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Nato-Beitritt Ukraine Poroschenko will das Volk entscheiden lassen


Ein Nato-Beitritt der Ukraine ist das Ziel der Führung in Kiew. Präsident Poroschenko will das Volk darüber entscheiden lassen. Unterstützung für den West-Kurs der Ex-Sowjetrepublik kommt aus Litauen.

Die ukrainischen Bürger sollen trotz russischer Kritik über einen möglichen Nato-Beitritt ihres krisengeschüttelten Landes entscheiden. Er wolle innerhalb von sechs Jahren ein Referendum darüber abhalten, sagte Präsident Petro Poroschenko in Kiew. Bis dahin sollten Kriterien für eine Aufnahme in das westliche Militärbündnis erfüllt sein, sagte er bei einem Treffen mit der litauischen Präsidentin Dalia Grybauskaite. Diese sagte der Ukraine Unterstützung bei ihrem Westkurs und eine engere militärische Zusammenarbeit zu, wie das Präsidialamt in Kiew mitteilte.

Ein Nato-Beitritt ist auch in einem Koalitionsvertrag von fünf prowestlichen Parteien in Kiew als Ziel festgeschrieben. Die Nato hat erklärt, dass die Türen grundsätzlich offen stünden, allerdings gilt eine Aufnahme wegen ungelöster Gebietskonflikte als unwahrscheinlich. Russland sieht in den Plänen des Nachbarlandes eine Bedrohung seiner Sicherheit.

Lieferung von Armeetechnik

"Die Ukraine erhält jede Hilfe, die wir bereitstellen können", sagte Grybauskaite. Sie rief die Ukraine zu konkreten Reformen für ihren von Russland kritisierten Westkurs auf. Poroschenko teilte mit, er habe sich mit der Präsidentin auf die Lieferung von Armeetechnik an die Ukraine geeinigt. Details nannte er nicht.

In der Nähe des umkämpften Flughafens der Separatistenhochburg Donezk wurde ein britischer TV-Journalist bei einer Minenexplosion verletzt, wie russische Medien berichteten. Der Mann war für den russischen Sender RT im Krisengebiet Ostukraine. Die Behörden in Kiew und die Aufständischen berichteten von Gefechten. Dabei seien mindestens drei Soldaten getötet worden, teilte der Nationale Sicherheitsrat mit.

MH17-Trümmer in Charkow eingetroffen

Trümmer des in der Ostukraine verunglückten Passagierflugzeugs MH17 trafen in der Großstadt Charkow ein, die von Regierungstruppen kontrolliert wird. Sie sollen in den kommenden Tagen für weitere Untersuchungen in die Niederlande transportiert werden. Die meisten der 298 Opfer des Flugzeugunglücks waren Niederländer. Die Ukraine wirft den Separatisten vor, die Maschine am 17. Juli mit einer russischen Rakete abgeschossen zu haben. Russland weist dies zurück.

Westliche Sanktionen wegen der Ukraine-Krise setzen Russlands Wirtschaft und Staatshaushalt stark unter Druck. Auf 40 Milliarden Dollar (32 Milliarden Euro) schätzte Finanzminister Anton Siluanow in Moskau den Verlust allein in diesem Jahr. Der Schaden durch den seit Monaten fallenden Ölpreis liege zudem bei bis zu 100 Milliarden Dollar, sagte er. Russlands Jahresetat hängt fast zur Hälfte vom Verkauf von Energierohstoffen ab.

Der ukrainische Energieminister Juri Prodan beklagte, dass Moskau keine Kohle mehr an Kiew liefere. Dies führe zu erheblichen Engpässen im Energiesektor, erklärte er.

yps/DPA DPA

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