UKRAINE Kampfjet stürzt bei Flugschau in Zuschauermenge


Mindestens 78 Menschen sind beim Absturz eines Kampfjets in eine Zuschauermenge bei einer Flugschau in der ukrainischen Stadt Lwiw (Lemberg) ums Leben gekommen.

Die Ukraine hat am Montag mit einem Staatstrauertag der 83 Todesopfer der Flugschau-Katastrophe von Lwiw (Lemberg) gedacht. Landesweit waren die Flaggen auf Halbmast gehisst oder mit Trauerflor verziert. Am Flughafen Skniliw war für den Vormittag eine Gedenkfeier geplant. Dort war am Samstag ein Kampfflugzeug vom Typ Suchoi Su-27 bei einem Tiefflugmanöver außer Kontrolle geraten und in die Zuschauermenge abgestürzt. Unter den Toten waren nach neuesten Angaben 23 Kinder.

Zahl der Opfer nimmt weiter zu

Ein Sprecher des Ministeriums für Katastrophenschutz teilte fast stündlich neue Opferzahlen mit und sagte am Abend: »Ich hoffe, dies sind die letzten Zahlen, aber ich bin mir nicht sicher.« Unter den Toten seien auch sieben Kinder. Fernsehbilder zeigten blutende Menschen, die in Panik auf dem Gelände umher irrten. Es waren Kinder mit blutenden Wunden zu sehen, über Lautsprecher wurden Eltern aufgefordert, ihre Kinder abzuholen. »Beim Flugzeug waren auch Leichenteile zu sehen«, berichtete ein Fernsehmitarbeiter. Zahlreiche Helfer waren im Einsatz, um die Verletzten zu versorgen und in die Krankenhäuser zu bringen.

»Hände und Füße flogen um uns herum«

Im Durcheinander nach dem Absturz rannten Eltern umher und schrien verzweifelt nach ihren Kindern. Einer der Zuschauer sagte, er habe nur sein Kind geschnappt und es festgehalten. »Wir wurden weggeschleudert, und Hände und Füße flogen um uns herum«, berichtete der Mann. Wie sein Kind wurde er am Rücken verletzt. Einer der Helfer sagte: »Das Feuer ist gelöscht, doch es gibt viel Blut.« Die Verletzten wurden auf mehrere Krankenhäuser verteilt, darunter auch eine Spezialklinik für Kinder.

Maschine streifte den Boden und stürzte ab

Die beiden Piloten des Kampfflugzeugs vom Typ SU-27 hatten nach Angaben der Armee bei der Show schwierige Flugmanöver ausgeführt. Bei einem Dreh-Manöver im Sinkflug dicht über dem Boden verloren die Piloten dann offensichtlich die Kontrolle über ihre Maschine. Der Kampfjet streifte mit seinem linken Flügel den Boden und explodierte, wie auf Fernsehbildern zu sehen war, in einem gewaltigen Feuerball auf dem Gelände des Luftwaffenstützpunkts Skniliw, nahe der Grenze zu Polen.

Piloten konnten sich offenbar im Schleudersitz retten

Bei dem Absturz wurde Fernsehbildern zufolge auch ein weiteres Flugzeug, eine am Boden stehende Frachtmaschine des russischen Typs Iljuschin, beschädigt. Zu sehen war der weit aufgerissene Bug des Flugzeugs. Unklar war, ob sich beide Piloten, wie zunächst berichtet worden war, mit dem Schleudersitz hatten retten können. Zu sehen war, wie einer der Piloten von Helfern weggeführt wurde.

Erinnerungen an Ramstein

Das Unglück vom Samstag erinnerte stark an die Flugshow- Katastrophe von Ramstein bei Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz. Damals, am 28. August 1988, war einer der Jets der italienischen Militär-Kunstflug-Staffel »Frecce Tricolori« nach einer Kollision mit zwei anderen Maschinen in der Luft in die Zuschauer-Menge gestürzt und explodiert. Zahlreiche Menschen wurden sofort getötet, andere erlitten schwerste Brandverletzungen. Insgesamt starben 70 Menschen.

