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Tunesien: Ergebnisse verzögern sich nach großer Wahlbeteiligung

Die Ergebnisse der historischen Wahl in Tunesien lassen auf sich warten. Die Spannung im Mutterland des "arabischen Frühlings" ist riesig. Vor allem ein möglicher Wahlsieg der islamistischen Ennahdha-Bewegung bewegt die Gemüter.

Nach den ersten freien Wahlen in der Geschichte Tunesiens kann wahrscheinlich erst am Dienstag ein vorläufiges Endergebnis verkündet werden. Die Auszählung der Stimmen habe vielerorts mit erheblicher Verspätung begonnen, berichteten Wahlbeobachter der Europäischen Union am späten Sonntagabend. Hintergrund sei vor allem eine flexible Auslegung der Wahllokal-Öffnungszeiten gewesen. Viele hätten den Andrang im offiziell vorgegebenen Zeitraum nicht bewältigen können, hieß es.

Neun Monate nach dem Sturz von Langzeitherrscher Zine al Abidine Ben Ali waren am Sonntag rund sieben Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, die 217 Mitglieder einer verfassungsgebenden Versammlung bestimmen. Diese soll einen neuen Übergangspräsidenten ernennen und ein Grundgesetz erarbeiten. Für die 217 Sitze in der Versammlung kandidierten insgesamt 11.618 Bewerber.

Über die Wahlbeteiligung gab es am Sonntagabend zunächst nur ungenaue Informationen. Ein Mitarbeiter der Wahlkommission sagte, dass von den 4,1 Millionen registrierten Wahlberechtigten mehr als 90 Prozent abgestimmt hätten. Die nichtregistrierten Tunesier durften aber ebenfalls in speziellen Wahllokalen ihre Stimme abgeben.

Liberale Frauen fürchten Einschränkungen

Sowohl in Tunesien als auch im Ausland wurde die Abstimmung als wichtige Bewährungsprobe für die Revolutionsbewegung in der ganzen arabischen Welt gewertet. Im Januar hatten die Tunesier als erstes Volk in der Region erfolgreich gegen die autoritäre Herrschaft ihrer Führung rebelliert. Das seitdem auch die Ägypter und Libyer ihre Langzeitherrscher stürzten, gilt Tunesien als Mutterland des "arabischen Frühlings".

Mit Spannung wird nun vor allem erwartet, welches politische Lager in der verfassungsgebenden Versammlung die Mehrheit stellen wird. In letzten Umfragen lag die islamistische Ennahdha-Bewegung von Rachid Ghannouchi mit bis zu 30 Prozent der Stimmen klar vorn. Sie war unter Ben Ali verboten und ist in der Bevölkerung stark umstritten. Vor allem liberale Frauen fürchten eine Machtübernahme der Islamisten.

Trotz der Einschränkungen vieler Bürgerrechte galt Tunesien unter Ben Ali als eines der fortschrittlichsten Länder in Nordafrika. In keinem anderen muslimischen Staat der Region hat der weibliche Teil der Bevölkerung so viele Rechte.

DPA / DPA
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