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Trotz Rettungsplan: Zyperns Banken bleiben geschlossen

Nach Abwendung des Staatsbankrotts sollten Zyperns Banken wieder öffnen. Doch sie bleiben nun doch bis mindestens Mittwoch geschlossen. Die Angst vor einem Ansturm der Kunden scheint groß zu sein.

Nach der dramatischen Rettung Zyperns vor dem Staatsbankrott sollten an diesem Dienstag erstmals nach zehn Tagen die ersten Banken öffnen. Was sich nach Normalisierung anhört, ist für Experten Grund genug, das Chaos zu befürchten - und offenbar hat diese Furcht dazu geführt, die Öffnung der Geldinstitute nochmals hinauszuzögern. Am späten Abend teilte die zyprische Zentralbank mit, dass die Banken bis Mittwoch geschlossen bleiben.

Nur eine knappe Stunde zuvor hatte eine Sprecherin der Zentralbank noch verlauten lassen, die kleinen Genossenschaftsbanken und ausländischen Banken würden am Dienstag ohne Einschränkungen arbeiten können. Sie rief alle Kunden auf, sich so zu verhalten, "als wäre nichts geschehen". Doch darauf scheint man nicht mehr zu vertrauen. Stattdessen könnte es zu einem Ansturm auf die geöffneten Institute kommen. Nach Tagen, an denen die Menschen nur "tröpfchenweise" an ihr Geld kamen, dürfte das Vertrauen in die Banken dahin sein. Nicht wenige werden den Impuls haben, sich schlicht ihr Geld sichern zu wollen.

Am Abend kündigte der zyprische Präsident Nikos Anastasiades aus diesem Grund Einschränkungen des Kapitalverkehrs an. Damit wolle die Zentralbank das Bankensystem der Inselrepublik schützen, sagte er in einer TV-Ansprache. Die Beschränkungen sollen zeitlich begrenzt sein. "Ich versichere Ihnen, dass dies nicht lange dauern wird." Die Maßnahmen sollten stufenweise wieder "abgeschwächt" werden. Details nannte Anastasiades nicht. Erwartet wird, dass Kunden künftig nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und Monat abheben dürfen. Mit den Einschränkungen soll verhindert werden, dass alle Sparer ihr ganzes Geld abziehen.

Marode Großbanken bleiben bis Donnerstag zu

Nach zehntägiger Schließung sollen nach jetzigem Stand am Mittwoch zunächst nur die kleineren Genossenschaftsbanken und die drittgrößte Bank, die Hellenic Bank, wieder öffnen. Auch alle Filialen der ausländischen Banken, wie der griechischen Nationalbank und Alpha Bank werden die Schalter aufmachen. Die Bank of Cyprus und die Laiki Bank, deren Systeme noch "angepasst" werden müssten, werden erst am Donnerstag wieder geöffnet. Dies berichtete der zyprische Staatsrundfunk unter Berufung auf die Zentralbank. Ob sich auch dieser Termin verschiebt, ist bisher unklar.

Schon an diesem Dienstag sollen für die Kapitaltransfers der beiden großen Banken in Kooperation mit der Europäischen Zentralbank (EZB) Einschränkungen definiert werden. Die Laiki Bank soll in eine gute und eine sogenannte Bad Bank geteilt werden. Unklar war zunächst ob und welche Einschränkungen für die Banken gelten werden. Das Limit für Geldautomaten war am Sonntag je nach Bank auf 100 bis 120 Euro reduziert worden.

"Es bleibt ein schmerzlicher Weg"

Zypern droht mit der erzwungenen Banken-Schrumpfung ein langer Wirtschaftseinbruch. Nicht wenige der 860.000 Zyprer fürchten nun Massenarbeitslosigkeit wie in anderen Euro-Krisenstaaten. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy sagte rasche Hilfe zu. "Wir müssen jetzt alle hart arbeiten, um die sozialen Auswirkungen der Krise in Zypern abzumildern." Dazu gehört, dass Einlagen bis zu 100.000 Euro von Zwangsabgaben zur Abwendung des Staatsbankrotts unangetastet bleiben. Stattdessen, so Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stünden nun "auch die in der Verantwortung, die die Probleme mit verursacht haben." Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach von einer fairen Lösung, aber: "Es bleibt ein schmerzlicher Weg für Zypern."

Euro-Länder und Internationaler Währungsfonds (IWF) hatten Zypern in der Nacht zu Montag vor dem Staatsbankrott bewahrt. Sie einigten sich mit der zyprischen Regierung nach einem über zwölfstündigen Verhandlungsmarathon auf ein Hilfsprogramm von 10 Milliarden Euro. Gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes ist es das bisher umfangreichste in der europäischen Schuldenkrise. Die Details des Hilfsprogramms sollen bis Mitte April ausgehandelt sein. Dann wird auch der Bundestag entscheiden. Eine Mehrheit gilt als sicher, da neben der schwarz-gelben Regierungskoalition auch SPD und Grüne Zustimmung signalisierten. Auch Russland will Zypern helfen und Bedingungen für einen 2011 ausgezahlten Kredit von 2,5 Milliarden Euro möglicherweise lockern. Kremlchef Wladimir Putin wies die Regierung in Moskau an, die Bemühungen der Eurogruppe zu unterstützen.

Eurogruppenchef verwirrt die Märkte

Die Märkte atmeten angesichts der Rettung Zyperns kurz auf, ehe Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem mit einer Aussage wieder für ein Abrutschen sorgte. Dijsselbloem hatte in einem Interview mit der "Financial Times" gesagt, die Rettung Zyperns sei ein Modell für andere Krisenstaaten. Dies verunsicherte Investoren, weil in dem Mittelmeerstaat Inhaber von Bankkonten zur Sanierung der Geldhäuser mit Verlusten rechnen müssen. Anleger warfen daher am Montag europaweit und in den USA ihre Finanztitel aus den Portfolios - nicht zuletzt Titel italienischer Banken.

Am Abend fing Dijsselbloem die Märkte wieder halbwegs ein, indem er das Gegenteil betonte. Die Bankenrettung in Zypern sei kein Modell für andere Länder. "Zypern ist ein besonderer Fall mit außergewöhnlichen Herausforderungen." In seiner Mitteilung hieß es weiter: "Makroökonomische Anpassungsprogramme sind für die betroffenen Länder maßgeschneidert und es werden keine Modelle oder Vorlagen genutzt." US-Anleihen legten am Abend zu.

dho/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters