asyl zu gewähren.

Die Zahl der Toten während des seit einem Jahr anhaltenden Konflikts stieg nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mittlerweile auf knapp 8500, die UNO geht von mehr als 7500 Getöteten aus. Am Mittwoch besuchte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos die drittgrößte Stadt Homs. Sie ist ihren Angaben zufolge "total zerstört" und nahezu menschenleer.

kave/AFP/DPA / DPA