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Ukraine – die Lage "Angriff in Mariupol zeigt veränderte Kriegsführung": Militärexperte sieht Strategiewechsel der Russen

Die Treppe zu einem Prachtbau ist mit Trümmern bedeckt, die leeren Fensterhöhlen des Gebäudes sind russgeschwärzt
© Uncredited/Azov Battalion/AP / DPA
Die Bombardierung des Theaters in der belagerten Stadt Mariupol zeigt nach Einschätzung des Militärexperten Carlo Masala den Strategiewechsel der russischen Streitkräfte in der Ukraine. Warum, erklärt er im stern-Podcast "Ukraine – die Lage".

Die Bombardierung des Theaters in der belagerten Stadt Mariupol zeigt nach Einschätzung des Militärexperten Carlo Masala den Strategiewechsel der russischen Streitkräfte in der Ukraine. Im stern-Podcast "Ukraine – die Lage" sagte Masala am Freitag: "Dieser Angriff steht symbolisch für die veränderte Kriegsführung seit mehr als einer Woche, nämlich keinen Unterschied mehr zu machen zwischen militärischen und zivilen Zielen und auf maximale Zerstörung der angegriffenen Ortschaften abzuzielen." In dem Theater hatten viele hundert Zivilisten Schutz gesucht. Dass solche Ziele attackiert werden, führte Masala zurück auf "das Stocken und das Scheitern der ursprünglichen russischen Idee" – nämlich mit einem schnellen Vormarsch die Kontrolle in der Ukraine zu übernehmen.

Der Politikprofessor der Bundesuniversität München sagte weiter, es sei den ukrainischen Truppen am Donnerstag gelungen, russische Truppen zurückzudrängen. Dies sei "kein Wendepunkt, aber schon erstaunlich, dass dies jetzt möglich ist".

Chance auf Friedensschluss für Ukraine "relativ groß"

Angesichts der russischen Schwierigkeiten und des Leids und der Zerstörung in der Ukraine wäre eigentlich die Chance für einen Friedensschluss relativ groß. Er sei aber wegen der Haltung des russischen Präsidenten Wladimir Putin skeptisch. Der "Faktor Putin" sei unberechenbar.

Es könne jedoch sein, dass die chinesische Führung Druck auf ihn ausüben werde, einer Verhandlungslösung zuzustimmen. Masala verwies dazu auf Berichte im chinesischen Staatsfernsehen über russische Kriegsverbrechen. Noch vor wenigen Tagen sei bei Gesprächen von US-Vertretern mit der chinesischen Seite nicht erkennbar gewesen, dass China Einfluss auf Putin ausüben wolle. Er sehe eine "Veränderung der chinesischen Position in den letzten zwei Tagen". Am Freitag wollte US-Präsident Joe Biden mit Chinas Präsident Xi Jinping telefonieren.

tkr

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