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Tucker Carlson: "Warum f... du dich nicht selbst!" Fox-Moderator rastet bei Interview mit Historiker völlig aus

Der niederländische Historiker Rutger Bregman plädiert dafür, Reiche deutlich stärker zu besteuern. Tucker Carlson, Starmoderator des erzkonservativen US-Senders "Fox News", hat Bregman dazu befragt - bis das Interview eskalierte.

Fox-News-Moderator Tucker Carlson

Ein Interview von Fox-News-Moderator Tucker Carlson mit dem niederländischen Historiker Rutger Bregman eskalierte völlig

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Sein Auftritt in Davos Ende Januar sorgte für Massen von Reaktionen vor allem in den sozialen Medien: Der niederländische Historiker und Autor Rutger Bregman forderte auf dem Weltwirtschaftsforum in der Schweiz mehr Steuern für Reiche und einen stärkeren Kampf gegen Steuerparadiese und Steuerflucht und erhielt dafür viel Beifall. Der erzkonservative Lieblingssender von US-Präsident Donald Trump, "Fox News", lud Bregman daraufhin für die vergangene Woche zu einem Interview mit Starmoderator Tucker Carlson ein. Das lief allerdings völlig anders ab, als Carlson es sich vorgestellt hatte - so anders, dass "Fox News" das Interview nicht einmal veröffentlichte.

Bregman wirft Carlson vor, "gekauft" zu sein

Zunächst verlief das Gespräch locker und entspannt. Bregman wiederholte sein Plädoyer für eine höhere Besteuerung von Reichen. Dann aber kritisierte der Autor des Bestsellers "Utopien für Realisten" Carlson und dessen Sender: Die große Mehrheit der Amerikaner sei Umfragen zufolge schon seit Jahren für eine höhere Besteuerung von Reichen, aber niemand in Davos sage das, genauso wie es niemand auf "Fox News" sage, konstatierte Bregman und lieferte auch gleich seine Erklärung dafür mit: "Die meisten Leute in Davos, aber auch hier auf diesem Kanal, sind von der Milliardärsklasse gekauft worden. Ihr sollt diese Dinge nicht sagen."

Und in Hinblick auf die Familie des australischen Verlegers Rupert Murdoch, dem der Sender gehört, fügte Bregman hinzu: "Was die Murdochs im Grunde von Ihnen erwarten, ist, Einwanderer zu Sündenböcken zu machen, anstatt über Steuerflucht zu sprechen."

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Der mittlerweile merklich angefressene Carlson will daraufhin von seinem Interviewgast wissen, ob er nach dessen Ansicht Anweisungen von Murdoch erhalte. "Nein, so direkt funktioniert das nicht", antwortet Bregman. Aber Carlson sei seit vielen Jahren Mitglied der libertären Denkfabrik Cato Institute, die von den im rechtspopulistischen Lager aktiven Milliardären Charles und David Koch mitfinanziert wird. "Sie haben ihr schmutziges Geld genommen", so Bregman. "Sie sind ein Millionär, der von Milliardären finanziert wird." Carlson sei nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.

Carlson verliert völlig die Fassung

Der "Fox"-Moderator kommt in dem Interview kaum zu Wort, doch am Ende rastet er völlig aus: "Warum fickst du dich nicht selbst, du winziges Gehirn", bepöbelt er Bregman. "Du bist ein Idiot. Ich habe versucht, dir Gehör zu verschaffen, aber du warst zu verdammt nervig."

Bregman bleibt trotz der Beleidigungen ruhig und antwortet grinsend: "Du kannst mit der Kritik nicht umgehen, nicht wahr?".

Im Verlaufe der Auseinandersetzung mit Carlson hatte Bregman Zweifel daran geäußert, dass "Fox News" das Interview überhaupt ausstrahlen werde. Und er sollte recht behalten. Der Sender veröffentlichte die Aufnahmen nicht. "Guten Morgen, Tucker Carlson", schrieb Bregman daraufhin auf Twitter. "Warum haben Sie das Interview mit mir gestern Abend nicht ausgestrahlt? Konnten Sie nicht mit der Kritik umgehen? Ich denke, Sie sollten es einfach zeigen. Und versuchen Sie, der Versuchung zu widerstehen, es zu bearbeiten, ich habe das Ganze aufgenommen - auch den Moment, in dem Sie anfangen, ausgiebig zu fluchen."

Bregman leitete ein Handyvideo des Gesprächs schließlich an die US-Medienwebseite "NowThis" weiter, die es in den sozialen Medien veröffentlichte. Darauf ist zwar nur Bregman zu sehen, Carlsons Stimme ist aber deutlich hörbar.

Nachdem das Interview für immer mehr Wirbel sorgte und auch von anderen Medien aufgegriffen wurde, wandte sich auch Carlson an die Öffentlichkeit: Man habe Bregman zu dem Gespräch eingeladen, um ihm zu seinem Auftritt in Davos zu gratulieren, erklärte der "Fox"-Moderator in einem Video, das er auf seinem Twitter-Kanal postete. Das Gespräch sei auch gut angelaufen, doch dann habe der Niederländer ihm unterstellt, seine Konzernchefs würden ihm vorgeben, was er in der Show zu sagen habe. Das sei zu viel gewesen. Weil er dann zu schimpfen begonnen hätte und das zwar "vollkommen korrekt" gewesen sei, aber im Fernsehen nicht erlaubt, habe man das Interview bedauerlicherweise nicht mehr ausstrahlen können.

Auch Bregman erklärte sich noch einmal auf Twitter:  Er habe das Interview veröffentlicht, weil er meine, dass "wir weiter über den korrumpierenden Einfluss von Geld in der Politik sprechen sollten". Es zeige zudem "wie wütend Eliten werden, wenn man das tut."

Und am Donnerstagnachmittag schickte der Historiker via Twitter noch eine kleine Spitze hinterher. Zu einem Foto, das zeigt, wie Rupert Murdoch auf einem Liegestuhl liegend Bregmans Buch "Utopien für Realisten" liest, schrieb der Niederländer: Vielleicht könnte Rupert sein Exemplar meines Buches jetzt Tucker geben, ich bin mir sicher, er wird es auch lieben."