Thailand Welche Rolle spielt der König?


Nach dem Militärputsch in Thailand ist die Rolle von König Bhumibol Adulyadej bei dem gestrigen Umsturz unklar. Die Putschisten sichern dem Monarchen unterdessen Loyalität zu. Das Schicksal des entmachteten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra ist derzeit nicht bekannt.

Der vom Volke verehrte thailändische König Bhumibol Adulyadej hat nach der dramatischen Nacht des Umsturzes den Putschisten seine Unterstützung ausgesprochen. Um Frieden im Land zu schaffen, ernenne der König General Sondhi Boonyaratkalin zum Vorsitzenden des neu gegründeten Rates für Verwaltungsreform, hieß es in einer im staatlichen Fernsehen verlesenen Erklärung. "Alle Menschen sollten friedlich bleiben und die Beamten sollten von jetzt an auf die Anweisung von General Sondhi hören", hieß es weiter.

"Die Macht bald wieder beim Volk"

Der thailändische Armeechef Sonthi Boonyaratklin geizte unterdessen vor der Presse nicht mit hehren Motiven. Korruption, Zerstrittenheit und die Aushöhlung unabhängiger Institutionen sollten beendet werden, gab der General zu Protokoll. Und schon bald solle die Macht wieder beim Volke sein. Doch bereits werden Zweifel laut, ob Thailand tatsächlich in naher Zukunft wieder zur Demokratie zurückfindet.

Bei jeder Gelegenheit bekunden die Putschisten dem Herrscher Loyalität: Als Kulisse für ihren Fernsehauftritt am Mittwoch wählten die Generäle riesige Porträts des Monarchenpaares, die Soldaten auf den Straßen Bangkoks knoteten gelbe Bänder, die Farbe des Königs, um Gewehrläufe und Arme. Regierungschef Thaksin Shinawatra habe die Monarchie untergraben, führte Armeechef Sonthi einen weiteren Beweggrund für den Staatsstreich an. In Bangkok heißt es, Sonthi habe den König vorab informiert.

Militärs nahmen Minister fest

Das Schicksal des entmachteten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra blieb zunächst unklar. Kaum jemand in der thailändischen Hautpstadt rechnete damit, dass der schwerreiche Premier allzuschnell in sein Heimatland zurückkehrt und erst einmal abwartet. Medienberichten zufolge nahmen die Militärs bereits mehrere Minister und Vertraute fest.

Möglicherweise sah Thaksin seinen jähen Sturz selbst kommen: Die Medien in Bangkok munkeln, seine Familie sei schon seit Wochen damit beschäftigt gewesen, ihr Vermögen von mindestens umgerechnet 1,6 Milliarden Euro außer Landes zu schaffen. Doch ist Thaksin die Entschlossenheit der Militärs anscheinend entgangen: "Er hat die Kluft zwischen seiner Regierung und den Streitkräften unterschätzt", befindet Politikprofessor Thitinan Pongsudhirak von der Chulalongkorn-Universität in Bangkok.

Generäle wollen Macht wieder abgeben

Auch die Generäle könnten sich seiner Meinung nach zu viel vorgenommen haben, wollen sie binnen eines Jahres Thailand wieder auf den Pfad der Demokratie zurückführen - und bis dahin das politische Beziehungsgeflecht, das Thaksin schuf, beseitigen. "Die Ordnung, die er (Thaksin) in den vergangenen fünf Jahren geschaffen hat, müssen sie loswerden.

Sonst könnten Thaksins Anhänger, die weit verteilt sind und sich eingegraben haben, zurückkommen", sagt Thitinan. Denn den Armen auf dem Lande gilt der gestürzte Premier wegen seiner großzügigen Zuwendungen nach wie vor als Held. Die vergangenen drei Parlamentswahlen gewann Thaksins populistische Thai-Rak-Thai (Thais lieben Thais)-Partei mit großer Mehrheit.

Dass die Habenichtse nun aber nach Bangkok strömen, um ihrem bisherigen Gönner beizustehen, glaubt der Politikprofessor nicht. "Thaksin hat sehr wohl seine Anhängerschaft, aber eben auf dem Land. Er müsste ihnen schon die Busfahrkarte zahlen, damit die herkommen."

DPA DPA

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