HOME

Türkei-Einsatz der Bundeswehr: De Maizière bestätigt Missstände und gelobt Besserung

Es knirscht in der Türkei. Bundeswehrsoldaten beklagen die schlechten Bedingungen beim Nato-Partner. Verteidigungsminister Thomas de Maizière glaubt, dass die Missstände bald beseitigt sein werden.

Bei seinem Besuch der in der Türkei stationierten Bundeswehr-Einheiten hat auch Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) Probleme zwischen türkischen und deutschen Soldaten festgestellt. "Natürlich habe auch ich bei meinem Besuch in der Türkei gewisse Probleme wahrgenommen, obwohl ich eher die Schokoladenseite gezeigt bekomme", sagte de Maizière eine Woche nach seiner Stippvisite im osttürkischen Kahramanmaras der "Bild am Sonntag". Es müsse aber beachtet werden, "dass die Traditionen unterschiedlich sind", ergänzte er. Er versprach, dass sich die Bedingungen für den im Januar begonnenen Einsatz bald verbessern.

De Maizière betonte, die Bundeswehr habe zunächst dafür sorgen müssen, dass sie ihren Auftrag erfüllen kann. Jetzt gehe es darum, die Bedingungen zum Beispiel im Sanitärbereich zu verbessern. "Die Türkei hat sich große Mühe gegeben, für gute Unterkunftsbedingungen zu sorgen", sagte er. In Kürze würden neue Unterkünfte fertiggestellt. "Wenn diese neuen Unterkünfte fertig sind, wird sich vieles, was da vorgetragen worden ist, ändern."

In Kahramanmaras, das etwa 100 Kilometer Luftlinie von der syrischen Grenze entfernt liegt, sind seit gut einem Monat rund 300 Soldaten der Bundeswehr stationiert. Sie gehören zu einer Nato-Mission mit Patriot-Raketenabwehr-Systemen, die das Bündnismitglied Türkei vor möglichen Angriffen aus Syrien schützen soll.

Zusammenarbeit mit türkischer Seite "problematisch"

Die Truppe war vor etwa einer Woche auch vom Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), besucht worden. In einem Bericht an den Verteidigungsausschuss des Bundestages beklagte er erhebliche Missstände.

Die Zusammenarbeit mit der türkischen Seite werde "überwiegend als problematisch empfunden", heißt es darin. Zudem sei die türkische Seite "wenig hilfreich". Nach dem Eindruck der Bundeswehrsoldaten werde der Kontakt zwischen deutschen und türkischen Kräften "möglichst unterbunden", schreibt Königshaus in seinem siebenseitigen Bericht weiter. So würden türkische Soldaten durch ihre Vorgesetzten "gemaßregelt", wenn sie Kontakt mit Bundeswehrsoldaten aufnähmen.

Kaltes Essen, keine Klospülung und Hundekadaver auf dem Gelände

In dem Bericht wird auch beklagt, die Verpflegung sei eintönig, in der Regel gebe es nur kaltes Essen. Die Zustände im Sanitärbereich der türkischen Kaserne seien "unhaltbar". Toiletten seien völlig verdreckt, die meisten verfügten nicht über eine Wasserspülung. Hundekadaver auf dem Gelände seien ein weiteres Risiko für die Hygiene.

Feldpost würde über Tage oder sogar Wochen festgehalten, heißt es weiter. Ein Paket für einen deutschen Soldaten sei erst nach viereinhalb Wochen zugestellt worden. Euros müssten zu schlechtem Kurs in privaten Wechselstuben getauscht werden.

mlr/AFP/DPA / DPA