Hintergrund: Katastrophen bei Flugschauen

Bei Luftfahrtschauen ist es in den vergangenen 50 Jahren in vielen Ländern wiederholt zu schweren Unglücken mit Todesopfern gekommen. Das bisher schwerste Unglück ereignete sich in Deutschland: 70 Menschen verloren durch den Absturz von drei italienischen Düsenjägern auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein im August 1988 ihr Leben. Mehr als 300 Besucher der Luftschau nahe Kaiserslautern wurden verletzt. Seit der Katastrophe darf es in der Bundesrepublik keine militärischen Kunstflüge bei derartigen Veranstaltungen mehr geben.

26. Juli 1997 Bel

gien - Während einer internationalen Flugschau in Ostende stürzt bei einem Looping ein Doppeldecker der »Royal Jordanian Falcons« vom Typ XT-300 ab und geht in Flammen auf. 9 Menschen - der Pilot und 8 Zuschauer - kommen ums Leben, 57 Menschen werden verletzt. Als Unglücksursache wird ein Pilotenfehler vermutet.

09. Mai 1993 Russland

- Bei den Feiern zum 48. Jahrestag des Kriegsendes stürzt in Nischni Tagil im Ural bei einer Flugschau eine Sportmaschine vom Typ Jak-52 ab. Mindestens 18 Menschen werden getötet, ebenso viele zum Teil schwer verletzt. 22. Oktober 1989 Ecuador - 10 Menschen sterben, als ein ecuadorianisches Kampfflugzeug vom britischen Typ Jaguar während einer Flugschau in der Hafenstadt Guayaquil auf Wohnhäuser stürzt. 7 Hausbewohner erleiden schwere Brandverletzungen.

28. August 1988 Deutschland

- Drei Düsenflugzeuge der italienischen Kunstflugstaffel »Frecce Tricolori« prallen während einer Flugschau auf dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Ramstein aufeinander, fangen Feuer und stürzten in die Zuschauermenge. Die 3 Piloten und 31 Besucher sterben. In den folgenden Wochen erliegen noch 36 der 388 Verletzten ihren schweren Verletzungen. Als Ursache der Katastrophe gilt menschliches Versagen.

23. Mai 1983 Deutschland

- 6 Mitglieder einer Pfarrerfamilie verbrennen in ihrem Auto, als ein kanadischer Düsenjäger während einer Flugschau auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen abstürzt und auf der Autobahn das Fahrzeug der Familie trifft. Der Pilot kann sich mit dem Schleudersitz retten.

11. September 1982 Deutschland

- Alle 46 Insassen eines US- Militärhubschraubers vom Typ Giant Chinook CH 47 kommen ums Leben, als der Hubschrauber mit Fallschirmspringern aus Frankreich, England und Deutschland während der Mannheimer »Internationalen Luftschiffertage« auf die Autobahn Mannheim-Heidelberg stürzt.

05. September 1982 Deutschland

- Bei einer Kunstflugvorführung in Bad Dürkheim werden 5 Zuschauer durch einen abgestürzten amerikanischen Doppeldecker getötet. Der Pilot wird schwer verletzt.

03. Juni 1973 Frankreich

- Ein sowjetischer Überschallflieger vom Typ »TU 144« explodiert bei einer Vorführung auf einer Luftfahrtmesse in Paris und stürzt auf ein Dorf; 14 Menschen verlieren ihr Leben.

24. September 1972 USA

- Ein brennender Düsenjäger stürzt auf eine Eisdiele in Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien: 22 Menschen, darunter 10 Kinder, sterben. Der Pilot trägt leichte Verletzungen davon. Er war kurz nach dem Start auf einer Flugschau mit seiner Maschine ins Trudeln geraten.

19. Juni 1965 Frankreich

- Während der internationalen Luftfahrtschau auf dem Pariser Flughafen Le Bourget verpasst ein Prototyp des italienischen Kampfflugzeugs Fiat G-91 die Landebahn. Auf einem Parkplatz am Rande der Piste zerstört er etwa 50 dort geparkte Autos. 9 Menschen kommen ums Leben, 12 werden schwer verletzt.

06. September 1952 Großbritannien

- 65 Menschen verlieren ihr Leben, als ein britischer Düsenjäger explodiert und in die Besuchermenge auf der Flugschau im englischen Farnborough stürzt. Nach kurzer Pause setzen die Veranstalter das Programm fort.


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