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US-Wahl 2020 Vize-Kandidaten liefern sich TV-Duell: Kamala Harris greift an, Mike Pence weicht aus

Sehen Sie im Video: TV-Debatte der Vize-Kandidaten – sehen Sie die wichtigsten Momente im Video.




In den USA haben sich die Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten in der Nacht zum Donnerstag die erste und einzige Fernsehdebatte geliefert. Gleich zu Beginn des Duells zwischen dem amtierenden republikanischen Vize-Präsidenten Mike Pence und der demokratischen Herausfordererin Kamala Harris stand der Umgang mit der Coronavirus-Pandemie im Mittelpunkt. "Das amerikanische Volk hat miterlebt, was der größte Misserfolg einer Regierung in der Geschichte unseres Landes ist", sagte Harris. Und sie wussten, was vor sich ging und haben es Ihnen nicht gesagt. Können Sie sich vorstellen: wenn Sie am 28. Januar und nicht am 13. März gewusst hätten, was sie wussten. Was Sie hätten tun können, um sich vorzubereiten? Sie wussten es und haben es vertuscht. Der Präsident sagte, es sei ein Schwindel gewesen. Sie haben den Ernst der Sache heruntergespielt." Pence verteidigte die Bemühungen der US-Regierung zur Bekämpfung des Virus, einschließlich Trumps Entscheidung Ende Januar, die Einreise vom Epizentrum der Pandemie in China zu beschränken. "Aber ich möchte, dass das amerikanische Volk weiß, dass Präsident Donald Trump vom ersten Tag an die Gesundheit Amerikas an die erste Stelle gesetzt hat. Bevor es mehr als fünf Fälle in den Vereinigten Staaten gab, alles Menschen, die aus China zurückgekehrt waren, tat Präsident Donald Trump, was kein anderer amerikanischer Präsident je getan hatte - nämlich alle Reisen aus China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, zu unterbrechen." Wenn Trump die Wirtschaft nicht geschlossen hätte, könnten inzwischen 2,2 Millionen Menschen getötet worden sein", sagte Pence. Bei den Themen Gesundheitswesen und Steuererhöhungen ging Harris in die Offensive: Unter anderem griff sie Trump an, weil er als Präsident in den vergangenen Jahren angeblich nur 750 Dollar pro Jahr an Bundeseinkommenssteuern gezahlt habe. Dies sei nur ein weiterer Beleg für Trumps Unehrlichkeit gegenüber dem amerikanischen Volk, das ein Recht habe zu erfahren, auf welcher Grundlage der Präsident seine Entscheidungen treffe. Pence widersprach und erklärte, dass Trump ein Geschäftsmann sei, tausende Arbeitsplätze geschaffen habe und Millionen Dollar an Unternehmenssteuern zahle. Dann lenkte der Vizepräsident das Thema auf die Wirtschafts- und Steuerpolitik und verschärfte den Ton: "Am ersten Tag wird Joe Biden ihre Steuern erhöhen", sagte Pence. Weitere Themen waren Klimawandel, Polizeigewalt und Rassismus, die Ernennung der neuen Richterin für den Obersten Gerichtshof sowie die Durchführung der Wahl. Die Debatte am Mittwoch, bei der sich die Kandidaten mit einer Reihe von politischen Themen befassten, verlief im Gegensatz zur chaotischen Präsidentendebatte der vergangenen Woche geordnet.
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Nachdem das TV-Duell von Donald Trump und Joe Biden im Chaos versank, bekamen die Amerikaner zumindest von ihren Vize-Kandidaten eine geordnetere Debatte geboten. Neue Positionen kamen nicht heraus – aber Mike Pence und Kamala Harris konnten ihre Fähigkeiten zeigen.

In der einzigen TV-Debatte der Vize-Kandidaten vor der US-Präsidentenwahl hat Kandidatin Kamala Harris das Coronavirus zu einem zentralen Thema gemacht. "Das amerikanische Volk ist Zeuge des größten Versagens einer Regierung in der Geschichte unseres Landes geworden", sagte Harris am Mittwoch in Salt Lake City auf einer Bühne mit Vizepräsident Mike Pence. Sie verwies insbesondere auf die Zahl von mehr als 210.000 Corona-Toten in den USA – die höchste Zahl weltweit – und warf der Regierung von US-Präsident Donald Trump vor: "Das amerikanische Volk hat Opfer bringen müssen wegen der Inkompetenz dieser Regierung." Pence konterte mit dem oft auch von Donald Trump vorgebrachten Argument, dass Maßnahmen seiner Regierung Hunderttausende Menschenleben gerettet hätten. Trump habe "vom ersten Tag an" die Gesundheit der US-Bürger an erste Stelle gestellt.

