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Ukraine-Krise: Separatisten feuern Raketen auf Flüchtlingskonvoi

Die Kämpfe in der Ostukraine gehen trotz der Vermittlungsinitiative in Berlin weiter. Kiew beschuldigt prorussische Separatisten, fliehende Zivilisten mit Raketen beschossen zu haben.

Beim Beschuss eines Flüchtlingskonvois durch prorussische Separatisten im Osten der Ukraine sind nach Angaben eines ukrainischen Armeesprechers "zahlreiche" Menschen getötet worden. Die Rebellen hätten den Konvoi nahe Lugansk mit Grad-Raketenwerfern beschossen, erklärte der Armeesprecher. "Viele Zivilisten" seien getötet worden, darunter Frauen und Kinder.

Der Konvoi sei dort in einem humanitären Korridor unterwegs gewesen, über den in zwei Tagen bereits mehr als 1800 Menschen aus Lugansk flohen. Die ukrainischen Streitkräfte hätten Chriaschtschuwate zurückerobert, doch bei einem Gegenangriff der Rebellen seien die Flüchtlinge Lyssenko "mitten in die Kampfzone" geraten, sagte der Sprecher.

Die Separatisten in Donezk sagten, sie hätten keine Informationen zu dem Fall. In anderen Veröffentlichungen der Rebellen hieß es aber, Soldaten und Separatisten hätten sich an der Fahrtroute des Busses mit schwerer Artillerie beschossen.

Ukrainische Armee rückt vor

Die ukrainische Armee hatte zuvor im Osten des Landes nach eigenen Angaben weitere Gebiete von den prorussischen Separatisten zurückerobert. Ukrainische Soldaten hätten einen Belagerungsring um die von Rebellen besetzte Stadt Horliwka gezogen und einige kleinere Siedlungen übernommen, erklärte das Militär am Montag. Horliwka mit seinen mehr als 230.000 Einwohnern ist strategisch wichtig, weil es an der Hauptverbindungsstraße zwischen Donezk und Luhansk liegt. Diese beiden Großstädte sind noch in der Hand der Separatisten, allerdings haben Regierungstruppen Luhansk von der Außenwelt und der Versorgung weitgehend abgeriegelt und auch in der Stadt schon einige wichtigte Stellungen wieder eingenommen.

Nahe dem Dorf Nowokateriniwka südöstlich von Donezk feuerten die Aufständischen offenbar mit dem russischen Raketensystem Uragan auf die Soldaten, wie das Militär erklärte. Es sei das erste Mal, dass bei den Kämpfen solch schlagkräftige Raketenwerfer eingesetzt worden seien. Zu Opfern machten weder die Armee noch die Rebellen Angaben.

"Die Siedlungen Malaja Iwaniwka und Andrianiwka sind komplett gesäubert (von Rebellen)", erklärte das ukrainische Militär. "Der Weiler Altschewsk ist völlig abgeschnitten, Horliwka komplett blockiert". Die Aufständischen versuchten, aus den Ortschaften zu fliehen.

Lawrow fordert "uneingeschränkte Waffenruhe"

Der russische Außenminister Sergej Lawrow dringt nach dem Berliner Krisentreffen auf baldige erneute Gespräche über den Ukraine-Konflikt. Es sei bedauerlich, dass bei den Verhandlungen keine Einigung über eine Feuerpause erzielt worden sei, sagte Lawrow russischen Agenturen zufolge am Montag in Berlin. "Wir wollen eine uneingeschränkte Waffenruhe, aber die ukrainischen Kollegen rücken von ihren Bedingungen leider nicht ab", betonte er.

Lawrow schloss nicht aus, dass bei einem künftigen Treffen auch eine Vereinbarung unterzeichnet werden könnte. Solange jedoch die Führung in Kiew den Konflikt militärisch lösen wolle, hätten solche Gespräche keinen Sinn. Russlands Chefdiplomat warnte vor Waffenlieferungen des Westens an die Ukraine. Dies würde allen Abmachungen widersprechen.

Mit Nachdruck wies Lawrow erneut Vorwürfe der prowestlichen Führung in Kiew zurück, russisches Kriegsgerät würde illegal auf ukrainisches Territorium gebracht werden. Berichte über einen angeblich von der ukrainischen Armee zerstörten russischen Militärkonvoi seien "reine Fiktion". Er räumte aber eine hohe Konzentration russischer Truppen an der ukrainischen Grenze ein. Dies diene allein der Sicherheit. "Wenige Kilometer von dieser Grenze entfernt findet ein Krieg mit Artillerie, Luftwaffe und möglicherweise ballistischen Raketen statt. Da kann man nicht vorsichtig genug sein", sagte Lawrow.

Einigung sei in Berlin über den russischen Hilfskonvoi für die Ostukraine erzielt worden, meinte Moskaus Außenminister. Alle Probleme mit der Führung in Kiew und dem Roten Kreuz seien gelöst. "Ich rechne damit, dass diese Hilfe schon in allernächster Zukunft dort ankommt, wo sie gebraucht wird", unterstrich Lawrow.

mka/DPA/Reuters / DPA / Reuters