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Unruhen: Massenflucht aus dem Tschad

Auch wenn die Rebellen im Tschad die von ihnen eingenommene Hauptstadt wieder verlassen haben, spitzt sich die Lage in dem Land zu. Ausländer flüchten in Scharen, die Lebensmittel werden knapp. Nun droht der tschadische Außenminister dem Sudan mit einem Einmarsch.

Heftige Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen um die tschadische Hauptstadt N'Djamena haben eine Massenflucht in das nahe Nachbarland Kamerun ausgelöst. Am Wochenende hatte die tschadische Regierung Angriffe der Rebellen auf den Präsidentenpalast mit Einsatz von Panzern und Kampfhubschraubern zurückgeschlagen. Die Rebellen warfen den Franzosen vor, den Einsatz der Kampfhubschrauber von dem von ihnen kontrollierten Flughafen aus zugelassen zu haben. Die französischen Streitkräfte sicherten den Flughafen, um Ausländer auszufliegen. Darunter waren auch Deutsche, die sich in der Deutschen Botschaft in Sicherheit gebracht hatten.

Der tschadische Außenminister Ahmat Allam-Mi drohte dem Nachbarland Sudan wegen seiner Unterstützung der Rebellen mit einer Militärintervention. "Wir werden in den Sudan gehen, wenn das für die Sicherheit des Tschads nötig ist", sagte Allam-Mi dem französischen Sender RFI. Der Staat wirft dem Sudan vor, die Rebellen ausgerüstet und bei einem Angriff auf die osttschadische Stadt Adré mit Hubschraubern unterstützt zu haben. Der Sudan weist dies zurück. Die französischen Streitkräfte erklärten, sie hätten keine Hubschraubereinsätze beobachtet.

881 Menschen wurden nach Angaben des Pariser Außenministeriums nach Libreville in Gabun ausgeflogen. Rund 570 seien weiter nach Paris gebracht worden; 200 Menschen befänden sich noch in französischer Obhut in N'Djamena. Hunderte Zivilisten waren am Wochenende zwischen die Fronten geraten und verwundet worden. Da die Kämpfe jetzt abflauten, nutzten Tausende dies zur Flucht über den Grenzfluss nach Kamerun.

Bei den 400.000 Flüchtlingen im Osten des Landes ist die Versorgung mit Lebensmitteln zunehmend gefährdet. Beim Welternährungsprogramm (WFP) hieß es, wenn sich die Lage im Tschad nicht schnell beruhige, könne der Nachschub für die Flüchtlinge beeinträchtigt werden. Das WFP unterstützt dort 235.000 Flüchtlinge aus dem Sudan, 150.000 tschadische Vertriebene sowie 46 000 zentralafrikanische Flüchtlinge. Mehrere Hilfsorganisationen zogen ihre Helfer wegen der Kämpfe ganz oder teilweise aus N'Djamena ab.

Die Europäische Union will eine 3700 Mann starke Truppe EUFOR zum Schutz der Flüchtlinge bereitstellen. Wegen der Kämpfe wurde die Entsendung aufgeschoben. EU-Chefdiplomat Javier Solana machte aber klar, dass Brüssel an der EUFOR festhält. Die Lage beweise "die Notwendigkeit einer solchen Operation", sagte Solana. Der irische EUFOR-Kommandeur General Pat Nash hatte gesagt, dass die EU-Truppe sich nicht in den tschadischen Bürgerkrieg einmischen werde. Sie werde aber auf Rebellen schießen, falls diese Helfer oder Flüchtlinge angriffen. "Es geht darum, Vertriebene zu schützen", sagte Solana. Frankreich stellt mit rund 2000 Soldaten das größte EUFOR-Kontingent. Deutschland ist vor Ort nicht beteiligt.

Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin sagte dem "Figaro", Paris sei bereit, mit einem Mandat der UN auf Seiten der Regierung in den Bürgerkrieg im Tschad einzugreifen. Der UN-Sicherheitsrat konnte sich zuletzt noch nicht darauf einigen, wollte aber nun erneut zusammentreten. Außenminister Bernard Kouchner erklärte, auch ein Mandat der Afrikanischen Union könne die Lage ändern. Paris unterstützte auch die Vermittlungsbemühungen Libyens im Namen der Afrikanischen Union. Algerien rief die Konfliktparteien auf, sich zu versöhnen, und verurteilt jeden "verfassungswidrigen Regierungswechsel".

DPA / DPA