Pence warf Harris im Gegenzug vor, das Vertrauen der Bürger in einen künftigen Corona-Impfstoff zu "untergraben". Die Vizekandidatin des Demokraten Joe Biden hatte zuvor gesagt, sie würde einen neuen Impfstoff sofort nehmen, wenn er von Experten empfohlen würde - aber nicht, wenn er von Trump empfohlen werde. Kritiker werfen dem Präsidenten vor, aus politischen Gründen möglichst schnell einen Impfstoff gegen das Coronavirus zulassen zu wollen. 

Harte Debatte, aber geordneter und höflicher

Harris und Pence debattierten zwar hart – die Debatte verlief aber viel geordneter als das Duell von Trump und Herausforderer Joe Biden, das eine Woche zuvor im Chaos versunken war. Der Auslöser dafür war vor allem, dass Trump immer wieder Biden ins Wort fiel. Die Vize-Kandidaten unterbrachen einander kaum – auch weil Harris zwei Anläufe von Pence mit einem resoluten "Mr. Vizepräsident, jetzt rede ich" unterband. Dafür überzog Pence immer wieder die ihm zugeteilte Zeit. Er ließ sich auch von der Moderatorin – der Journalistin Susan Page von der Zeitung "USA Today" – nicht stoppen und redete einfach weiter.

Pence fiel auch damit auf, dass er mehrfach einfach die Fragen ignorierte und stattdessen die Botschaften platzierte, die er unterbringen wollte. So redete er bei einer Frage nach der Position zu Abtreibungen zunächst einmal darüber weiter, wie die Trump-Regierung Irans Top-General Ghassem Soleimani mit einem Raketenangriff getötet hatte.

Beide Kandidaten wichen der Frage aus, wie ihre Absprachen mit den jeweiligen Präsidentschaftsanwärtern für eine Machtübergabe sind. Es ist ein wichtiger Punkt: Trump ist 74 Jahre alt und an Covid-19 erkrankt, Biden ist 77. Jeder der beiden wäre bei Amtsantritt im Januar 2021 der älteste Präsident in der US-Geschichte. Moderatorin Page hakte nicht nach. Sowohl der 61-jährige Pence als auch die 55-jährige Harris werden zudem als mögliche Präsidentschaftskandidaten bei der nächsten Wahl 2024 gehandelt. 

Klimawandel und Steuern Thema

Genauso wenig beantwortete Harris die von Pence gestellte Frage, ob Biden und die Demokraten im Falle ihres Wahlsiegs und der Rückeroberung der Mehrheit im Senat das Oberste Gericht vergrößern würden. Die Republikaner versuchen gerade, die Juristin Amy Coney Barrett in das höchste US-Gericht zu bringen. Sie würde eine konservative Mehrheit im Gericht zementieren. Pence ging nicht darauf ein, ob Trump und er eine Wahlniederlage akzeptieren würden. "Ich denke, wir werden diese Wahl gewinnen", sagte der Vizepräsident. Trump liegt in landesweiten Umfragen deutlich hinter Biden zurück.

Harris betonte, dass Biden als Präsident die Steuerreform von Trump rückgängig machen würde. Pence erklärte daraufhin, dass dies Steuererhöhungen für die Wähler bedeuten würde. Harris versicherte: "Joe Biden wird für niemanden die Steuern erhöhen, der weniger als 400.000 Dollar im Jahr verdient." Harris sagte auch, dass eine Biden-Regierung "mit Stolz" wieder dem Pariser Klimaschutz-Abkommen beitreten würde.

Pence wich unterdessen der direkten Frage aus, ob er den Klimawandel für eine existenzielle Bedrohung halte. "Das Klima ändert sich, wir werden der Wissenschaft folgen", sagte er. Harris bezeichnete den Klimawandel als "eine existenzielle Bedrohung für uns als Menschen". 

Duell hinter Plexiglas

Pence griff mehrfach die politische Vergangenheit von Joe Biden als Vizepräsident von Barack Obama und US-Senator an. Unter anderem hielt er ihm vor, dass Jobs an China verloren gegangen seien und dass die Gesundheitsreform von Obama versagt habe.

Harris (55) und Pence (61) bestritten ihr rund 90-minütiges Duell auf etwa 3,7 Metern Distanz zueinander und zusätzlich getrennt von Plexiglasscheiben. Für die wenigen Zuschauer der Debatte vor Ort galt eine Maskenpflicht.

Das einzige TV-Duell der Vize-Kandidaten wurde mit besonderer Spannung erwartet, nicht nur wegen der chaotischen Debatte zwischen Biden und Trump, in der wenig Raum für politische Inhalte geblieben war. Wegen Trumps Corona-Infektion ist derzeit unklar, ob die beiden weiteren geplanten Fernsehdebatten zwischen dem Präsidenten und seinem Rivalen stattfinden werden. Geplant sind diese bislang für den 15. Oktober und den 22. Oktober. Biden hat die Duelle aber vom weiteren Verlauf von Trumps Infektion abhängig gemacht.

rw / Eric Baradat DPA AFP

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