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Festnahmen: Darum warnt das Auswärtige Amt nicht vor Türkei-Reisen

Die Bundesregierung hat ihre Reisehinweise für die Türkei nochmals verschärft. Eine offizielle Reisewarnung spricht das Auswärtige Amt jedoch nicht aus. Das sind die Gründe dafür.

Urlaub in der Türkei ist zwar riskanter geworden, eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gibt es aber nicht (Archiv)

Ein Urlaub in der Türkei ist zwar riskanter geworden, eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für das Land gibt es aber nicht (Archivbild)

Elf Deutsche sitzen nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin in der Türkei aus politischen Gründen im Gefängnis - das sind elf Menschen, die ihren Aufenthalt in dem Land mit ihrer Freiheit bezahlen mussten. Keine Frage: Die Türkei hat sich binnen kurzer Zeit von einem Urlaubsparadies in ein Hochrisikoziel verwandelt, insbesondere für Berufsgruppen wie Menschenrechtler oder Journalisten und für Deutsche mit engen persönlichen Bindungen in die Türkei.

Bereits nach der Verhaftung des Kölner Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner im Juli hatte die Bundesregierung ihre Reisehinweise für das Land verschärft, jetzt legte das Auswärtige Amt noch einmal nach. Es weist nun darauf hin, dass mit nicht nachvollziehbare Inhaftierungen auch in den Touristenregionen der Türkei zu rechnen ist (den genauen Wortlaut der Reisehinweise für die Türkei lesen Sie hier auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes). Weiter steht in dem Text, dass der konsularische Zugang zu Inhaftierten seitens der deutschen Botschaft in einigen Fällen nicht gewährt werde. Deutschen wird zu erhöhter Vorsicht geraten und empfohlen sich in die "Krisenvorsorgeliste der Konsulate und der Botschaft einzutragen". Nach einem enspannten Urlaub klingt das nicht.

Über Türkei-Reise muss jeder für sich entscheiden

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte zur Begründung für die Aktualisierung der Reisehinweise, dass die jüngsten Festnahmen von deutschen Staatsbürgern in der Türkei gezeigt hätten, wie schnell man dort "in die Mühlen der Polizei und Justiz geraten kann".


Die Entscheidung über eine Türkei-Reise könne aber keinem Touristen abgenommen werden - das wäre aber selbst bei einer offiziellen Reisewarnung nicht der Fall: "Da gibt es keinen Automatismus in irgendeiner Art, bei dem das Auswärtige Amt auf einen Knopf drückt, und dann werden alle diese Reisen storniert", sagte ein Sprecher von Gabriels Ministerium zu den Forderungen nach einer offiziellen Reisewarnung für das Land.

Diese gebe es nur für Gebiete, in denen eine "konkrete Gefahr für Leib und Leben" drohe. Zurzeit gilt eine Reisewarnung für sieben Staaten:

  • Afghanistan ("Vor Reisen nach Afghanistan wird gewarnt. Wer dennoch reist, muss sich der Gefährdung durch terroristisch oder kriminell motivierte Gewaltakte einschließlich Entführungen bewusst sein.")
  • Irak ("Grundlage jeder Reise, die entgegen dieser Reisewarnung durchgeführt wird, sollte ein tragfähiges professionelles Sicherheitskonzept sein.")
  • Jemen "Sowohl die politische als auch die Sicherheitslage ist im ganzen Land ausgesprochen volatil. Die Gewährleistung der Sicherheit durch staatliche Behörden ist nicht sichergestellt."
  • Libyen ("Die Lage im ganzen Land ist extrem unübersichtlich und unsicher. Es kommt immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, von denen auch Ausländer betroffen sein können.")
  • Somalia ("Wer sich in Somalia aufhält, muss sich der Gefährdung durch Terroranschläge, Kampfhandlungen, Piraterie sowie kriminell motivierte Gewaltakte bewusst sein.")
  • Syrien ("Die staatlichen Strukturen sind in zahlreichen Orten zerfallen und das allgemeine Gewaltrisiko ist sehr hoch. Persönliche Sicherheit kann in Syrien nicht mehr gewährleistet werden.")
  • Zentralafrikanische Republik ("Im gesamten Land besteht die Gefahr, Opfer von Gewaltkriminalität in Form von Entführungen, Plünderungen und Straßenüberfällen sowie von militärischen Handlungen zu werden.")

Daneben warnt das Auswärtige Amt vor Reisen in viele Teilregionen der Welt.

Reisewarnung gilt zurzeit für sieben Staaten

Deutschen in den betroffenen Ländern werde empfohlen, die Staaten aus Sicherheitsgründen zu verlassen - das ist gegenwärtig in der Türkei nicht der Fall. Die Situation dort werde stetig neu bewertet, sagte der Sprecher.

Eine offizielle Reisewarnung hätte weitreichende Konsequenzen: So können Urlauber in diesem Fall ihre gebuchte Reise meist kostenfrei stornieren - mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Tourismuswirtschaft des betreffenden Landes.

Das Geschäft mit dem lange beliebten Reiseziel Türkei ist jedoch ohnehin rückläufig, wie der Präsident des Deutschen Reiseverbandes, Norbert Fiebig, kürzlich erklärte. Buchungen gingen seit drei Jahren deutlich zurück. Neben Sicherheitsgedanken spiele dabei zusehends eine Rolle, dass Kunden die politische Entwicklung kritisch sehen.


mit AFP- und DPA-Material