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Ukraine-Konflikt Kiew zieht 100.000 Reservisten ein


Die Kämpfe in der Ostukraine halten an. Die Regierung in Kiew hat deshalb entschieden, bis zu 100.000 Reservisten einzuberufen.

Angesichts der fortdauernden Kämpfe mit den Rebellen ziehen die ukrainischen Streitkräfte 50.000 weitere Reservisten ein. Die Mobilmachung dauere 90 Tage, und es folgten noch zwei weitere Einziehungswellen, so dass insgesamt 104.000 Soldaten eingesetzt werden könnten, teilte die Regierung in Kiew mit. Mit einem Einzugsbefehl müssen demnach alle Männer mit militärischer Ausbildung rechnen - vom Panzerfahrer bis zum Fallschirmjäger. Die Lage in der Ostukraine bleibt äußerst angespannt. Die Separatisten meldeten, in ihrer Hochburg Donezk sei ein Artilleriegeschoss an einer Bushaltestelle eingeschlagen, auch Geschäfte seien getroffen worden. Zwei Zivilisten seien dabei getötet und acht weitere schwer verletzt worden.

In der zweiten Rebellenhochburg, der Region Lugansk, schlug eine Granate der Rebellen in einem Wohnhaus in der Stadt Schtschastie ein. Mehre Menschen seinen verletzt und rund 30 Wohnungen beschädigt worden, teilte der Kiew-treue Gouverneur mit. Nach Angaben eines Militärsprechers wurden seit Montag 19 ukrainische Soldaten durch Rebellenbeschuss verletzt. Die Kämpfe am Flughafen von Donezk seien inzwischen etwas abgeflaut. "Die ukrainischen Streitkräfte haben die Stellungen der Rebellen zerstört", sagte der Militärsprecher. Nun würden die Separatisten von zurückgezogenen Posten nicht mehr direkt auf die Soldaten am Flughafen schießen, sondern auf ukrainische Artilleriestellungen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) lud indes seine Kollegen aus der Ukraine, Russland und Frankreich für Mittwoch erneut nach Berlin ein, um über Lösungen für den Konflikt in der Ostukraine zu beraten. "Mit dem Aufflammen neuer Kämpfe in der Ostukraine in den letzten Tagen gibt es wieder eine bedrohliche Lage", erklärte Steinmeier in Berlin. Die Außenminister Russlands, Sergej Lawrow, und der Ukraine, Pawlo Klimkin, hätten ihn um die Einladung zu einem erneuten Gespräch mit ihm und Frankreichs Ressortchef Laurent Fabius gebeten.

Bereits in der vergangenen Woche hatten die vier Außenminister in Berlin beraten, dabei aber keine Fortschritte erzielt. "Es geht jetzt vor allem darum, eine weitere Verschärfung der militärischen Auseinandersetzungen und dann auch eine erneute politische Eskalation zwischen Kiew und Moskau zu verhindern", sagte Steinmeier zu dem Treffen, das im Gästehaus des Auswärtigen Amtes, der Villa Borsig, stattfinden soll."Wir haben in den letzten Tagen intensiv miteinander gesprochen, um in der schwieriger werdenden Lage nach politischen Kompromissen zu suchen", sagte Steinmeier weiter. Den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und prorussischen Aufständischen in der Ostukraine sind seit April mehr als 4800 Menschen zum Opfer gefallen. Allen internationalen Friedensbemühungen zum Trotz waren die Kämpfe in den vergangenen Tagen ein weiteres Mal aufgeflammt.

she/AFP AFP

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