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Terror in London: Polizei umstellt Haus in Leeds

Auf der Suche nach den Attentätern von London hat eine Antiterror-Einheit der britischen Polizei fünf Wohnungen durchsucht. Die Polizei konzentriert sich dabei auf ein Haus in Leeds.

In Verbindung mit den Londoner Terroranschlägen hat die britische Polizei am Dienstag fünf Wohnungen in Nordengland durchsucht. Die Durchsuchungen in der Region West Yorkshire würden von Mitgliedern einer Antiterror-Einheit ausgeführt, teilte Scotland Yard in London mit. Bisher habe es keine Festnahmen gegeben. Bei ihrer Fahndung nach den Attentätern von London hat die britische Polizei ein Haus im nordenglischen Leeds umstellt. Polizisten brachten Anwohner in Sicherheit. Polizeihubschrauber flogen über dem Haus im Stadtzentrum. Um sich Zugang zu dem Haus zu verschaffen, nahm die Polizei eine kontrollierte Sprengung vor, wie ein Polizeisprecher sagte.

Die Durchsuchungen erfolgten auf der Grundlage der britischen Antiterror-Gesetze. Die durchsuchten Anwesen liegen in Leeds und Umgebung. Die Stadt hat eine der größten Moslem-Gemeinden Großbritanniens.

Erste Erkenntnisse

Allein das Material von 2500 Überwachungskameras und Hinweise von etwa 2000 Anrufern müssen ausgewertet werden. Experten versuchen, mit Hilfe von Funden an den Tatorten Rückschlusse auf die Bomben zu erhalten - um damit möglicherweise eine Spur zu den Tätern zu erhalten. Unterdessen berichtete die Zeitung "The Times" unter Berufung auf Polizeikreise, möglicherweise sei einer der an einem Anschlagsort gefundenen Toten ein Täter. Dem Bericht der "Times" zufolge wurden am Explosionsort des Busses im Zentrum Londons zwei Leichen gefunden, die intensiv begutachtet werden müssten. Möglicherweise handele es sich dabei um die Täter, die die Bombe gehalten oder direkt auf ihr gesessen hätten, schreibt die Zeitung unter Berufung auf einen leitenden Vertreter der Polizei. "Einer der zwei könnte der Bomber gewesen sein", wird der Polizist zitiert. Die Polizei kommentierte den Bericht nicht.

Vorwürfe gegen den Chef-Ermittler

Scotland-Yard-Chef Sir Ian Blair musste sich am Dienstag gegen den Vorwurf verteidigen, islamische Extremisten nicht zu bekämpfen, sondern zu unterstützen. Die Zeitung "The Sun" berichtete, dass der umstrittene Ägypter Tariq Ramadan, der in den USA und in Frankreich eine unerwünschte Person sei, am 24. Juli in London auf einer Tagung sprechen werde. Die Konferenz werde von Scotland Yard mit öffentlichen Geldern unterstützt. Der Scotland-Yard-Chef sagte dazu, Ramadan verurteile die Anschläge vom vergangenen Donnerstag. Nur jemand wie er könne radikalisierte junge Muslime in Großbritannien überhaupt noch erreichen, und deshalb sei es wichtig, dass er bei der Konferenz spreche.

Großes Aufsehen erregte auch eine Anweisung des amerikanischen Militärs, wonach die in Großbritannien stationierten US-Soldaten nicht nach London fahren dürfen. Angesichts der Terrorgefahr sei das nicht zu verantworten, hieß es. Der britische Verteidigungsminister John Reid sagte dazu, die Anweisung sei am vergangenen Freitag kurz nach den Anschlägen erlassen worden.

DPA/Reuters / DPA / Reuters