UN-Vollversammlung Dialog statt Kampf der Kulturen


Während der UN-Vollversammlung haben sowohl Italien, als auch Zypern und Israel einen Dialog der Kulturen und internationale Zusammenarbeit gefordert. Allerdings fielen die Forderungen Israels vehementer aus als die Italiens.

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat seinen Konflikt mit den USA mit einer emotionalen Rede vor der UN-Vollversammlung weiter vertieft. Er bezeichnete den US-Präsidenten am Mittwoch in New York als Teufel und warf ihm vor, die Menschen auf der Welt beherrschen und auszubeuten zu wollen. "Der Teufel war gestern hier", sagte Chávez mit Blick auf Bushs Auftritt vor der UN-Vollversammlung am Vortag. Das Podium der Versammlung rieche immer noch nach Schwefel, sagte Chávez unter vereinzeltem Applaus, aber auch Gelächter. "Er kam hierher und redete, als ob ihm die Welt gehört."

Einem Staatsoberhaupt unwürdig

Das System der Vereinten Nationen bezeichnete Chávez als undemokratisch. Insbesondere kritisierte er das Vetorecht der USA im Sicherheitsrat. US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte, die Äußerungen von Chávez seien unpassend für ein Staatsoberhaupt. Die US-Delegation blieb der Rede fern. Lediglich ein Protokollant war anwesend. Dies sei bei Ansprachen "von solchen Regierungen" üblich, sagte der amerikanische UN-Botschafter John Bolton.

Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi rief vor der Vollversammlung zu einem Dialog zwischen Europa und dem Nahen Osten auf. Italien liege in der Störungszone zwischen beiden Regionen und werde daher auf einen engen Meinungsaustausch hinwirken, sagte Prodi am Mittwoch in New York. Es gebe nicht nur eine islamische Welt, sondern "hundert oder mehr islamische Welten".

Zum Widerstand gegen den Iran rief die israelische Außenministerin Zipi Livni die internationale Gemeinschaft auf. "Es gibt keine größere Herausforderung für unsere Werte als die durch die iranischen Führer", sagte Livni am Mittwoch vor der UN-Vollversammlung. Diese prahlten öffentlich mit ihrem Wunsch, Israel von der Landkarte zu tilgen. Die iranische Führung strebe die Entwicklung von Waffen zur Vernichtung Israels an und bedrohe die gesamte Welt, sagte Livni.

Zypern fordert Anerkennung

Der zyprische Präsident Tassos Papadopoulos rief die Türkei zur Anerkennung der Inselrepublik auf. Andernfalls sei ein EU-Beitritt der Türkei undenkbar, sagte Papadopoulos vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Zypern wolle einem türkischen EU-Beitritt nicht im Wege stehen, erklärte Papadopoulos und fügte hinzu: "Wir unterstützen entschieden die Europa-Orientierung der Türkei." Dabei müsse die Regierung in Ankara aber ihre Verpflichtungen gegenüber der Europäischen Union und damit auch gegenüber Zypern erfüllen.

Hier geht es vor allem um die Umsetzung eines Zollabkommens zwischen der EU und der Türkei, das die Öffnung der türkischen Häfen für Schiffe aus Zypern verlangt. Zypern ist seit der Invasion türkischer Truppen im Norden der Mittelmeerinsel geteilt. Das 1974 in Nordzypern errichtete Staatswesen wird international nicht anerkannt, die auf die Mitte und den Süden der Insel zurückgedrängte Republik Zypern steht in enger Verbindung zu Griechenland.

AP AP

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