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US-Außenminister in Peking China und USA zanken sich um Nordkorea


Nordkorea bringt seine Raketen in Stellung. Die Frage lautet: Wer kann das Regime in Pjöngjang besänftigen? Die USA meinen, China ist perfekt geeignet dafür. In Peking sieht man die Sache ganz anders.

In der Eskalation mit Nordkorea sehen China und die USA jeweils den anderen am Zuge, um zur Lösung der Krise beizutragen. "China hat enorme Möglichkeiten, zu helfen, etwas zu bewegen", sagt US-Außenminister John Kerry unter Hinweis auf die traditionell engen Beziehungen Chinas zum nordkoreanischen Regime. Dagegen beteuert Chinas Führung, schon massiv in Pjöngjang interveniert zu haben, aber ohne Erfolg. Der Einfluss sei "begrenzt", heißt es in Peking nicht ohne spürbare Frustration. Ohnehin zeigt das Verhältnis unter dem neuen, jungen Machthaber Kim Jong Un deutliche Risse.

"Alle blicken immer nur auf China, um Druck auf Nordkorea auszuüben, aber um das Problem an der Wurzel zu packen, müssen die USA den direkten Dialog mit Nordkorea führen", sagt ein hoher Außenpolitiker der Nachrichtenagentur dpa in Peking. Mit Sorge beobachtet auch der große Nachbar, wie Nordkorea neue Raketen zum Abschuss vorbereitet und weiter an der Eskalationsschraube dreht. Allerhöchste Zeit also, sich enger mit den USA abzustimmen.

"Es ist ein kritischer Augenblick", sagte Kerry am Samstag bei seinem Treffen mit Chinas neuem Außenminister Wang Yi in Peking. Er äußerte seine Hoffnung, "dass zwei große Mächte, die USA und China, effektiv zusammenarbeiten, um Probleme zu lösen". Der Minister sucht kreative Ansätze, die über die bisherigen, vergeblichen Versuche zur Entschärfung der Krise hinausgehen. Auf seiner Asienreise will Kerry eine einheitliche Haltung mit Südkorea, China und Japan entwickeln, um "ganz andere Alternativen" zu finden. Kerrys Visite vorausgegangen waren Wochen der aggressiven Kriegsrhetorik aus Pjöngjang. Das nordkoreanische Fernsehen berichtete am Samstag mit keinem Wort über den Besuch Kerrys in der Region.

Kerrys Vorgängerin Clinton war in China äußerst unbeliebt

In China wird dem neuen US-Außenminister diplomatischer "Sanftmut" nachgesagt - im Gegensatz zur "harten Linie" seiner Vorgängerin Hillary Clinton, wie es heißt. Die Beziehungen der chinesischen Führung zu Clinton galten als schwierig. Die Volksrepublik hielt die Politikerin für unsensibel im Umgang mit diversen Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Wirtschaftsriesen, die von Menschenrechten bis hin zu Territorialstreitigkeiten im Südchinesischen Meer reichten. Kerrys Besuch in China stelle die neue diplomatische Mannschaft der USA "auf den Prüfstand", kommentierte die chinesische Tageszeitung "Global Times".

Experten sehen klare Differenzen. "Beide Seiten sind sich über die Bedrohung durch Nordkorea einig, aber unterscheiden sich grundsätzlich in der Frage, wie mit der Gefahr umgegangen werden soll", sagt Cheng Xiaohe, Professor für internationale Beziehungen an der Volksuniversität in Peking der Nachrichtenagentur dpa. Obwohl die Bälle hin- und hergeschoben werden, kooperierten die USA und China in der Korea-Krise allerdings schon viel enger als je zuvor.

USA würden gern mit Nordkorea verhandeln

"China will Verhandlungen, aber die USA sind überzeugt, dass Gespräche allein die Probleme nicht lösen können", sagt Cheng Xiaohe. Es gehe jetzt darum, sich auf einen Kompromiss zuzubewegen, wie ein harter Sanktionskurs und das Angebot zu Gesprächen miteinander in Einklang gebracht werden können. "Es gibt keine andere Wahl als enger zu kooperieren, ansonsten droht die Lage außer Kontrolle zu geraten."

Grundsätzlich sind die USA auch zu direkten Gesprächen mit Nordkorea oder auch neuen internationalen Verhandlungen bereit, wie Kerry betont. Dafür stellen die USA aber klare Bedingungen: Nordkorea müsse die UN-Resolutionen und seine internationalen Verpflichtungen einhalten und ein klares Bekenntnis zur atomaren Abrüstung abgeben. "Sie müssen es ernst meinen", sagt Kerry. "Niemand wird Gespräche führen, nur um zu reden."

Über Atomwaffen spricht Pjöngjang nicht mehr

Zwar dürfte auch der neue Führer Kim Jong Un an direkten Gesprächen mit den USA interessiert sein, aber seine Atomwaffen will er nicht hergeben. "Nordkorea hat mehrmals erklärt, dass über das Atomprogramm nicht mehr geredet werden kann", sagt der außenpolitische Kommentator Shi Yinhong in Peking. Eine Rückkehr zu den 2009 eingefrorenen Sechs-Parteien-Gespächen mit Nordkorea, den USA, China, Südkorea, Japan und Russland hält Shi Yinhong für "unmöglich". "Die Gespräche sind gestorben."

anb/DPA/Reuters DPA Reuters

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